+
Erinnert nur vom Hals abwärts an Chewbacca aus Star Wars: Schauspieler und DJ Lars Eidinger.

Frankfurt

Wilde Schönheit in der Kunsthalle

  • schließen

Bei der Party „Schirn at night“ tanzen die einen im Foyer, die anderen durch die Ausstellung.

So voll und so bunt ist es an einem Samstagabend wohl selten in der neuen Altstadt. Bis auf den Römerberg zieht sich die Schlange von im Regen ausharrenden Besuchern, die geduldig auf den Einlass zur ersten „Schirn at night“-Party dieses Jahres warten. Anlässlich der aktuellen Ausstellung „Wildnis“ hat die Kunsthalle unter dem Motto „The wild Edition“ zu Tanz und nächtlichem Museumsbesuch geladen. Der Dresscode des Abends lautet dementsprechend: Savage Beauties. Bring out your inner wilderness.

Während aus dem Foyer die elektronischen Klänge des ersten DJ-Sets nach draußen hallen, steht Vasil Ruychmev noch im Innenhof der Schirn – in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen einen Longdrink. Er trägt ein dunkles Hemd aus Spitze mit orangenen und blauen Blumenmustern, etwas silbernen Lidschatten auf den Augen und dazu einen auffällig flauschigen, weißen Schal um den Hals. „Den Schal habe ich heute erst zufällig im Möbelladen gekauft und ich finde, der passt ganz gut zum Thema des Abends“, erläutert er mit einem Lächeln im Gesicht sein Outfit.

Und auch wenn sich augenscheinlich nicht alle Besucher eine konkrete Vorstellung des angekündigten Dresscodes machen konnten, so finden sich beim schweifenden Blick durch die Menge des Partypublikums doch überproportional häufig Blumen- und Leopardenmuster wieder, bei manchen als schlichtes Accessoire, bei anderen auf extravagante Weise ins Outfit integriert.

Bunter Mix aus Popmusik

Umrahmt von einer mit dunkelgrünen Palmenblättern aus Plastik dekorierten Bühne sorgt der Stargast des Abends, der Film- und Theaterschauspieler Lars Eidinger, mit einem bunten Mix aus Popmusik für gute Laune unter den dicht gedrängt tanzenden Besuchern. In seinem dunkelbraunen Fellkostüm, mit goldenen Grills auf den Zähnen und Glitzer auf der Stirn, sucht er seinem Outfit noch das gewisse Extra an Absurdität zu verleihen, vielleicht, um überhaupt noch aus der Masse der Blumen- und Leopardenmuster herauszustechen.

Während sich der fröhliche Beat des 90er-Jahre-Eurodance-Stars Blümchen, „Nur geträumt“, noch lautstark seinen Weg durch das Treppenhaus hinauf in die Ausstellungsräume bahnt und von einer ausgelassenen Feierstimmung im Erdgeschoss zeugt, nutzen manch andere Besucher zwei Stockwerke höher lieber die seltene Gelegenheit für einen nächtlichen Rundgang durch die Ausstellung. So stehen etwa die beiden Studierenden Max und Leila, die extra aus Köln angereist sind, vor dem Werk „Beyond Man’s Footsteps“ des britischen Tiermalers Briton Riviére und unterhalten sich über verschiedene Deutungen. Das 1894 in der Tradition der romantischen Landschaftsmalerei entstandene Bild Riviéres zeigt eine Vision der Arktis als „erhabener, vom Menschen unberührter Ort“, wie im Begleittext zu lesen ist. Dennoch interpretieren die beiden die Aussage des Bildes eher als eine Parabel auf die Gegenwart und die scheinbar unaufhörlich voranschreitende Zerstörung der Natur durch den Menschen.

Das Konzept des Abends, die Kombination aus Party und Ausstellungsbesuch, bezeichnen sie als eine gelungene und sinnvolle Sache. Denn, wie Leila abschließend sagt: „Ich denke, vielleicht nehmen die Leute, die da unten im Foyer nur mit ihrem Aperol Spritz in der Hand rumstehen, ja am Ende doch noch etwas von der Ausstellung mit, das sie zum Nachdenken angeregt hat.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare