+
Fast 1000 Stühle wurden am Freitag auf dem Römerberg aufgebaut, jeder steht symbolisch für einen Frankfurter Betrieb.

Gastronomie

Leere Stühle auf dem Römer: Frankfurter Gastronomen protestieren

  • schließen

Mit 1000 leeren Stühlen auf dem Römer fordern Wirte Hilfe und eine Perspektive von der Politik.

Es sind tatsächlich fast 1000 Stühle, die am Freitag auf dem Römerberg aufgestellt worden sind. Jeder steht symbolisch für einen der Gastronomiebetriebe in der Stadt. Eigentlich gibt es mehr, rund 3000. Die Frankfurter Gastronomeninitiative IGF hatte in Frankfurt zu der Aktion #leerestühle aufgerufen, die bundesweit in 75 Städten durchgeführt wird und auf die schwierige Situation der Branche aufmerksam macht.

„Die Bundesregierung hat die Gastronomen zwar auf dem Zettel, aber die Maßnahmen greifen nicht weit genug und kommen zu spät“, sagt der Vorsitzende Madjid Djamegari, dem der Club Gibson gehört. Die Branche brauche weitere Hilfen und Perspektiven. „Wir müssen planen können.“

Probleme hätten alle, ob es die großen seien mit bis zu 200 Mitarbeitern oder Zweimannbetriebe. „Und sie haben Verantwortung für die Mitarbeiter.“ Das Kurzarbeitergeld sollte für sie nicht erst ab dem vierten Monat aufgestockt werden, sondern ab Mai.

Helfen die Angebote zum Mitnehmen und zu Lieferungen? „Mehr für den Kopf“, sagt Djamegari. Man habe Kontakt mit Kunden und bekomme Zuspruch. Damit machten die meisten gerade mal zehn bis 30 Prozent des normalen Umsatzes. Da gebe es nur wenige, für die es gut laufe und die vorher meist schon ausgeliefert hätten, wie Pizza oder Burger.

In Sorge um Mitarbeiter

Sorgen um seine Mitarbeiter macht sich auch Goran Petreski, ihm gehören der Italiener Vaivai, die Eventlocation Blaues Wasser und Vespaiolo im Shopping Centre MyZeil. Die Mitarbeiter bräuchten mehr als die 60 Prozent des Kurzarbeitergelds, denn viele verdienten sich gerade durch das Trinkgeld einiges hinzu, was in der Rechnung nicht berücksichtigt werde. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent bei Speisen sei zwar ein wichtiger Schritt, aber man hätte sich es länger als für ein Jahr gewünscht und dass es auch für Getränke gelte.

Eine Passantin betrachtet die Stühle. „Ich finde das eine gute Sache.“ Es wäre so schade, wenn einige schließen müssten. Sie versuche schon durch Bestellungen oder Take-away zu unterstützen. Eine andere findet: „Klar, für Kleinen tut es mir leid, aber viele haben sich doch auch eine goldene Nase verdient.“ Wie jedes Unternehmen müssten die doch auch Rücklagen gebildet haben.

Die Aktion sei notwendig, um ein Zeichen zu setzen, sagt Eduard Singer von Dehoga Hessen. „Es muss was passieren, sonst stirbt die Gastronomie, ein Kulturgut und Lebendigkeit.“ Wenn es so weitergehe, werde es ein Drittel der Betriebe schon im Juli nicht mehr geben. IGF und Dehoga Hessen fordern die Stadt auf, einen kommunalen Hilfsfond für besonders betroffene Unternehmen einzurichten und keine Kürzungen im Budget der Frankfurter Tourismus- und Congress GmbH vorzunehmen. Die Gastronomen wollen die Aktion an anderen Orten in Frankfurt wiederholen.

Derweil halten sich viele Menschen in Frankfurt nicht an das Corona-Kontaktverbot. Die Polizei hatte auf dem Opernplatz und am Paulsplatz jede Menge zu tun. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare