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Leerstand auf dem Friedhof

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Von: Miriam Keilbach

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Gräber werden weniger nachgefragt und kürzer belegt, deshalb setzen die Friedhöfe auf pflegeleichte Rasengräber.
Gräber werden weniger nachgefragt und kürzer belegt, deshalb setzen die Friedhöfe auf pflegeleichte Rasengräber. © Peter Jülich

Auf den Stadtteilfriedhöfen in Eckenheim, Preungesheim, Berkersheim und Bonames stehen viele Gräber leer. Der Ortsbeirat 10 wünscht deshalb eine Urnenwand. Die Verwaltung hält das für falsch.

Die CDU im Norden sorgt sich um die Zukunft der Stadtteilfriedhöfe in Eckenheim, Preungesheim, Berkersheim und Bonames. „Man muss nur mal dort entlang gehen und sieht, dass zahlreiche Gräber leer stehen, vor allem in Eckenheim“, sagt der Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 10, Gero Gabriel. „Wir müssen die Zukunft der Friedhöfe sichern und sollten überlegen, ob Urnenwände dabei helfen können.“

In Heddernheim gibt es eine solche Urnenwand seit kurzem. Innerhalb von vier Wochen waren alle Plätze verkauft. Doch für Thomas Bäder, Leiter der Friedhofsangelegenheiten im Grünflächenamt, sind Urnenwände keine Lösung – denn die bisherigen Grünflächen stünden dann immer noch leer. „Wir sind eher für Urnen-Rasengräber“, sagt er. Die könne man auf den leeren Flächen gut anordnen und durch den Rasen seien sie pflegeleicht für die Angehörigen. Ein Platz in der Urnenwand sei zudem teurer als ein Rasengrab zu bestatten.

Dass Heddernheim eine Urnenwand bekam, sei eine Ausnahme. „Der Friedhof ist klein und voll, wir hatten keine Erweiterungsmöglichkeit“, sagt Bäder. Das sei im Ortsbezirk 10 anders. Den Leerstand merke man vor allem auf zentralen Anlagen wie dem Hauptfriedhof, aber auch auf den kleineren der insgesamt 36 Friedhöfe in Frankfurt gebe es Überhang.

Kaum Zeit für Grabpflege

In den vergangenen zehn Jahren hat sich bei der Bestattung viel geändert. Waren es 2006 noch 70 Prozent Erdbeisetzungen, sind es heute 70 Prozent Urnenbeisetzungen. Die FDP im Ortsbeirat fürchtet mit zunehmenden Urnengräber um „ein Stück unserer Kultur“, wie Andreas Eggenwirth sagt. Dem sei nicht so, entgegnen sowohl SPD als auch Thomas Bäder.

„Der Großteil wünscht inzwischen ein kleines, günstiges, pflegeleichtes Grab“, sagt der Leiter der Friedhofsangelegenheiten. Die Menschen seien mobil, die Angehörigen wohnen oft nicht an dem Ort, an dem der Tote begraben liegt; eine Grabpflege ist schlicht nicht möglich.

Bedarf sieht Bäder für Berkersheim, Eckenheim und Preungesheim nicht – dort gibt es nur bis zu 30 Bestattungen pro Jahr. Nur in Bonames sei der Betrieb noch rege. „Wir wollen die Friedhöfe erhalten, aber der Platz ist aufgrund der geringen Nachfrage ausreichend.“

Die Bestattungskultur in Frankfurt folgt nur einem deutschlandweiten Trend. Während im Osten und im Norden des Landes Urnenbestattungen schon lange einen hohen Anteil – teils mehr als 90 Prozent – ausmachen, ziehen Westen und vor allem Süden erst langsam nach. Wenn Menschen sterben, wünschen sie, dass ihre Angehörigen keinen Aufwand und keine Kosten mit der Grabpflege haben.

Muslimische Bestattungen hingegen seien im Frankfurter Norden kaum ein Thema – außer am Parkfriedhof Heiligenstock, auf dem sich ein gesondertes Feld für Moslems befindet. Dort werden auch rituelle Waschungen nach den religiösen Geboten des Islams angeboten.

Der Ortsbeirat hat sich in seiner Sitzung einstimmig für einen entsprechenden CDU-Antrag entschieden. Darin bittet sie den Magistrat zu prüfen, ob Urnenwände errichtet werden können. Eine offizielle Antwort steht noch aus.

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