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NSU 2.0.-Prozess um Drohschreiben: Angeklagter wehrt sich gegen Fotos – Streit um Buchcover mit Hakenkreuzfahne

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Von: Oliver Teutsch

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Der Angeklagte und mutmaßliche Verfasser der „NSU 2.0“-Drohschreiben beim Prozesstag am 24.02.2022. (Archivfoto)
Der Angeklagte und mutmaßliche Verfasser der „NSU 2.0“-Drohschreiben beim Prozesstag am 24.02.2022. (Archivfoto) © Boris Roessler/dpa

Einsatzleiterin berichtet über Wohnungsdurchsuchung beim NSU 2.0-Tatverdächtigen in Berlin. Hitzige Wortgefechte zwischen Angekaltem, Zeugin und Richterin.

Frankfurt – Ein Vergnügen war sie wohl nicht, die Wohnungsdurchsuchung in Berlin-Gesundbrunnen Anfang Mai 2021. Die damalige Einsatzleiterin berichtete am Donnerstag (31.03.2022) im Zeugenstand des Prozesses um die Drohmailserie NSU 2.0, im Bad hätte sie sich nicht mal die Hände gewaschen, so schmutzig sei es gewesen.

Um sich selbst einen Eindruck von der Ein-Zimmer-Wohnung des Angeklagten Alexander M. zu machen, schauten sich die Prozessbeteiligten rund 150 Bilder aus der Wohnung am Abend der Durchsuchung an. Die Fotos zeigten zunächst das umfangreiche Beweismaterial, das sichergestellt wurde. Darunter Handys, USB-Sticks, andere Datenträger, zwei Kameras und einen Laptop. Zudem fand die Polizei in der Wohnung zahlreichen Waffen: zwei Schreckschusspistolen nebst Munition, eine Machete, selbst gebaute Würgehölzer, einen Teleskopschlagstock, einen Elektroschocker, eine japanische Sichel und Pfefferspray.

Prozess um NSU 2.0-Drohschreiben: Hitzige Diskussionen um Buch mit Hakenkreuz-Cover

Die Fotos zeigten aber auch den teilweise verwahrlosten Zustand der Wohnung, Mäusekot in Küchenschränken und Ecken, Schimmel und provisorische Elektroverkabelungen, die von der Polizei als „gefährlich“ eingestuft wurden. Der Angeklagte protestierte mehrfach dagegen, die Fotos zu zeigen: „Ich soll öffentlich durch den Dreck gezogen werden. Das hat nichts mit den Anklagevorwürfen zu tun.“ Noch hitziger wurde es, als gleich mehrere Fotos ein Buchcover mit einer Hakenkreuzfahne zeigten.

M. warf der Polizei vor, sie habe das Buch für die Fotos absichtlich prominent platziert und wollte von der Zeugin wissen, ob in der Wohnung Material mit rechtsextremer Gesinnung gefunden worden sei. Die Polizeibeamtin antwortete sinngemäß, sie habe das sichergestellte Material nur erfasst, nicht bewertet. In der Folge fiel der Angeklagte der Zeugin ständig ins Wort und musste von der Vorsitzenden Richterin mehrfach ermahnt werden. Immer wieder wollte der Angeklagte wissen, ob rechtsextremes Propagandamaterial in der Wohnung gefunden worden sei und warum er bei der Wohnungsdurchsuchung nicht anwesend sein durfte. Die Zeugin selbst hatte M. am Tag der Durchsuchung nicht gesehen, weil sie erst nach dessen Festnahme in die Wohnung kam.

Als die Beamtin aussagte, eine Nachbarin M.´s habe in einer Befragung angegeben, vor ihm Angst gehabt zu haben, wollte der Angeklagte diese Aussage verlesen haben, was nicht unbedingt zu seinem Vorteil geriet. Eine ehemalige Nachbarin schilderte M. demnach als zurückgezogen lebenden Menschen, mit dem man keinen Kontakt haben wollte, eine weitere Nachbarin berichtete, er habe im Zusammenhang mit einem Wasserschaden schamlos gelogen, nachts sehr oft gepoltert und ihr, als sie sich beschwert habe, gedroht und sie beschimpft. Der Prozess wird am 12. April fortgesetzt. (Oliver Teutsch)

Zuletzt sagten Betroffene der Drohmails im Prozess um die Drohmailserie NSU 2.0 aus.

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