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An vielen Ständen dürfen die Besucher probieren.

Food Festival

Lebensmittel nicht verschwenden

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Beim „Food Festival“ im Kunstverein Montez geht es um mehr als gutes Essen. Ziel ist auch die Besucher an das Thema Lebensmittelverschwendung heranzuführen.

Der Verein ShoutOutLoud setzt sich seit 2013 für die Förderung lokaler Nachhaltigkeit und einen achtsameren Konsum ein, aber auch für die Integration von Flüchtlingen. Daniel Anthes ist seit zwei Jahren dabei und stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Der 29-Jährige hatte die Idee zum „ShoutOutLoud & Friends Food Festival“ am Samstag, 30. Juli, 13 Uhr bis Mitternacht, auf dem Gelände des Kunstvereins Familie Montez, Honsellstraße 7. Der Eintritt ist frei.

Herr Anthes, mit wie vielen Besuchern rechnen Sie am Samstag?
Schwer abzuschätzen. Aber ich wünsche mir, dass es ein paar Hundert werden.

Angenommen, es kommen weniger. Ihr Vereinsmotto lautet: „kein Essen für die Tonne“. Wohin dann mit dem Essen?
Bei uns wird tatsächlich nichts in der Tonne landen. Was übrig bleibt verteilen wir vereinsintern, an unsere Partner und sonstige Interessierte. In Zeiten des Internets und Plattformen wie Foodsharing ist es außerdem recht simpel, Lebensmittel zu verteilen. Es gibt genug Möglichkeiten spontaner Verwertung außerhalb des Food-Festivals.

Und was machen Sie mit Besuchern, die ihren Teller am Samstag nicht aufessen. Dürfen die ihr Essen wegschmeißen?
Natürlich dürfen sie das. Wir sehen uns aber als Verein mit einem gewissen Bildungsauftrag. Wir wollen Menschen an das Thema Lebensmittelverschwendung heranführen – aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, denn wir zwingen Leuten kein Konsumverhalten auf. Wenn sie sich am Samstag zu viel auf den Teller füllen lassen, bekommen sie von uns eine Box und dürfen den Rest mit nach Hause nehmen. Sie können bei uns aber auch probieren. Sie bezahlen ja erst einmal nichts. Nach dem Essen können sie dann so viel spenden, wie sie möchten.

Es gibt also keine Preise für die Speisen beim Food-Festival?
Mit wenigen Ausnahmen. Dem Stand von Veganz haben wir beispielsweise eingeräumt, für das Eis einen Preis zu verlangen. Insgesamt haben wir sieben Essensstände, allein vier davon betreibt unser Verein. Das Besondere daran: Alles, was es dort gibt, ist zum größten Teil aus geretteten Lebensmitteln zubereitet. Also Lebensmitteln, die es aufgrund von Normen und Standards nicht in die Supermärkte schaffen. Zum Beispiel Gurken oder Zucchini, die zu krumm sind. Die holen wir bei Erzeugern aus der Region ab.

Was bereiten Sie damit für die Besucher am Samstag zu?
Es wird kalte Sommersuppen geben. Außerdem Sandwiches, Smoothies und Grillgemüse. Gekocht wird auch während des Festivals. Beim Brutal-Lokal-Kochwettbewerb treten am Samstag zwei Profi- und zwei Hobbykochteams gegeneinander an. Sie wissen vorher nicht, welche Lebensmittel wir ihnen zum Kochen geben. Außerdem laden wir alle Gäste im Rahmen unseres mittlerweile bekannten Formats „Integration geht durch den Magen“ ein, gemeinsam mit Geflüchteten und Migranten zu kochen. Herauskommen könnte dann so etwas wie Samosas mit Grüner Soße. Übrigens wollen wir auch in unserem geplanten vereinseigenen Foodtruck Geflüchtete einstellen.

Ein vereinseigener Foodtruck?
Ja, im September starten wir hoffentlich die Crowdfunding-Kampagne dafür. Wir brauchen etwa 40 000 Euro. Die Idee ist, gerettete Lebensmittel zu Sandwiches und Suppen zu verarbeiten und sie mit dem Foodtruck ab dem kommenden Frühjahr auf den Straßen Frankfurts anzubieten. Statt Fast Food gibt es bei uns dann Fast Good – eine spannende Kombination aus Streetfood, Achtsamkeit und kulturellem Austausch. Wir sehen beim Thema Essen einen enorm großen Hebel, ist es doch ein zentraler Teil urbaner Alltagskultur. In Deutschland wird etwa ein Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs weggeschmissen – das sind 82 Kilogramm jährlich pro Einwohner.

Interview: Johannes Vetter

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