Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Seine Handyvideos zeigen die Stationen des Betrugs: Franco A.
+
Seine Handyvideos zeigen die Stationen des Betrugs: Franco A.

Landgericht Frankfurt: Prozess gegen Franco A. offenbart plumpe Maskerade

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
    schließen

Im Prozess gegen Franco A. wird auf Videos des Angeklagten deutlich, mit welch plumpen Mitteln er sich als Geflüchteter ausgab. Zumindest eine Schuldfrage ist damit geklärt.

Es sind seine eigenen Handyvideos, die am Dienstagmorgen vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts beweisen: Franco A. hat sich schuldig gemacht. Vielleicht nicht unbedingt des Vorbereitens einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, welche die Anklage ihm zur Last legt. Mit Sicherheit aber der Unsitte des „Blackfacing“.

Der Bundeswehroffizier, der sich als syrischer Flüchtling ausgegeben hatte – nach eigenen Angaben, um Missstände in den Unterkünften, vor allem aber der Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin aufzudecken –, hatte die Stationen seines Betrugs immer wieder auf Videos festgehalten. Ob er das tat, um seine Umwelt wachzurütteln oder den Staatsschutzsenat zu Tode zu langweilen, ist bislang noch unklar. Die ersten Videos jedenfalls zeigen Franco A. in einer fast schon rührenden Maskierung: das Gesicht dunkel geschminkt, der Vollbart nachgeschwärzt, die Haare wie frisch zerzaust vom Mittelmeerwind. Eine Brille mit bemerkenswert scheußlichem Kassengestell und abgewetzte Freizeitklamotten runden das Gesamtbild ab.

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte A. eingeräumt, mit seiner Verkleidung über das Ziel wohl hinausgeschossen zu sein. Angesichts der unaufdringlichen Eleganz, mit der sich die echten Flüchtlinge gewandet hätten, habe er sich schnell entschlossen, die Scharade sein zu lassen. Es hätte sowieso niemanden interessiert, wie er aussehe. Und tatsächlich, auf einem kurze Zeit später aufgenommenen Video referiert Franco A. neben einer Packung Toastbrot über die Verpflegung in der Flüchtlingsunterkunft: „Das Essen war sehr gut. Es gab Kartoffeln mit Chili con carne.“ Rein farblich ist auf diesem Video sein Gesicht kaum noch vom Toastbrot zu unterscheiden.

Viele der Videos hat A. in Französisch kommentiert – einer Sprache, die er fließend spricht, nach Meinung der Übersetzerin aber allzu oft mit dem Füllwort „voilà“ verhunzt, was sie mit „also“ übersetzt habe. Und also sprach Franco A. auf Französisch angesichts der ihn umgebenden Menschen Sätze wie diese: „Man hat nicht den Eindruck, dass sie Kriegsverbrechen erlebt haben. Die haben Mobiltelefone und Sim-Karten und einfach alles dabei.“ Und überhaupt: „95 Prozent sind keine richtigen Kriegsflüchtlinge, sondern Wirtschaftsflüchtlinge.“ Das habe ihm ein Ukrainer gesteckt, mit dem er sich kurzzeitig eine Stube geteilt habe. Freilich habe es damals in dessen Heimat schon so eine Art Krieg gegeben, und im Haus des Ukrainers sei auch mal eine Bombe eingeschlagen, allerdings im siebten Stockwerk, und der Ukrainer habe in der dritten Etage gewohnt. Eigentlich habe er vielmehr im Sinn gehabt, in Deutschland Informatik zu studieren. „Guter Mann, der Ukrainer!“, erinnert sich Franco A. auf der Anklagebank – also auf gut Deutsch – an die entschwundene Flüchtlingsherrlichkeit.

Dass der Berufssoldat sich darüber wundert, dass die Flüchtlinge „fast alle Freiheiten“ hätten, nicht mal zum „Tagesappell“ antreten müssten und dennoch mit „sehr sauberen Toiletten“ glänzten, sind Details, die man nicht unbedingt wichtig finden muss. Ebenso wenig wie die netten Gespräche „bei Kichererbsen und Bier“, die A. mit Flüchtlingen aus allen möglichen Ländern geführt haben will. Diese allerdings erklären auch sein damaliges Faible für Französisch. Auf diese Sprache sei er immer wieder „geswitcht“, wenn bei den Videoaufnahmen echte Flüchtlinge in der Nähe gewesen wären. Die hätten sich ohnehin bereits über sein eigens für die Maskerade angeschafftes Billighandy gewundert, da habe er nicht noch mehr Verdacht durch seine Beherrschung der deutschen Sprache auf sich ziehen wollen. Voilà!

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare