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Peter Feldmann, Ernst Dieter Rossmann, Annegret Kramp-Karrenbauer und Andreas Voßkuhle.

Volkshochschulen

Lebenslanges Lernen in der Paulskirche gewürdigt

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Die Volkshochschulen feiern ihr hundertjähriges Bestehen in der Frankfurter Paulskirche und stellen sich der Digitalisierung.

Um das hundertjährige Bestehen der Volkshochschulen in Deutschland zu feiern, gab es gewiss keinen würdigeren Ort als die Frankfurter Paulskirche, die immer wieder als Wiege der deutschen Demokratie bezeichnet wird. 1919 war das Jahr, in dem die Weimarer Verfassung entstand, die das „Volksbildungswesen“ als politischen Auftrag für „Reich, Länder und Gemeinden“ festschrieb. Diese „öffentliche Verantwortung für die Weiterbildung“ löste eine Welle von Volkshochschulgründungen aus.

Unter den rund 600 geladenen Gästen, die am Mittwochvormittag zur Jubiläumsfeier in die Paulskirche kamen, konnte man auch prominente Politiker wie den 79 Jahre alten Franz Müntefering (SPD) und die 81-jährige Rita Süßmuth (CDU) entdecken. Dass die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer als Festrednerin auftrat, hatte nichts mit dem CDU-Vorsitz zu tun: Kramp-Karrenbauer betonte als Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, dass man sich der digitalen Herausforderung stellen wolle.

Es gehe darum, die Menschen in einer digitalisierten Welt zu befähigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Jeder müsse lernen können, wie die sogenannten Social Media funktionieren und was ein Algorithmus ist, wie man „Fake News entlarvt“ und sich vor „Hate Speeches“ schützt. Es gehe nicht darum, sich künftig zwischen analogen und digitalen Angeboten zu entscheiden: „Das eine ergänzt das andere.“ Der klassische VHS-Kurs sei eine „Begegnung in Echtzeit“. Er führe Menschen zusammen – das sei im Vergleich zu einem Computerprogramm „ein Mehrwert“.

Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, der über den Bildungsauftrag des Grundgesetzes sprach, unterstützte die Ansicht, dass die persönliche Begegnung auch in einer digitalen Welt notwendig sei. Das gelte für die Vorlesungen an den Universitäten ebenso wie für die Wirtschaft, in der sogenannte Meetings gang und gäbe seien. Der Vorsitzende des Deutschen Volkshochschulverbandes, Ernst Dieter Rossmann, fügte hinzu, dass man den Festakt ganz bewusst nicht digital gestaltet habe: „Wir haben uns analog getroffen.“ Rossmann wünschte sich mehr „Zeitspenden“ und ehrenamtliches Engagement für die Volkshochschulen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erinnerte daran, dass die Volkshochschulen aus einer „Bewegung von unten“ entstanden seien.

In Frankfurt begann diese „Bewegung“ am 29. November 1890 mit dem Aufruf, einen „Ausschuss für Volksvorlesungen“ zu gründen. Wie die Direktorin der Frankfurter VHS, Truda Ann Smith, im Gespräch mit der FR erklärte, habe eine Bürgerinitiative den Arbeitern „Zugang zu Bildung“ ermöglichen wollen. Eine erste Veranstaltung ist am 16. Januar 1891 dokumentiert. Rund 700 Zuhörer lauschten den Ausführungen von Professor Veit Valentin, der verschiedene Baustile und ihre Bedeutung für die Kunst und das Kunstgewerbe erläuterte. Später folgten „Volksvorstellungen im Theater“ mit vergünstigten Eintrittspreisen oder auch „Volkskonzerte“, erzählte Smith.

Mit dem Volksbildungsheim am Eschersheimer Tor, in dem inzwischen Kinos untergebracht sind, bekam die Volksbildung in Frankfurt ab 1919 ein eigenes Zentrum mit Hör- und Festsälen.

Smith machte deutlich, wie sehr der Bildungsbegriff im Wandel ist – auch wenn es zeitlose Dauerbrenner gibt wie etwa die Sprachkurse. Unter den 4835 Kursen, die 2018 im VHS-Programm standen, waren 1726 Sprachlehrgänge. Auch der Gesundheitsbereich ist ein Renner. Doch daneben ist die VHS immer auf der Suche nach aktuellen gesellschaftlichen Trends. Mit dem „Plastikfasten“ gelang es in diesem Jahr, den Puls der Zeit zu treffen. Der Kurs war in Kürze ausgebucht. Gemeinschaftliches Wohnen war 2018 ein Thema. Ein Nebeneffekt bei vielen Kursen sei, dass sich einige Teilnehmer oft über viele Jahre treffen würden.

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