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Landgericht Frankfurt: Schmuggel von Heroin als Zusatzrente

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Von: Oliver Teutsch

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82-Jähriger wird mit sechs Kilo Heroin im Gepäck am Flughafen aufgegriffen und weiß vor Gericht von nichts. Die Masche mit betagten Schmugglern ist kein Einzelfall.

Es ist eine sehr zähe Vernehmung, mit der sich die 4. Strafkammer des Landgerichts am Mittwoch abmüht. Auf der Anklagebank sitzt der 82-jährige Erhard B. Ihm wird vorgeworfen, im August 2021 stattliche sechs Kilo hochwertiges Heroin in einem kleinen Rollkoffer von Johannesburg nach Frankfurt geschmuggelt zu haben. Unwissentlich, beteuert der Senior aus dem Schwarzwald: „Ich weiß gar nicht, wie eine Droge aussieht. Ich bin der größte Gegner von Drogen.“ Unübersichtlich wird es, als es um die Motivation für seine Reise ins ferne Johannesburg geht.

In der mehrstündigen Vernehmung offenbart sich, dass B. Ende der 90er Jahre etwa zehn Millionen Euro für den Verkauf seiner Elektronikfirma bekommen hat. Von dem Geld ist allerdings nichts mehr da, verzockt, verspekuliert. Sein letztes Geld, mehrere zehntausend Euro, investierte B. vor einigen Jahren in dubiose Gesellschaften im Internet und da er offenbar als lohnendes Opfer ausgemacht wurde, erhält der umtriebige Senior auch immer wieder vermeintlich verlockende Millionenofferten, wenn er vorher noch schnell selbst ein paar Tausend Euro investiere.

Nach Johannesburg wird er von einem gewissen Colin gelockt, der ihm glaubhaft macht, er könne dort einen Teil seines verlorenen Geldes zurück erhalten, wenn er in einer Bank eine Unterschrift leiste. B. fliegt nach Südafrika, unterschreibt und soll jetzt nur noch schnell einen Koffer nach Amsterdam mitnehmen und dort einem „Bänker“ übergeben, damit auch alles glatt geht. Er habe die Kleidungsstücke im Koffer gewissenhaft untersucht, beteuert B. Doch Gericht, Kammer und auch der Zoll glauben ihm nicht, denn die sechs Kilo Heroin wiegen im wahrsten Sinne des Wortes schwer. Es sei auch für einen Laien erkennbar gewesen, dass mit dem Koffer und einer darin befindlichen Dokumententasche etwas nicht stimme, betont eine Zollbeamtin, deren Hund das Heroin am Morgen des 5. August 2021 am Frankfurter Flughafen erschnüffelte. Schwer war das nicht, denn das Frankfurter Büro der US-Behörde Homeland Security hatte zuvor den Tipp gegeben, dass mit dem aufgegebenen Gepäck von B. etwas nicht stimme.

Ein Beamter der Zollfahndung berichtet im Zeugenstand, es habe unlängst vier ähnlich gelagerte Fälle gegeben, in denen gutgläubige Senioren als Drogenschmuggler angeworben wurden. Lukrativ war das Geschäftsmodell nicht, denn in vier Fällen ging es schief. In Frankfurt und Brüssel wurden 19 Kilo Heroin nebst den betagten Gepäckbesitzern , in Johannesburg ein weiterer deutscher Senior mit drei Kilo Heroin aufgegriffen.

Für den 82-jährigen B. der seit vergangenem Sommer in Untersuchungshaft sitzt, wird die Sache auch kein gutes Ende nehmen. Eine Gutachterin bescheinigte ihm: „Er ist der blauäugigste Mensch, der mir je begegnet ist“. Doch die Augenfarbe ist bei der Urteilsfindung unerheblich. Der Prozess wird fortgesetzt.

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