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Metzger Michael Spahn bietet Fleisch wie Veganes an.

Gastronomie

Vegane Auswahl in Frankfurt nicht überragend

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In Frankfurt gibt es noch wenig vegane Restaurants, aber es tut sich was.

Nir Rosenfeld weiß, dass er eines nicht mehr länger kann: seinen Gästen weiterhin Fleischgerichte anzubieten. Also hat er vor zwei Wochen sein Café-Restaurant „Zeil Kitchen“, das er bereits seit 2010 zwischen Peek & Cloppenburg und Karstadt in der Frankfurter Innenstadt betreibt, auf „100 Prozent“ vegan umgestellt. Der Grund sei nicht der Gedanke gewesen: „Vegan ist in, mit vegan verdiene ich viel Geld“. Er betont: „Ich lebe selbst seit anderthalb Jahren vegan. Jetzt kenne ich mich mit veganer Küche aus. Und ich konnte es einfach nicht länger verantworten, Fleisch zu verkaufen“, sagt er. 

Bislang laufe das Geschäft super. „Es kommen sogar deutlich mehr Leute. Einmal sind das neue Gäste, aber auch die Stammgäste nehmen das Angebot an. Sie trinken ihren Latte Macchiato jetzt gerne statt mit Kuhmilch mit Hafermilch“, erzählt er. Zudem stehen Falafel, Wraps, Pizzen, Waffeln und Salate auf der Karte. Alles vegan. 

Blutwurst aus roten Linsen 

Auf der Berger Straße betreibt Michael Spahn seine Bio-Metzgerei. Dort bietet er neben Bio-Fleisch vegane Würste, vegane Rouladen, sogar vegane Blutwurst (aus roten Linsen) an. „Ich selbst musste aus gesundheitlichen Gründen meine Ernährung im Jahr 2013 komplett umstellen, und so begann ich, an Rezepten für vegane Würste und Fleischersatz zu tüfteln.“ Würste vegan herzustellen funktioniere prima, weil man den Geschmack auch bei Würsten aus Fleisch vorwiegend dank der Gewürze hinbekomme. „Ich habe nur das Medium Fleisch gegen Getreide getauscht.“ 

Anderthalb Jahre hatte Michael Spahn nebenan auch ein veganes Bistro. „Aber das ist leider gar nicht gut gelaufen.“ Als er dieses habe schließen müssen, habe es viel Empörung aus der Veganer-Szene gegeben. „Am Anfang fanden das Konzept alle toll, aber dann schlief das Interesse ein“, sagt Spahn. Alleine von dem Verkauf seiner 120 veganen Artikel in seiner Metzgerei, könne er nicht wirtschaftlich überleben. „Wenn ich meine Metzgerei komplett vegan umgestellt hätte, wäre das in die Hose gegangen.“ Das Hauptgeschäft mache er mit seinem Bio-Fleisch. Die veganen Produkte machten keine fünf Prozent des Gesamtumsatzes aus. Spahn: „Was aber gut läuft, ist der Verkauf der veganen Bratwürste an die Kette ‚Best Worscht in town‘. Die werden sogar in Dubai verkauft.“

Studentin und Fitness-Trainerin Alicia Wischert lebt schon länger vegan. Die 22-Jährige sagt, sie wünsche sich ein größeres Angebot für Veganer in Frankfurt. „Viele Restaurants bieten zwar Salate an, aber leider keine veganen Salatsoßen. Und man will ja auch, wenn man ausgeht etwas essen, was man sich Zuhause normalerweise nicht zubereitet.“ Das vegane und vegetarische Bio-Restaurant „Vevay“ am Willy-Brandt sei zwar eine Alternative. „Aber ich persönliche finde es relativ teuer und die Portionen klein.“ Was sie mag, ist das vegane Frühstück bei der Bäckerei „Huck“ in Sachsenhausen und im „Strandcafé“ im Nordend. 

Ray Harrison (53) sagt, das Angebot für Veganer sei nicht überragend, aber es entwickele sich langsam. „Früher schauten die Leute einen schon als Vegetatarier an: Von welchem Stern kommt der denn? Aber das hat sich sehr geändert“, so Harrison. In vielen Restaurants müsse man zwar erst nachfragen, aber dann bekomme man oft eine vegane Karte angeboten. „Selbst in der Lohrberg Schänke, wo es eigentlich Hausmannskost-Küche gibt, haben sie mir ohne zu zögern die Bratkartoffeln ohne Speck gemacht.“ Auch gebe es Pizzen mit veganem Käse bei Pizzerien wie Dolomiti am Oeder Weg oder der Pizzeria Schlaflos auf der Höhenstraße. „Und das ohne Aufpreis, das finde ich super.“ Ansonsten esse er gerne die Falafel bei „Aroma“ auf dem Oeder Weg. In Rödelheim gibt es den rein veganen Burgerladen „Savory“. „Was ich aber beim Einkaufen auch in Naturkostläden vermisse ist, dass es dort viele vegetarische Sachen gibt, aber wenig Veganes“, sagt Harrison. 

Viele Kunden hat das Restaurant „Rohkosteria“. „Vergangene Woche sind wir vom Sandweg auf die Berger Straße umgezogen. Es läuft so gut, dass wir uns vergrößern mussten“, sagt Victoria Michel vom Marketing. Sie böten nicht nur ausschließlich Veganes an, sondern alle Produkte seien sogar „rohvegan“. „Wir erhitzen die Gerichte nicht über 42 Grad, damit die Nährstoffe nicht verloren gehen. Zudem ist alles gluten- und zuckerfrei.“ Zum Süßen verwenden sie in der „Rohkosteria“ Datteln oder Stevia-Pulver. Es gibt so ziemlich alles: Wraps, Burger oder Salate mit Buchweizensprossen beispielsweise. Zu trinken gibt es Smoothies namens Lebenslust bis hin zu bis Weizengras-Shots. „Wir machen Nudeln aus Zucchini und Reis aus Blumenkohl“, so Michel. Zudem verkauft die „Rohkosteria“ auch Superfood wie Algen. Sie bietet auch Ernährungsberatung an. 

Moderne Küche auch vegan 

James Ardinast ist im Vorstand der Initiative Gastronomie Frankfurt sowie des Kreisverbands Frankfurt des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Hessen. Zudem betreibt mit seinem Bruder David mehrere Szene-Restaurants im Bahnhofsviertel. „Vegane Gerichte in die Speisekarte mit aufzunehmen gehört bei Restaurants mit moderner Küche in einer Großstadt wie Frankfurt heutzutage auf jeden Fall dazu“, betont Ardinast. In den vergangenen Jahren habe die vegane Küche immer mehr an Bedeutung gewonnen. 

Sein Bruder David und er bringen auch in ihrem jüngsten Restaurant „Bar Shuka“ mit „New Tel Aviv Cuisine“ Veganes auf den Tisch. „Hummus ist bereits vegan, den kann man sehr vielfältig und spannend zubereiten, so dass man selbst als Fleischesser nichts vermisst.“ Aber auch Fleischgerichte stehen auf der Karte. „Ein rein veganes Konzept wäre für uns nicht authentisch.“ 

Ardinast glaubt aber, dass die vegane Küche in den nächsten Jahren immer mehr nachgefragt sein wird. „In den 1980ern hat man die Vegetarier noch belächelt. Heutzutage kann man sein Restaurant eigentlich zumachen, wenn man nicht auch vegetarische Gerichte auf der Karte stehen hat.“

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