1. Startseite
  2. Frankfurt

Landgericht Frankfurt: Mehrjährige Haftstrafe für schmuggelnden Senior

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Oliver Teutsch

Kommentare

Ein 82-Jähriger hatte am Frankfurter Flughafen sechs Kilo Heroin im Gepäck und muss für vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis.

Am Ende war die geschmuggelte Drogenmenge einfach zu groß. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer „unfassbaren Menge Heroin“, die 4. Strafkammer des Landgerichts im Urteil am Donnerstag von einer „erheblichen Menge Drogen“. Mit rund sechs Kilo Heroin im Gepäck war Erhard B. im August 2021 am Frankfurter Flughafen erwischt worden. Zu viel, um dem hochbetagten Mann eine längere Haftstrafe zu ersparen.

Dabei waren sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung einig, dass der Angeklagte am Ende selbst ein Opfer in dieser Geschichte ist. Erhard B. ist ganz am Ende eines recht erfolgreichen Lebens grandios gescheitert. Seine Firma für Messtechnik hat der Schwabe Ende der 90er Jahre nach eigenen Angaben für umgerechnet rund 5,6 Millionen Euro verkauft.

Doch das Geld brachte ihm kein Glück, es folgten zahlreiche Fehlinvestitionen bei denen er wohl auch an die falschen Leute geriet. Im Juni 2021 eröffnete ihm ein gewisser Colin via E-Mail, er habe B.s zuletzt investiertes Geld in Höhe von rund 70 000 Euro aufgespürt, es sei in Bitcoins angelegt und nun 4,2 Millionen Euro wert. Das Geld könne in Johannisburg abgeholt werden. B. ist skeptisch, fliegt aber nach wochenlangen Diskussionen nach Südafrika. Doch vor Ort wird er vertröstet. Das Geld soll er jetzt in Amsterdam erhalten, von einem Bankier, dem er gleich noch einen Koffer voller Geschenke mitbringen könne, dann würde alles schneller gehen.

Gericht und Staatsanwaltschaft waren sich nach der Beweisaufnahme einig, dass B. von der großen Menge Drogen wusste, die sich im Koffer befand. Zu auffällig waren die aufgetrennten und verdickten Nähte, zu groß der Gewichtsunterschied zum leeren Koffer. Zudem gab es Chat-Diskussionen, die nahelegen, dass B. von dem Risiko, das er einging, wusste. Doch der 82-Jährige beteuerte bis zuletzt, nichts von den Drogen gewusst zu haben. Da half es auch nicht, das Urteil eines ähnlich gelagerten Falles aus Brüssel zu verlesen oder mehrfach auf die strafmildernde Wirkung eines Geständnisses hinzuweisen.

Strafmildernde Umstände gab es trotzdem einige. Der 82-Jährige war zuvor ein unbescholtener Bürger. Die Haftempfindlichkeit in seinem hohen Alter ist enorm. Die meiste Zeit seiner nun schon halbjährigen Untersuchungshaft hat er auf der Krankenstation verbracht. Während dieser Haft ist zudem seine pflegebedürftige Frau gestorben, ohne dass er sich von ihr verabschieden konnte.

Doch eine Haftstrafe zur Bewährung war bei dieser großen Menge Drogen nicht drin. Da half es auch nicht, dass das Gericht unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten fünfeinhalb Jahren Haft blieb. Immerhin wurde Haftverschonung gewährt, bis das Urteil rechtskräftig ist.

Auch interessant

Kommentare