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Bei Festnahmen geht es häufig ruppig zu, in manchen Fällen kommt es auch zu Schlimmerem.

Tödlicher Polizeieinsatz in Frankfurt

Langwierige Ermittlung im Fall Savas K.

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Auch zwei Jahre nach einem tödlichen Polizeieinsatz in Frankfurt-Höchst sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Am 1. Juni 2017 war Savas K. in seiner Wohnung aus noch ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Die Polizei hatte den übergewichtigen und psychisch auffälligen Mann nach einer Räumungsklage abholen sollen. Der 42-Jährige starb, nachdem ihn mehrere Beamte auf seinem Bett fixiert hatten. Seitdem wird gegen sechs Polizisten des Reviers in Höchst ermittelt.

Claus Metz, der den Fall für die Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) von Anfang an kritisch begleitete, wirft der Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen eine Verschleppungstaktik vor. Eine unrühmliche Rolle spielt dabei auch die Frankfurter Rechtsmedizin. So dauerte es fast neun Monate, bis das angeforderte histologische Gutachten vorlag. Die normale Untersuchungszeit für die mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben liegt bei etwa zwei Wochen. Auskünfte zu der immensen Verspätung erteilte die Gerichtsmedizin nicht.

Die Staatsanwaltschaft teilt auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau mit, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Nadja Niesen, die Sprecherin der Anklagebehörde, wehrt sich darüber hinaus gegen den Vorwurf der Verschleppung: „Im Übrigen möchte ich deutlich machen, dass die Ermittlungen deshalb so lange dauern, da die Staatsanwaltschaft bemüht ist, den nicht unkomplizierten Vorfall akribisch aufzuklären“, heißt es in einer schriftlichen Antwort.

Rechtsanwalt Ali Aydin, der die Frau des Opfers als Nebenklägerin vertritt, sagt dazu: „Die Frage ist nur, warum das akribische Vorgehen so spät anfängt.“ Schon vor einem halben Jahr hatte Aydin besorgt geäußert, er wisse nicht mehr, was er seiner Mandantin im Hinblick auf die lange Ermittlungsdauer sagen solle. Jetzt sagt er mit Blick auf die Staatsanwaltschaft: „Auf Zeit spielen ist ja auf Dauer auch keine Lösung.“

Asthma war die falsche Fährte

Zur Wahrheit gehört auch, dass drei Nebenkläger und sechs Verteidiger das Verfahren nicht gerade beschleunigen. Allerdings ist es wohl den Anwälten der Nebenklage zu verdanken, dass es überhaupt zu weitergehenden Untersuchungen kam. Mediziner Metz wirft der Staatsanwaltschaft vor, „an der Asthma-Version von Anfang an gestrickt zu haben“. Bei der Durchsuchung der Wohnung hatten die Polizeibeamten ein Asthmaspray gefunden und die Hypothese verbreitet, für den Tod von Savas K. sei dessen Erkrankung verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft nahm diesen Ball auf und berichtete in den Wochen nach dem Tod in der Josef-Fenzl-Straße, das Opfer habe an Asthma gelitten. Das histologische Gutachten der Rechtsmedizin ging ebenfalls von dieser These aus. Erst als einer der Nebenklageanwälte eine Beiziehung der hausärztlichen Unterlagen des Opfers erzwingen konnte, wurde klar: Savas K. hatte kein Asthma, lediglich eine Raucherbronchitis.

Seitdem müssen die Gutachten in eine andere Richtung gehen. Bei der Staatsanwaltschaft liest sich das so: „Nach dem Eingang eines radiologischen Gutachtens Mitte März 2019 musste in der Folge ein ergänzendes rechtsmedizinisches Gutachten in Auftrag gegeben werden, um zu klären, ob die bereits vorliegenden rechtsmedizinischen Befunde aufgrund der nun vorliegenden radiologischen Befunde zu ändern oder zu ergänzen sind.“ All das spielt sich zwei Jahre nach dem Tod des Opfers ab.

Die Ärzte in sozialer Verantwotung gehen nach wie vor davon aus, dass Savas K. einen lagebedingten Erstickungstod starb, der durch seine Fettleibigkeit, aber eben auch wegen der massiven Einwirkung durch die Polizeibeamten forciert wurde. K. soll bäuchlings auf seinem Bett gelegen haben, während ein stämmiger Polizist auf ihm kniete und ihm Handschellen anlegen wollte. K. erlitt durch die Einwirkungen der Beamten zahlreiche schwere Blutergüsse und eine Fraktur des rechten Oberarms, bei dem sogar ein Teil des Schultergelenks her-ausgerissen wurde.

Rechtsanwalt Aydin rechnet nun jeden Tag mit Post von der Staatsanwaltschaft. Sein Kollege Christian Bakija weiß es besser. Der Nebenklagevertreter der Familie des Opfers bereitet derzeit noch eine abschließende Stellungnahme vor, die er der Staatsanwaltschaft erst dieser Tage zuschicken will. Bakija möchte keine Details nennen, ist aber nach den jüngsten Entwicklungen in dem Fall sehr optimistisch. „Mich würde es sehr wundern, wenn das Verfahren einfach eingestellt wird, das halte ich nicht für vertretbar.“ Bei einer Einstellung würde Bakija seinen Mandanten raten, dagegen vorzugehen, sagt der Rechtsanwalt. Der Fall Savas K. wird die Justiz wohl noch eine Weile beschäftigen.

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