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Der Angeklagte Alexander Falk, einer der Erben des gleichnamigen Stadtplan-Verlags, wartet im Gerichtssaal des Frankfurter Landgerichts auf den Beginn des Prozesses.

Landgericht Frankfurt

Frankfurt: Auftrag zum Mord - Angeklagter Falk beteuert seine Unschuld

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Seit Monaten schweigt der wegen Auftrag zum Mord Angeklagte Alexander Falk im Prozess am Landgericht Frankfurt. Am Dienstag hat er sich erstmals geäußert.

  • Der Geschäftsmann Alexander Falk aus Hamburg ist wegen Auftrag zum Mord angeklagt
  • Nach Monaten brach er nun am Dienstagmorgen vor dem Landgericht Frankfurt sein Schweigen
  • Allerdings beteuert Falk vor dem Landgericht Frankfurt nur seine Unschuld

Alexander Falk doziert gerne. Das beweist unter anderem eine Tonaufnahme aus dem Jahr 2010. Auf der verrät der Millionenerbe und Unternehmer aus Blankenese seinen Geschäftspartnern, den Gebrüdern B., er finde es „sehr geil“, dass einer ihrer Handlanger einem Anwalt aus Frankfurt, der an einer Millionenklage gegen Falk arbeitete, ins Bein geschossen habe, was der „kleinen Bazille“ auch recht geschehen sei. Früher, führt Falk weiter aus, sei alles besser gewesen, da habe ein Gentleman „auch außerhalb der staatlichen Gewalt seine Ehre verteidigen können“. „Bis 1914“, glaubt Falk, seien „Duelle in Deutschland erlaubt“ gewesen, da habe man sich um fünf Uhr in der Früh getroffen, zwischen Pistole, Degen und Säbel gewählt, und pünktlich zum Frühstück sei der Käs’ gegessen und die Ehre wiederhergestellt gewesen.

Die Gebrüder B. hören sich das alles geduldig und ohne Widerspruch an. Das liegt zum einen daran, dass sie das Gespräch aufnehmen, um zu beweisen, dass Falk ihnen den Auftrag zum Mord an dem Anwalt gegeben hat, und ihn so erpressen zu können. Und zum anderen daran, dass die beiden Berufsverbrecher und Führungsfiguren der Hamburger Unterwelt ihre Ehre täglich außerhalb der staatlichen Gewalt verteidigen, wenn auch selten mit Degen oder Säbel.

Prozess im Landgericht Frankfurt: Falk bricht am Dienstagmorgen nach Monaten sein Schweigen

Seit Monaten sitzt der 50 Jahre alte Falk nun wegen Auftrags zum Mord auf der Anklagebank des Landgerichts Frankfurt  – bislang schweigend. Am Dienstagmorgen lässt er sich erstmals ein. Aber zu Beginn seiner Einlassung, die dann kein Ende mehr nehmen will, stellt er erst einmal klar, dass er nun schon „seit 20 Monaten unschuldig in U-Haft“ schmachte, was er als „ungerecht und unangemessen“ empfinde. Seine Lust am Dozieren aber haben auch seine Kerkermeister nicht brechen können.

So wenig überraschend es ist, dass Falk seine Unschuld beteuert, so überraschend ist es, dass er das erst einmal im falschen Fall tut. 2008 nämlich hatte ihn das Hamburger Landgericht wegen versuchten gemeinschaftlichen Betrugs und Finanzfälschung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Wie Falk mitteilt, sei er damals Opfer einer Verschwörung von ehrgeizigen Staatsanwälten, geldgierigen Geschäftspartnern und skrupellosen Anwälten geworden.

Aber auch diesmal stehe er völlig frei von Schuld vor seinen Richtern. Man werfe ihm vor, den Anschlag auf den Anwalt – mittlerweile geht auch die Kammer nicht mehr von einem versuchten Auftragsmord, sondern höchstens von einem Auftrags-„Denkzettel“ aus – aus „Ärger“ und „gekränkter Eitelkeit“ befohlen zu haben. Nichts könne weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Stichwort „Ärger“: Das angebliche Auftragsjahr 2009 sei eines der schönsten seines Lebens gewesen. Die Haftstrafe hatte er noch nicht angetreten, da er, letztlich erfolglos, Revision eingelegt hatte. Er habe in diesem Jahr durch Geschäfte ein Heidengeld verdient. Weit mehr als die 812 Millionen Euro, die die böswillige Staatsanwaltschaft arretiert hatte, und die „zweistellige Millionensumme“, die er seiner Anwaltsarmada gezahlt habe, zusammengenommen.

Aussage vor dem Landgericht Frankfurt: Falk habe den angeschossenen Anwalt „nie wirklich gemocht“ 

Seiner Frau und ihm sei ein erstes Kind geboren worden, und zusammen hätten sie vor Freude ein paar Premium-Destinationen wie Südafrika, die Schweiz, Österreich, Spanien, Island, Finnland, Sylt und St. Peter besucht – die meisten davon mehrmals. Schlecht für das Klima, gut für die Laune. Von Ärger also keine Spur. Zumal er den angeschossenen Anwalt „nie wirklich gemocht“, sich aber auch nie wirklich über ihn geärgert habe, dafür sei der viel zu unbedeutend gewesen. Stichwort „gekränkte Eitelkeit“: Dafür müsse man ja erst einmal eitel sein, legt Falk überzeugend dar. Und an Uneitelkeit und Bescheidenheit könne ihm wohl niemand das Wasser reichen.

Mit den Gebrüdern B. habe ihn nie eine Freundschaft verbunden, sagt Falk. Er habe sie aber auch nicht als Kriminelle erkannt. Sein Problem: „Mir fehlte die Erfahrung mit hungrigen Menschen.“ Alle seine echten Freunde seien von Geburt an „sehr wohlhabend“, und auf ihren wochenlangen Segeltörns rede seine Patrizierclique über alles Mögliche, nur nicht über Geld. Solche Themen überlasse man den Plebejern.

Am Nachmittag gibt es dann doch noch so etwas wie ein Miniaturgeständnis: Beim gemeinen Zuhörer, gibt Falk zu, könnten seine Reden möglicherweise dazu führen, dass dieser ihn als „arroganten Arsch“ einschätze. Niemand erhebt Einspruch.

von Stefan Behr

Vor einem Monat ging der Prozess gegen den Unternehmer Alexander Falk in Frankfurt in die nächste Runde.

Eine Aussage am Landgericht Frankfurt belastete den Unternehmer im vergangenen November: Falk soll dieser Aussage zufolge mehrere Morde in Auftrag gegeben haben. 

An der Jugendkammer des Landgerichts Frankfurt endet der Prozess gegen drei junge Männer mit langen Freiheitsstrafen. Sie hatten einen Ohnmächtigen in den Main geworfen.

Drei mutmaßliche Salafisten müssen sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Der Prozess könnte mit einem Deal enden.

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