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Frankfurt ist ein teures Pflaster - da muss man sehen, wo man bleibt.
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Frankfurt ist ein teures Pflaster - da muss man sehen, wo man bleibt.

Gericht

Landgericht Frankfurt: Investmentbanker blamiert seine Zunft

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Wenn schon korrupt, dann bitte richtig: Vor dem Landgericht Frankfurt muss sich ein Investmentbanker wegen eines groben Schnitzers verantworten.

Frankfurt- Danijel R. ist Investmentbanker und sitzt seit Mittwoch auf der Anklagebank des Landgerichts, weil er einem reichen Taugenichts dabei geholfen hat, ohne jede Arbeit stinkreich zu werden. Das klingt erst einmal ziemlich ungerecht – schließlich ist ja auch noch niemals ein Bäcker wegen Brezelhandels vor den Kadi gezerrt worden, und bislang hat sich auch noch kein Schreiner wegen gewerbsmäßiger Tischlerei verantworten müssen. R. aber hat sich einen groben Schnitzer geleistet und wird deshalb des Verstoßes gegen das Wertpapierhandelsgesetz beschuldigt: Bei dem Tunichtgut, den er gestopft hat, handelte es sich weder um seinen Vorgesetzten noch um einen Kunden oder gar Aktionär der Investmentbank, für die der 33-Jährige als Vice-President tätig war.

Es handelt sich vielmehr um Robert M., einen 35-Jährigen, der einem – zumindest aus Investmentbankerperspektive – ebenso ehrlichen wie ärmlichen Broterwerb nachgeht: M. ist Versicherungsmakler. Von April 2018 bis Februar 2020 soll R. den Makler mit Insiderinformationen über bevorstehende Übernahmen versorgt haben, die dieser sich mit Aktiengeschäften vergoldete. Die Anklage geht von einem Reingewinn M.s von mindestens sieben Millionen Euro aus. R. hingegen soll für seine Tipps lediglich einmal mit einem Bargeldbonus in Höhe von 88 000 Euro bedacht worden sein, was zwangsläufig zu der Frage führt, ob R. möglicherweise bekloppt ist, denn diese Summe dürfte so in etwa seinem damaligen Monatsgehalt entsprochen haben.

Investmentbank mit Hauptsitz auf den Bermudas

Bei dem Unternehmen, für das R. tätig war, handelt es sich laut Wikipedia um „eine der weltweit größten Investmentbanken mit Büros in 26 Ländern“ mit offiziellem Hauptsitz auf den – wer hätte das gedacht? – Bermudas. „Das verwaltete Vermögen der Asset-Management-Sparte lag im September 2018 bei 240 Milliarden US-Dollar.“ Fast überflüssig zu erwähnen, dass das Unternehmen auch zu den bestbezahlten Beratern der Bundesregierung gehört.

Im Gegensatz zu M. ist R. geständig und lässt am ersten Verhandlungstag über seinen Verteidiger seine tiefste Zerknirschtheit kundtun. Diese rühre daher, verrät sein Anwalt, dass sein Mandant „alles, was er sich mit Talent und Fleiß aufgebaut“, nun verloren habe – bloß weil er M. durch ein paar nicht ganz legale Tipps geholfen habe, sein „Handelsverhalten anzupassen“. Sein Mandant fühle sich „ausgenutzt“ und „betrogen“. M. habe ihm versichert, dass ein mit ihm befreundeter Day-Trader, der täglich mit Abermillionen jongliere, die Aktiendeals deichseln würde. Und dass der lediglich Erdnussbeträge von weniger als 100.000 Euro investieren würde, was keinen Menschen interessiere und daher auch nie zu strafrechtlichen Konsequenzen führen werde. Dass M. eigenhändig und mit viel zu dicken Bällen jongliert und mit seinen Infos Millionen gescheffelt habe, ohne ihn daran zu beteiligen, erschüttert R. in seinem Selbstbild als ehrlicher Banker offenbar zutiefst. Ein kleiner Trost: dank der geringen Bestechungssumme und seines Geständnisses sitzt R. im Gegensatz zu M. nicht mehr in U-Haft.

Investmentbank beruhigt mit „Null-Toleranz-Politik“

In Wirtschaftsforen im Internet hat der Prozess bereits im Vorfeld für heiße Diskussionen gesorgt. „Ist ja schon ein beträchtlicher Reputationsschaden. Würde mich nicht wundern, wenn deren Aufträge jetzt massig einbrechen“, fürchtet ein offensichtlicher Wirtschaftsnovize dort für die mächtige Investmentbank, die kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe R. rausgeschmissen und in einer E-Mail der interessierten Öffentlichkeit augenzwinkernd mitgeteilt hatte, man pflege firmenintern eine „Null-Toleranz-Politik für jegliches illegale oder unethische Verhalten“. Aber ein erfahrener Forumsteilnehmer kann den besorgten Newbie beruhigen: „Das ist ungefähr so ein Reputationsschaden wie ein Bodybuilder, der positiv auf Steroide getestet wird. Jeder weiß, dass es gemacht wird, jeder weiß, es ist verboten, aber interessieren tut es keinen.“

Na ja, wenigstens interessiert es die Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts. Der Prozess wird zumindest fortgesetzt. (Stefan Behr)

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