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Launiger Vortrag

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Von: Ramona Wessmann

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Feierstunde im Kaisersaal des Römers anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung des Römers vor 700 Jahren. Foto: Rolf Oeser
Feierstunde im Kaisersaal des Römers anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung des Römers vor 700 Jahren. Foto: Rolf Oeser © Rolf Oeser

Der Kabarettist Michael Quast enthüllt „Geheimprotokolle“ in einer Römer-Feststunde.

Achtung, humoristischer Vortrag“ - so die Vorwarnung auf der Projektor-Präsentation. Michael Quast, bekannter Schauspieler und Direktor der Fliegenden Volksbühne in Frankfurt, wurde zu 700 Jahren Römer in den Kaisersaal geladen. Sein Vortragstitel: „Gut Stubb intim“.

Die Begrüßung der Feststunde erfolgt vertretungsweise von Stadtrat Bernd Heidenreich (CDU), die Abwesenheit des Oberbürgermeisters Feldmann (SPD) wird entschuldigt. Er sei am Flughafen hängengeblieben, so heißt es.

Ein Streichquartett des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters begleitet musikalisch und lässt den Saal mit Klängen Mozarts seinem Namen entsprechend kaiserlich erscheinen.

Nach der halbstündigen Festrede von Michael Matthäus vom Institut für Stadtgeschichte ist Michael Quast an der Reihe.

Ganz demokratisch fragt Quast zunächst, ob denn auch alle einverstanden seien mit einem Vortrag von ihm, zählt dann zustimmende Handzeichen und stellt sich schließlich selbst als nächsten Redner vor.

Der Kabarettist lenkt den Blick auf die etwas anderen, vermeintlich historischen Gegebenheiten und interessante Gespräche, die sich um den Frankfurter Römer ranken. Aus Dokumenten, die „gerade erst letzte Woche aufgetaucht“, nein, sogar „heute vormittag“ aufgetaucht seien,weiß er zu erzählen, wie sich zwei mittelalterliche Bürger über das vorherige Frankfurter Rathaus, eine „gammlische Hütte“, lustig machten.

Eine Gegebenheit, die sich laut Institut für Stadtgeschichte historisch so zutrug, hat es Quast jedoch besonders angetan. Ein Mann wurde vor vielen hundert Jahren im Römer des Mordes angeklagt - und war schuldig. Doch er war drauf und dran einen Eid auf seine Unschuld zu schwören, da flog ein Rabe durch den Kamin in den Gerichtssaal und umkreiste ihn. Der Angeklagte gestand die Tat prompt, aus Ehrfurcht.

In Anlehnung an die wachsenden Vorwürfe gegen den Oberbürgermeister räumte Quast ein, dass besser alle Fenster und Kamine im Rathaus geschlossen bleiben. Damit sich bloß kein Rabe hinein verirrt. Mehr sagte Quast nicht, doch damit war bereits alles gesagt.

Eine Mischung aus Historischem, Humor und überraschenderweise auch Politischem bietet der Kabarettist Quast im Kaisersaal - und verdient sich damit viele Lacher der kleinen Festgesellschaft. (RAMONA WESSMANN)

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