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Lange Schlangen und volle Tanzflächen

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Von: Kiki Bruder

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FOTO TAGESSATZ © ROLF OESER

Seit Freitag darf in hessischen Bars und Clubs wieder getanzt werden. Wie fühlt sich das an nach zwei Monaten Corona-Pause?

Die Musik ist so laut, dass die Vibrationen den ganzen Körper durchdringen. Unzählige Menschen, dicht gedrängt in einem dunklen Raum, bewegen sich zum Rhythmus der Beats. Körperkontakt lässt sich kaum vermeiden. Hunderte Menschen warten am Samstagabend gegen 23 Uhr darauf, genau das zu spüren. Während die Luft auf der Tanzfläche heiß und vollgenebelt ist, kann man draußen in der Kälte den eigenen Atem sehen.

Felix und Karim, beide 29, stehen am Ende der zirka 150 Meter langen Schlange vor dem Gibson Club auf der Zeil. Die beiden sind aus München für einen Städtetrip nach Frankfurt gereist und haben sich spontan dazu entschieden herzukommen. Seit Beginn der Pandemie war Felix in keinem Club mehr. Er kennt nur noch Hauspartys, bei denen über Youtube Musik auf dem Fernsehbildschirm läuft. „Ich habe deshalb überhaupt keinen Vergleich mehr.“ Dennoch merke er, dass unter den Leuten eine andere Energie herrsche als bei einem klassischen Samstag vor Corona. „Wir gehen heute nicht nur feiern. Wir gehen heute mal wieder feiern!“

Ob die beiden nun tatsächlich in den Club kommen, ist fraglich. Trotz Öffnung der Tanzflächen dürfen die Clubs laut Paragraf 24 der hessischen Corona-Schutzverordnung ihre Kapazitäten nur zu 60 Prozent ausfüllen. Außerdem gilt die 2G-plus-Regel. Ob die von allen Gästen eingehalten wird, kontrolliert der Gibson Club bereits in der Schlange.

Robin (21) und seine Freunde wurden schon geprüft und haben es bald bis zum Eingang geschafft. Er sei froh, dass hier so genau kontrolliert werde. „Das gibt mir ein wenig Sicherheit. Aber anstecken kann man sich ja auch mit einer Impfung.“ Seine Kollegin Lina (22) hat sich deshalb trotz Booster-Impfung noch mal vorher testen lassen. „Das kostet ja niemanden etwas und ich fühle mich so sicherer, dass ich niemanden anstecke.“

Lina geht sonst häufig feiern, aber war aus Sicherheitsgründen bereits seit Anfang Dezember nicht mehr im Club. „Ich habe es schon sehr vermisst, mich einfach zu bewegen und unter Leute zu kommen. Es ist einfach cool, nicht immer die gleichen zehn Leute zu treffen, sondern auch mal neue Menschen kennenzulernen.“ Auch Robin freut sich darauf. Im Lockdown sei vor allem sein Dating-Leben zu kurz gekommen. „Die wahre Liebe werde ich heute definitiv nicht finden, aber es besteht wenigstens die Möglichkeit, dass irgendwas läuft.“

Ein paar Hundert Meter weiter vor der Schwulenbar Pink in der Alten Gasse scheint die Schlange zu stocken. Den Gästen ist kalt und sie wollen endlich rein. Juliana (20) und ihre Freunde überbrücken die Wartezeit mit einer Flasche Weißwein. Von den Corona-Lockerungen in Hessen scheinen die Studierenden aber nichts mitbekommen zu haben. „Das hat jetzt ehrlich gesagt nicht mein Leben verändert. Wenn man die richtige Bar gefunden hat, konnte man auch tanzen.“ Wie lange es heute gehen soll, wissen sie noch nicht genau. „Das kommt darauf an, wann wir hier reinkommen.“ Später wollen sie noch andere Bars und Clubs ausprobieren.

Vielleicht führt es sie ja ins Freud, das am Samstag das erste Mal seit Ende Dezember wieder Gäste reinlässt. Der Partydresscode lautet Lack, Leder, kinky oder einfach nur schwarz. „Endlich wieder!“, sagt ein Gast bei der Ticketkontrolle am Eingang. Juliane Konchakovskaya, die die Gäste per QR-Code eincheckt, wünscht ihm viel Spaß. Als selbst ernanntes „Multitool“ ist sie mal für Bar, Management oder eben Einlass beim Freud zuständig. Sie hat die gesamte Corona-Zeit in dem Club miterlebt. „Die Kontrollen waren erst eine enorme Belastung für uns. Anfangs waren die Schlangen dreimal so lang wie heute, aber inzwischen ist es entspannter, weil sich die Leute daran gewöhnt haben.“

Für heute Abend seien sie alle Vorverkaufskarten losgeworden. Genutzt hätten das vor allem die Stammgäste. Die Gästeliste am Einlass ist lang. Moritz ist einer von ihnen. Er freut sich, dass durch die Öffnung der Clubs endlich auch wieder Freunde aus anderen Städten einen Grund haben, nach Frankfurt zu kommen. Er ist mit seiner Freundin Alaska da, die einen Friseursalon in Mainz betreibt. Ihr habe in den letzten Monaten durch den Wegfall der Clubs vor allem die Community gefehlt. Aber so richtig beschweren möchte sie sich nicht. „Es gibt Menschen, denen es deutlich schlechter erging, weil sie zum Beispiel ihren Job verloren haben.“

Dennoch: Die Freude über das Comeback der Tanzflächen ist riesig. „Ich glaube, wir haben alle die Hoffnung, dass das alles jetzt vorbei ist“, sagt Konchakovskaya, während sie nebenbei weiter QR-Codes mit ihrem Handy scannt. (Von Kiki Bruder)

05.03.2022, Hessen, Frankfurt/Main: Menschen feiern im Mega Discostadl. Ab dem 4. März dürfen Tanzlokale, Clubs und Diskotheken mit der 2G-plus-Regel wieder öffnen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
05.03.2022, Hessen, Frankfurt/Main: Menschen feiern im Mega Discostadl. Ab dem 4. März dürfen Tanzlokale, Clubs und Diskotheken mit der 2G-plus-Regel wieder öffnen. © dpa

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