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Die Kornmarkt-Arkaden sind nach Plänen des Architekturbüros KSP Jürgen Engel entstanden.

Bundesrechnungshof-Areal in Frankfurt

Leben auf der früheren Insel

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In das viele Jahre verwaiste Bundesrechnungshof-Areal mitten in der Stadt Frankfurt, ist Leben eingezogen. Ein großes Hotel, Büros und Wohnungen sind entstanden. Die Neubauten werten das Viertel deutlich auf.

Noch liegt Baumaterial an der Berliner Straße, muss die Fläche vor dem denkmalgeschützten Teil des früheren Bundesrechnungshofs hergerichtet werden, sind die Schaufenster an der Bethmannstraße leer und dunkel. Doch gut 18 Jahre nach dem Umzug der Behörde nach Bonn, drei Jahre nach Beginn der Arbeiten an den „Kornmarkt-Arkaden“ ist erstes Leben in das viele Jahre verwaiste, schon vorher unzugängliche Quartier mitten in der Stadt eingezogen.

Im Motel One, einem 470 Zimmer zählenden Hotel, das im cremefarbenen, achtgeschossigen Bug des vom Projektentwickler OFB geschaffenen Gebäudekomplexes aus Alt und Neu Platz gefunden hat, sitzen Touristen und frühstücken. Große Fensterfronten erlauben den Blick in das, für die auf günstiges Übernachten spezialisierte Kette, fast edle Foyer, das noch weihnachtlich geschmückt ist. Gleich drei Eingänge führen hinein. Vor der Tür zum Bar- und Cafébereich, des trotz seiner Größe fast dynamisch wirkenden Gebäudeteils, sind Tische, Stühle, Sonnenschirme aufgebaut. Die freilich stehen an einem grauen Morgen bei Temperaturen knapp über Null ziemlich verloren herum.

Die Umgebung ist scheußlich. Autos wälzen sich ostwärts auf die überbreite Berliner Straße. Andere kommen aus dem Theatertunnel geschossen, über dessen viel zu lange Ausfahrt, eine hässliche Fußgängerbrücke führt. Auch die Rückseite des Frankfurter Hofs ist alles andere als ansprechend. Der helle, behutsam gegliederte an seiner Spitze abgerundete Hotelneubau, der wie das ganze Ensemble nach Plänen des Büros Jürgen Engel entstand, wertet die Szenerie deutlich auf.

Eine neue Straßenbahnhaltestelle, „Karmeliterkloster (Kornmarkt)“ ist an der Bethmannstraße entstanden. Noch fehlen die Fahrkartenautomaten, gleich drei Linien aber halten nun zwischen Römer und Willy-Brandt-Platz. Neue Fahrradstreifen sind markiert. Fußgänger können von der Bethmannstraße aus nun auf zwei neuen Wegen durch das Areal zur Berliner Straße gelangen, die freilich weiterhin eine große Barriere darstellt. Bisher sei das Areal wie eine Insel im Stadtraum gewesen, hatte der damalige Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) vor drei Jahren beim Baubeginn gesagt. Nun werde es durchlässig. Langsam ist das zu erkennen.

Teure Wohnungen

Auch in den Bürotrakt im östlichen Teil ist schon Leben eingezogen. „Kucera“ ist an der Fassade des teils erhaltenen, teils rekonstruierten 50er-Jahre-Baus an der Ecke Berliner Straße/Kornmarkt zu lesen. Die Rechtsanwälte und Steuerberater des Unternehmens haben im September das Gebäude bezogen, das mit seinen gelben Kacheln, schwarzen und roten Elementen, also einem angedeuteten Schwarz-Rot-Gold, wieder an die frühere Bestimmung als Bundesbehörde erinnert. Der Co-Working-Anbieter Spaces will dieser Tage erstmals Büros im Ensemble anbieten, das auch aus einem siebengeschossigen cremefarbigen, mit bräunlichem Stein versetzten Büroneubau und einem Wohngebäude ganz im Südosten besteht. Auch das ist cremefarben, aber mit schwarzen Fensterrahmen und Balkongittern versehen, die Ecken sind geschwungen. Umzugskartons sind zu sehen, die ersten Wohnungen scheinen bezogen zu sein. Günstig sind sie nicht. Die Mieten beginnen bei 17 Euro pro Quadratmeter.

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