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Einer der Angeklagten im Türsteher-Prozess mit seinem Anwalt am Dienstagmittag im Landgericht in Frankfurt.
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Einer der Angeklagten im Türsteher-Prozess mit seinem Anwalt am Dienstagmittag im Landgericht in Frankfurt.

U60311-Gast totgeprügelt

Lange Haft für U60311-Türsteher

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Sie haben einen Besucher des Clubs U60311 in der Nacht zum Ostermontag 2011 mit Tritten und Schlägen tödlich verletzt. Nun verurteilt das Landgericht mehrere Türsteher zu langen Haftstrafen.

Das Frankfurter Landgericht hat drei der vier angeklagten Türsteher im U60311-Prozess wegen gemeinschaftlichen Totschlags zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der vierte wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Das Gericht gab vor allem dem 35 Jahre alten Athanassios G. und dem 30 Jahre alten Ömer H. die Schuld am Tod des 31 Jahre alten Briten John Lee H., der Ostern 2011 ohne Anlass in dem Technoclub zu Tode geprügelt worden war. Athanassios G. hatte, so der Vorsitzende Richter Ulrich Erlbruch in seiner Urteilsbegründung, dem Briten nach einer Rempelei, an der dieser gar nicht beteiligt war, die Faust ins Gesicht geschlagen. Der Brite schlug zurück. Ein tödlicher Fehler. Innerhalb kürzester Zeit hatte der durchtrainierte G. sein Opfer kampfunfähig geschlagen. Athanassios G. erhielt mit zehneinhalb Jahren die härteste Strafe.

Ömer G. kam seinem Kollegen zur Hilfe. Im Gegensatz zu diesem aber konnte er nach Auffassung des Gerichts nicht wissen, dass das Opfer an der Auseinandersetzung völlig schuldlos war. Wohl in dem Glauben, seinem möglicherweise angegriffenen Kollegen zur Hilfe zu eilen, schlug auch er noch auf den Briten ein. Das Strafmaß für Ömer H. legte das Gericht auf neun Jahre fest. Die beiden anderen Angeklagten hielten zumindest andere Gäste in der Tatnacht davon ab, dem Zusammengeschlagenen zu helfen. Einer von ihnen, zur Tatzeit noch Heranwachsender, wurde zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt – mit dabei beim Strafmaß ist noch eine andere Verurteilung wegen einer anderen Straftat.

Für den vierten Türsteher, dem keine unmittelbare Beteiligung nachgewiesen werden konnte, ging der Prozess relativ glimpflich aus: eine Bewährungsstrafe über die dafür maximalen zwei Jahre. Als Türsteher darf der Mann in den kommenden Jahren dann allerdings nicht arbeiten.

Neuerliche Beweisaufnahme

Nach fünfeinhalb Monaten Prozessdauer und 27 Verhandlungstagen war die Stimmung im Gerichtssaal vor allem zwischen Gericht und Verteidigung deutlich angespannt. Eigentlich hätte das Urteil bereits am Dienstagmorgen gesprochen werden sollen, doch die Verteidiger der Angeklagten stellten Anträge, die zwar sämtlich abgelehnt wurden und nach Meinung von Richter Erlbruch „Züge der Verschleppungsabsicht“ trugen , die es aber dennoch notwendig machten, erneut in die Beweisaufnahme einzutreten. Was zumindest dem Verteidiger Ulrich Endres die Gelegenheit gab, das Plädoyer, das er bereits am vorigen Verhandlungstag gehalten hatte, wegen des großen Erfolges zu wiederholen.

Das Urteil hörten sich die Angeklagten teilnahmslos an. Lediglich Ömer H. hatte den Hinterbliebenen noch einmal versichert, dass ihm die Tat leid tue – seine Entschuldigung wurde von der Mutter des Opfers, die als Nebenklägerin auftrat, nicht akzeptiert.

Pro forma wird jetzt von allen Parteien noch die schriftliche Urteilsbegründung abgewartet. Es ist aber mehr als wahrscheinlich, dass die Anwälte sämtlicher Angeklagten Berufung einlegen werden. Auch Endres, dessen Mandant zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Endres hatte in seinem ersten Plädoyer Freispruch gefordert, im zweiten ebenso. Der Tod des Briten dürfte die Justiz noch weiter beschäftigen.

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