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Warf der Stadt Bummelei vor: Fredi Bobic.

Geschäftsstelle Eintracht Frankfurt

Das lange Warten auf den Erbpachtvertrag

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Die Frankfurter Eintracht kann mit dem Bau der Geschäftsstelle noch nicht anfangen.

Die Euphorie war groß beim symbolischen Baggerbiss am Waldstadion im vergangenen Mai. Mit dem Abriss des alten Tennisstadions und dem Bau der neuen Geschäftsstelle wollte Eintracht Frankfurt eine neue Ära einleiten. Letzte Details für den Erbpachtvertrag mit der Stadt sollten bis zum Ende des zehn Wochen dauerndes Abrisses geklärt werden. Doch ein knappes Dreivierteljahr später ist der Erbpachtvertrag immer noch nicht unterzeichnet und der Bau der Geschäftsstelle, die bis 2020 fertig sein sollte, hat noch nicht mal begonnen. Die Eintracht hatte deswegen Ende Januar Kritik geübt. „Die Stadt kommt nicht in Tritt“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic.

Zuständig für die Erteilung des Erbpachtvertrags ist das Amt für Bau und Immobilien (ABI). Dessen Sprecher Günter Murr gibt verschiedene Gründe für die Verzögerung an. Zunächst sei unklar gewesen, wem der Erbpachtzins, den die Eintracht zu zahlen hat, zugutekommen soll. Die Stadt hätte das Geld gerne der Sportpark GmbH zukommen lassen, denn mit dem Wegfall der Tennisarena gehen dieser städtischen Tochtergesellschaft Einnahmen verloren. Doch dagegen gab es rechtliche Bedenken. Die Stadt hatte laut Murr sogar noch ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, ob das Geld an die Tochtergesellschaft fließen dürfe. Das sei aber nicht möglich, da es sich um städtischen Grund und Boden handele und der Erbpachtzins daher auch nur an die Stadt selbst gezahlt werden dürfe. Nun soll der Erbpachtzins an das Grünflächenamt gehen, das die Fläche verwaltet.

Unklarheit herrschte auch in der Frage, ob es auf dem Baugrundstück an der Mörfelder Landstraße Altlasten gibt und wer für deren Beseitigung aufkommen müsste. Ob das aber Monate dauern muss, ist fraglich. Hinter vorgehaltener Hand gibt es auch innerhalb der Stadtverwaltung Kritik am ABI. So sei es für die Erteilung eines Erbpachtvertrags zunächst mal völlig egal, an wen der Erbpachtzins letztlich ausgeschüttet werde. „Man kann immer alles schneller machen“, räumt ABI-Sprecher Murr ein.

Das Amt für Bau und Immobilien steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Es war 2017 aus der Fusion von Liegenschaftsamt, Hochbauamt und Stadtschulamt eigentlich entstanden, um bei Planung und Bau von größeren Projekten alles aus einer Hand abwickeln zu können. Doch noch immer sind beim ABI viele Stellen unbesetzt, zudem läuft die Zusammenarbeit nicht reibungslos, da die unterschiedlichen Abteilungen noch immer nicht unter einem Dach vereint sind. Die Stadt sucht eine Immobilie. Dies immerhin sei „in der finalen Abstimmung“, so Murr.

Für die Eintracht ist die Verzögerung ein Ärgernis. Zum einen, weil der Bauantrag für das 30-Millionen-Projekt formal erst erteilt werden kann, wenn die Eintracht offiziell Erbpachtnehmer ist. Auch der vom Verein angedachte Ausbau des Stadions kommt nicht voran, weil dieser erst beginnen könnte, wenn die Geschäftsstelle und die Lizenzspielerabteilung aus dem Stadion aus- und ins neue Domizil eingezogen sind. Mit Kritik an der Stadt hält sich die Eintracht derzeit aber zurück. Anfang dieser Woche gebe es Gespräche mit der Stadt, sagt Eintracht-Justitiar Philipp Reschke. Es gebe nur noch „wenige offene Punkte“. Die Baugenehmigung, so hieß es bei der Bauaufsicht, könne noch in diesem Quartal erteilt werden.

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