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Legionellen unter einem Mikroskop.

Europaviertel Frankfurt

Legionellen im Europaviertel

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Das Gesundheitsamt Frankfurt bestätigt die Verseuchung eines großen Gebäudekomplexes im Europaviertel, hält den Vorfall aber für nicht weiter ungewöhnlich. Besitzer müssen regelmäßig kontrollieren.

Die Wohnungen im Frankfurter Europaviertel, dem neuen Quartier westlich des ehemaligen Güterbahnhofs, sind nicht eben billig. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass dort alles picobello ist. Wie das Frankfurter Gesundheitsamt auf Anfrage am Montag bestätigte, ist derzeit ein großer Gebäudekomplex in der Europa-Allee von Legionellen befallen.

Das bedeutet, dass die Bewohner dort derzeit nicht duschen dürfen, weil sie sich sonst eine Legionellose, eine Lungenentzündung, zuziehen könnten. Antoni Walczok, Infektiologe beim Gesundheitsamt hält den Vorfall für „nicht ungewöhnlich“.

Der Betreiber des Gebäudekomplexes habe völlig korrekt gehandelt. Er habe die in der Trinkwasserverordnung vorgeschriebene Überprüfung des Legionellenanteils im Trinkwasser durchführen lassen und – als klar war, dass der Grenzwert überschritten wurde, das Duschverbot verhängt. „Die Mieter sind informiert“, sagte Walczok.

Ein Grund für das vermehrte Aufkommen der gefährlichen Bakterien könnte sein, dass dem Vernehmen nach die Wohnungen dort nicht durchgängig belegt sein und oft leer sehen sollten. Dabei handele es sich allerdings nur um eine Vermutung, sagte Walczok.

Allerdings steht fest, dass es die Vermehrung der Legionellen beschleunigt, wenn das Leitungswasser nicht ordentlich zirkuliert. Dann besteht die Gefahr, dass sich ein Biofilm bildet und damit ein ideales Umfeld für die Keime entsteht, die sich in einer Wassertemperatur von 30 bis 45 Grad am wohlsten fühlen.

Wird das Wasser wie bei einer sogenannten thermischen Desinfektion für mindestens drei Minuten auf 70 Grad erwärmt, sterben die Legionellen ab. Solche Desinfektionen waren auch für die vier Schulturnhallen vorgesehen, bei denen bereits im Juli dieses Jahres ein Legionellenbefall festgestellt und ein Duschverbot verhängt wurde. Nach Angaben von Walczok konnten noch immer nicht alle Turnhallen den Betrieb wieder aufnehmen.

Der Trinkwasserverordnung entsprechend, führt das städtische Gesundheitsamt nicht nur in 180 Schulturnhallen, sondern auch in Krankenhäusern, Altenheimen, Schwimmbädern und Hotels regelmäßig Kontrollen durch. 2011 wurde auch eine Untersuchungspflicht für Besitzer von Mehrfamilienhäusern, Wohnungsbaugesellschaften und Hausverwaltungen erlassen.

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