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Leerstand in Frankfurt: Im Westend tut sich etwas

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Von: Oliver Teutsch

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Das ehemalige Institut für Anglistik, fotografiert vom Standort des ehemaligen Uni-Turms. Foto: Peter Jülich
Das ehemalige Institut für Anglistik, fotografiert vom Standort des ehemaligen Uni-Turms. Foto: Peter Jülich © Peter Jülich

Das Institut für vergleichende Irrelevanz steht seit über neun Jahren leer, nun kommt Bewegung in das einst besetzte Haus. Hörsaal-Feeling soll erhalten bleiben.

Seit mehr als neun Jahren steht das historische Gebäude im Kettenhofweg leer, nun könnte sich doch noch etwas tun im ehemaligen Institut für vergleichende Irrelevanz (Ivi). „In zwei bis drei Monaten geht es los“, verspricht Bauleiter Danny Azakir. In etwa zwei Jahren soll in dem denkmalgeschützten Gebäude ein neues Hotel eröffnen. Derzeit gebe es letzte Abstimmungen mit dem Denkmalamt wegen des Bauantrags, so Azakir. Klingt gut, das Problem ist: Etwas ähnliches hatte Azakir der FR bereits vor anderthalb Jahren berichtet.

Die Geschichte des Hauses ist hinlänglich bekannt. Das Gebäude wurde Anfang der 50er Jahre vom Architekten Ferdinand Kramer entworfen und diente der Goethe-Universität jahrzehntelang als Institut für Amerikanistik. Nach dem Umzug der Universität in Richtung Westend war das Haus von 2003 bis 2013 von Studierenden besetzt und diente als Kultur- und Veranstaltungszentrum. Das Land Hessen verkaufte das Grundstück an die Projektentwicklungsgesellschaft Franconofurt, die es wiederum weiterverkaufte. Doch seit der umstrittenen Räumung im April 2013 steht es leer.

Azakir betreut das Projekt seit Juli 2020 und versprach fünf Monate später, die Arbeiten würden bis Mitte 2022 abgeschlossen sein. Doch daraus wurde nichts. Azakir hatte die Arbeit offenbar unterschätzt. „Der frühere Bauherr hat einfach alles abgebrochen, dadurch war es schwer, ein neues Konzept zu erstellen“, so der Architekt.

Allzu viel Schützenswertes gebe es in dem Haus nicht mehr. „Das einzige, was wir erhalten müssen, sind die beiden Treppenhäuser“, so Azakir. Aus dem Denkmalamt der Stadt war zu möglichen Schäden auf Anfrage nichts zu erfahren. Eine Konservatorin gab lediglich an, mit der Bauleitung im Austausch zu stehen, eine neue Baugenehmigung sei aber noch nicht erteilt, hieß es zuletzt. Eine Baugenehmigung war ursprünglich schon erteilt worden. Simone Zapke, die Leiterin der Bauaufsicht hatte sich im Oktober vergangenen Jahres gewundert: „Wir haben keine Erkenntnisse, warum es schleppend oder gar nicht läuft.“

Azakir zufolge hätten die bestehende Planung nicht übernommen werden können, da sich die Bauordnung zwischenzeitlich geändert habe. Dies sei insbesondere im Bereich des Brandschutzes problematisch. Zudem sollte der ehemaligen Hörsaal des Instituts „eine Umnutzung“ erfahren. Doch geplant ist weiterhin ein Hotel mit 18 Zimmern und ein Restaurant im ehemaligen Hörsaal. Was die dortige Planung angeht, wird Azakir nun konkreter. Im hinteren Teil des Restaurants soll eine „Showküche“ entstehen, aber: „Das Hörsaal-Feeling soll bleiben“, so Azakir. Dazu gehören etwa die markanten Oberlichter in den Gängen oder auch die ein oder andere Reminiszenz an die Studentenzeit. So sei geplant, ein Graffito im Eingangsbereich des Restaurants zu erhalten. „Vielleicht erkennt das dann der ein oder andere Student wieder.“

Die Außenfassade hingegen soll von Graffiti befreit und generell aufwendig gesäubert werden. Ansonsten seien keine Änderungen an der Fassade vorgesehen. Auch auf ein Hotellogo würde Azakir gerne verzichten, um den schlichten Charme des Gebäudes zu wahren. Einen Betreiber für das Hotel gebe es noch nicht, wohl aber „drei namhafte Bewerber“, so Azakir. Das verwundert nicht. Schließlich liegt das Haus an der Senckenberganlage in bester Westend-Lage zwischen Bockenheim und Messe. Vielmehr verwundert, dass sich in der begehrten Adresse seit mehr als neun Jahren nichts getan hat.

Im Juli 2012 war das Institut fürvergleichende Irrelevanz nochaktiv. Foto: Stephan Morgenstern
Im Juli 2012 war das Institut fürvergleichende Irrelevanz nochaktiv. Foto: Stephan Morgenstern © Stephan Morgenstern

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