Am Abend strömen die Besucher auf die Frankfurter Dippemess.
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Am Abend strömen die Besucher auf die Frankfurter Dippemess.

Schausteller

Das Leben auf der Dippemess

  • vonAlexander Dietz
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Schausteller-Kindern wird der Beruf zumeist bereits in die Wiege gelegt. Und wie lebt es sich auf der Dippemess?

Die Gäste der Dippemess beobachten zumeist nur das bunte Treiben und die hellen Lichter der Fahrgeschäfte bei ihrem abendlichen Besuch. Auf dem Festplatz am Ratsweg wird jedoch auch tagsüber gelebt, organisiert und vorbereitet.

So weht bereits mittags der Duft von Popcorn über die leere Dippemess, während die Buden werktags erst um 14 Uhr öffnen. Zu diesem Zeitpunkt sind nur die Schausteller aus der ganzen Bundesrepublik auf dem Festplatz, die langsam ihre Wohnwagen verlassen und sich auf ihren Arbeitstag vorbereiten.

Aber wie lebt es sich auf der Dippemess? Gabriele Willenborg, die das Riesenrad auf dem Messegelände betreibt, freut sich über die Abwechslung, die ihre Tätigkeit bereithält: „Im Vergleich zu anderen ist der Beruf des Schaustellers sicherlich sehr abenteuerlich.“ Hier gebe es wenigstens noch einen Funken Freiheit. „Es ist trotzdem eine harte Arbeit, die wir aber gerne tun, um die Menschen glücklich zu machen.“

Familie von der Gathen aus Köln führt ein Spielgeschäft auf der Dippemess, wo Plüschtiere mit einem Greifarm ausgewählt werden können, und ist sogar mit den beiden Töchtern Antonia (15) und Herma (13) nach Frankfurt angereist. Zu viert bewohnen sie nun einen ungefähr 80 Quadratmeter großen Wohnwagen, der wie eine „klassische“ Wohnung mit Teppichboden, Sofa, Fernseher und Waschmaschine im Bad voll ausgestattet ist. Mit einem Lastwagen wird dieser Wohnwagen von Festplatz zu Festplatz transportiert.

Dabei werden sowohl die zwei Schlafzimmer der Kinder und des Ehepaars, als auch der Erker hinter dem Sofa eingefahren, damit der Wohnwagen auf eine straßentaugliche Größe verkleinert wird.

„Unsere beiden Töchter sind auf der Dippemess nur dabei, weil in Nordrhein-Westfalen noch Ferien sind. Ansonsten gehen die Mädchen regulär auf ein Gymnasium, so dass mein Mann und ich abwechselnd zu Hause bleiben“, schildert Astrid von der Gathen das Leben ihrer Familie.

Die meisten Schausteller sind bereits in Wohnwagen aufgewachsen und haben das schätzen gelernt. „Für Kinder ist es natürlich charmant, auf der Kirmes aufzuwachsen, wenn man jeden Tag bei Kollegen umsonst Karussell fahren darf“, berichtet Thomas Roie, der das Kettenkarussell „Wellenreiter“ auf der Dippemess betreibt. „Um die Nachfolge zu sichern, versucht man den Kindern natürlich die Kirmes nahezubringen. Mit 26 und 23 Jahren sind sie aber selbstständig genug, eine Entscheidung zu treffen.“

Ein anderes Leben können sich die beiden aber trotzdem nicht vorstellen, lacht Roie. Nun müsse er als Ausbilder agieren, könne sich aber irgendwann in die Organisation zurückziehen. Der 51-Jährige denkt dabei aber noch lange nicht an das Aufhören: „Ein Schausteller geht nicht in Rente.“

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