Ohne CO2-Verbrauch geht es auch: Lastenfahrräder mit Elektromotor zählen momentan zu den gefragtesten Klimaschutzideen.
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Ohne CO2-Verbrauch geht es auch: Lastenfahrräder mit Elektromotor zählen momentan zu den gefragtesten Klimaschutzideen.

Klimaschutz

Die Last mit dem Rad

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Das Energiereferat hat die Sieger des Ideenwettbewerbs Klimaschutz ausgezeichnet. Sie wollen unter anderem Gütertransporte auf die Schiene und aufs Velo verlagern.

Der „tägliche Wahnsinn“ war es, der Klaus Grund und Herbert Riemann ins Grübeln brachte – und dieser Wahnsinn mündete in eine Idee, die ihnen am Montag eine ganze Stange Geld einbringt. Es ist Zahltag beim Energiereferat, Ausschüttung der Fördermittel für kreative Geschäftsideen in Sachen Klimaschutz. Mehr als 90.000 Euro wechseln die Besitzer und sollen helfen, Ideen zu verwirklichen.

Zurück zum Wahnsinn. „Tausende Lieferwagen sind täglich in der Stadt unterwegs“, sagt Klaus Grund, der Geschäftsführer der Firma Sachen auf Rädern. Da kämen, grob geschätzt, 10.000 Kilometer Fahrstrecke zusammen, jeden Tag. Mitsamt den Abgasen. Schlussfolgerung: „Wir brauchen eine andere Lösung – weg von den Lastwagen.“ Mit dem Industriedesigner Herbert Riemann tüftelte er etwas aus: „Citylogistik mit Logistiktram-System“. Die Idee besteht darin, dass Güter auf den Schienen unseres Straßenbahnnetzes durch die Stadt transportiert werden und auf der letzten Meile per Lastenfahrrad zum Kunden rollen. Einsparung: mindestens 0,7 Kilogramm CO2 pro Tonne Ware, haben die Projektpartner errechnet.

Gut möglich, dass die Pläne manchen Lesern bekannt vorkommen. Riemann stellte sie schon vor fast genau einem Jahr vor und war auch einer der Preisträger, nur mit einem anderen Partner. Daraus sei im ersten Anlauf nichts geworden, erklärt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Geld sei auch nicht geflossen, betont das Energiereferat. Also auf einen neuen Versuch. „Wenn das funktioniert, wird es international ein Renner“, prophezeit die Stadträtin. Mit der Verkehrsgesellschaft Frankfurt sind die Tüftler Grund und Riemann auch schon im Gespräch – und am Geld soll’s nicht scheitern: 31.600 Euro Förderung gibt es vom Energiereferat. Im Sommer 2018 soll die Pilotstrecke den Betrieb aufnehmen.

Einen ähnlichen Einfall hatten pfiffige Leute vom Verkehrsclub VCD, Regionalgruppe Rhein-Main: Lasten nicht mit dem Auto, sondern per Fahrrad transportieren. Hier geht es aber um private Nutzung, das Projekt „Lastenfrei“ verspricht die kostenlose Vermietung von Lastenrädern an drei Standorten: Bockenheim, Innenstadt, Ostend. Ersparnis: jährlich 83 Tonnen CO2, außerdem Stickoxid, und Platz gewänne der Mensch auch. Dafür gibt es 22.000 Euro Förderung, Start ist im Juni 2018, und die Dezernentin plant bereits ihren Umzug nach Bornheim mit einem der Räder.

Weitere Preisträger sind die Conergia Verwaltungs-GmbH aus Alzenau (18.000 Euro), die mit Kraft-Wärme-Kopplung „Lokalstrom“ und Wärme erzeugen will, zunächst in der Kiefernstraße (Griesheim) und der Pfälzer Straße (Unterliederbach), sowie das Unternehmen Right based on Science (deutsch etwa: Recht, das auf Wissenschaft gründet, 20.000 Euro). Die Gruppe plant eine Plattform, die jeder Firma schnell und einfach anzeigt, wie gut ihr Projekt mit den Klimazielen der Stadt zusammenpasst.

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