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Wollen sich nicht länger selbst ausbeuten:

Beispiel aus Frankfurt

Aus für Landkarten Schwarz in Frankfurt

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Das inhabergeführte Geschäft kann in der Frankfurter Innenstadt nicht mehr überleben.

Die Frankfurter Innenstadt verliert ein weiteres Original. Nach 116 Jahren schließt Ende Dezember Landkarten Schwarz am Kornmarkt. 1948 war das Fachgeschäft von Berlin nach Frankfurt umgezogen. Peter Magin hat die Geschichte des Unternehmens 30 Jahre lang mitbestimmt. Zunächst als studentische Aushilfe, später als Geschäftsführer. Ob er wehmütig sei? „Es überwiegt eher die Erleichterung“, gesteht der 54-Jährige. Denn in den vergangenen Jahren sei das Geschäft mit Globen, Reiseführern und Landkarten kaum noch rentabel zu betreiben gewesen. „Es ging immer nur bergab, andere hätten schon viel früher aufgehört“, sagt Magin.

2015 hatte die FR das Geschäft am Parkhaus Hauptwache noch in einer Serie als „Frankfurter Original“ vorgestellt. Schon damals sagte Magin: „Das Geschäft funktioniert nur noch über Selbstausbeutung.“ Magins Kompagnon Michael Brendel lacht kurz auf, als er den Satz vier Jahre später hört. „Wenn es mit Selbstausbeutung wenigstens funktionieren würde“, entgegnet der 61-Jährige.

Dabei profitierte Landkarten Schwarz noch von dem seit Jahren anhaltenden Reiseboom. Doch bei der Kundschaft fehlt der Nachwuchs, die jungen Leute setzen heute auf ihre Smartphones, wenn es um die Orientierung oder Informationen zu Reisezielen geht. Magin und Brendel verkaufen nicht mal über das Internet. Einen Onlineshop hat das Unternehmen nie aufgebaut. „Es war nicht hilfreich, dass wir es nicht gemacht haben, aber unsere Stärken sind auch immer Spezialtitel gewesen“, so Brendel. Diese Spezialtitel seien aber in einen Onlineshop schwer einzupflegen. „Früher lag auch in jedem Geschäftsauto ein Rhein-Main-Atlas“, erinnert sich Brendel. Auch die Navigationsgeräte in den Autos haben Landkarten Schwarz das Wasser abgegraben.

Ein weiteres Mosaiksteinchen war die Aufgabe des Nachbarn Zweitausendeins Anfang 2017. Der Laden für Platten und Bücher zog viele Kunden an, die auch gerne noch nebenan beim Schwarz reinschauten. Nun fiel es deutlich schwerer, Laufkundschaft zu gewinnen. „Wir haben eine gute Lage, aber keine Lauflage“, sagt Brendel. Die Treppenstufen, die das Geschäft von der Straße trennen, koppeln die etwas zurückgesetzten Räumlichkeiten vom Leben auf der Straße ab.

Seit 2004  am Kornmarkt

Am jetzigen Standort am Kornmarkt war Schwarz seit 2004. Die angestammte Adresse in Frankfurt war zunächst viele Jahrzehnte die Eckenheimer Landstraße. 1990 kam dann ein kleines Ladengeschäft im Großen Hirschgraben dazu, und die Landkartenverkäufer merkten: In der Innenstadt ist ja deutlich mehr los als im Nordend – und zogen daher ganz in die City. Doch dort sind die Mieten natürlich auch höher. Durch die Buchpreisbindung fällt es schwer, das notwendige Geld zu erwirtschaften. Dabei können Magin und Brendel über die Höhe ihrer Miete nicht klagen. „Der Vermieter ist uns schon sehr entgegengekommen.“ Das Ladengeschäft gehört wie viele andere Liegenschaften rund um die Kleinmarkthalle der ABG. Der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ist es zu verdanken, dass es in der Töngesgasse, Berliner Straße, Hasengasse und eben am Kornmarkt überhaupt noch so viele inhabergeführte Geschäfte gibt. „Wir setzen auf einen qualitätvollen Mix inhabergeführter Geschäfte“, betont ABG-Chef Frank Junker, der verspricht, dass in die Räumlichkeiten von Landkarten Schwarz „kein Burger- und kein Handyladen“ einziehen werde.

Noch gibt es eine geringe Chance, dass Magin und Brendel einen Nachfolger finden. Die beiden hatten wegen einer Geschäftsübernahme inseriert. Es bräuchte aber ein anderes Konzept, gibt Brendel zu bedenken. Doch wie schwer es ist, in der Innenstadt mit dem Verkauf von Büchern zu überleben, hatte sich erst vor einem knappen halben Jahr gezeigt, als die Buchhandlung Carolus nach 147 Jahren schließen musste. Wegen einer Mieterhöhung hatte die Buchhandlung ihre Spitzenlage am Liebfrauenberg aufgeben und am neuen Standort in der Vilbeler Straße starke Umsatzeinbußen beklagen müssen.

Brendel wird der Buchbranche erhalten bleiben und nach Wiesbaden wechseln, Magin will im Großhandel unterkommen und wird dann erstmals seit 30 Jahren nichts mehr mit Karten und Büchern zu tun haben. Ob ihm das fehlen werde? „Nicht zwingend“, sagt er.

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