Deutscher Pass
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Mit gefälschten Pässen verschaffte ein Mann seinen Kunden illegal Arbeit.

Betrug im großen Stil

Mit gefälschte Identitäten gehandelt, 100.000 Euro eingestrichen

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Ein Ghanaer soll Landsleute gegen Provision illegal Arbeit verschafft und sich Kredite erschlichen haben. Vor dem Landgericht muss er sich wegen Betrugs verantworten.

  • Ein Mann aus Ghana soll mit der Bereitstellung seines Passes anderen Landsleuten zur Arbeit verholfen haben.
  • Der 41-Jährige habe an der Provision und dem Arbeitslosengeld seiner Kunden mitverdient.
  • Mit den illegalen Passkopien soll der Mann mehr als 100. 000 Euro unrechtmäßig eingestrichen haben.

Frankfurt – Man kann Paul B. vermutlich vieles vorwerfen, und die Staatsanwaltschaft tut das auch, nämlich Beihilfe zum Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz und Betrug in insgesamt 14 Fällen. Was man dem 41-Jährigen nicht vorwerfen kann, sind Verstöße gegen das Gesetz des Kapitalismus.

Frankfurt: Mit den illegalen Passkopien seiner Kunden macht ein Mann Profit

B. schweigt sowohl zu den Vorwürfen als auch zur Person, so dass am ersten Prozesstag vor dem Landgericht nicht viel zu erfahren ist. Er kommt aus Ghana, sein Asylantrag wurde abgelehnt, aber er hat einen Aufenthaltstitel, der es ihm immerhin erlaubt, hier zu arbeiten. Oder, wie B. es laut Anklage sieht, andere arbeiten zu lassen.

Mehrere Landsleute, die sich illegal in Deutschland aufhielten, soll B. mit Kopien seines Passes, seines Aufenthaltstitels, seiner Krankenkassenkarte und der Bereitstellung seines Briefkastens dabei geholfen haben, Arbeit zu finden. Anfangs soll er dafür noch seine eigenen Papiere verwendet haben, so dass seine Kunden unter seinem Namen Arbeit fanden – fast alle in der Gastronomie oder in der Reinigungsbranche. Später soll er dafür Identitäten genutzt haben, die zumeist auf britischen Dokumenten aufbauten. Die Verfügungsgewalt über die Konten, auf die der Lohn dann floss, soll alleine er innegehabt und das Geld abgehoben und an seine Klienten weitergegeben haben – nicht ohne sich einen Obolus abzuzwacken.

Wenn seine Arbeiter ihre Stelle verloren, soll er dasselbe Spiel mit dem Arbeitslosengeld gespielt haben. Laut Anklage soll B. auf diese Weise in den Jahren 2011 bis 2016 mehr als 100 000 Euro unrechtmäßig eingestrichen haben.

Frankfurt: Mann führt mit den illegalen Passkopien Ämter hinters Licht

Das klingt erst einmal ziemlich viel und fies, aber zu B.s Ehrenrettung muss man sagen, dass er beim Abgreifen der Provision bei seinen wenig solventen Landsleuten relativ moderat gewesen sein und sich mit Margen begnügt haben soll, über die jeder ernsthafte Zuhälter nur lachen würde. Den eigentlichen Reibach soll B. dadurch gemacht haben, dass er sich mit Hilfe der echten Arbeitsbestätigungen für die falschen Identitäten bei diversen Banken Kredite erschlichen haben soll – der größte davon soll knapp 40 000 Euro betragen haben. Die Kredite gingen auf sein Konto, B. soll das Geld in bar abgehoben und verjuckt haben. Auf die Raten warten die Banken noch heute, und vermutlich können sie noch lange warten.

Auch das Landgericht nimmt sich Zeit und hat acht Verhandlungstage bis Ende November terminiert. Respekteinflößend ist, dass B. offenbar diverse Ämter, Arbeitgeber und Banken nasführen konnte, ohne auch nur ein Wort Deutsch zu beherrschen. (Von Stefan Behr)

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