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Gericht

Landgericht Frankfurt beschäftigt sich mit Tötungsdelikt

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Das Landgericht Frankfurt macht einem 33-Jährigen den Prozess, der einem Saufkumpanen den Hals aufgeschlitzt haben soll. Das Opfer verblutete vor der Haustür.

Laut Anklage gehört Haissam S. nicht zu der Sorte Mensch, die man sich als Nachbar wünscht. Am Nachmittag des 11. Oktober 2010 soll der 33-jährige S. während des Saufens mit seinem 39 Jahre alten Zimmernachbarn dermaßen mit seinem Zechkumpanen in Streit geraten sein, dass er ihm – entweder mit einem Messer oder den Scherben eines Glasflasche – den Hals aufgeschlitzt haben soll. Das Opfer verblutete vor der Haustür.

Bereits zwei Tage zuvor war S. laut Anklage an der S-Bahn-Station Stadion unangenehm aufgefallen, als er einen 53 Jahre alten Mann, der zur Arbeit wollte, erst belästigte, dann vom Fahrrad zog und dann mehrfach mit einer Glasflasche auf ihn einschlug, ohne zu treffen. Auf die Frage, was zur Hölle er von ihm wolle, soll S. geantwortet haben, selbstverständlich das Portemonnaie, woraufhin der 53-Jährige dem Angreifer die Beine wegtrat. S. ging zu Boden und schnitt sich seine Hand an den Scherben der Flasche auf.

Die Beamten einer Polizeistreife, die das Treiben beobachtet hatten und dem ein Ende setzten wollten, versuchte er mehrfach anzuspucken, hatte an dem Tag aber einfach kein Glück mit der Trefferquote. Dafür versprach er den Beamten: „Der IS wird euch finden und die Haut abziehen!“ Einen Polizisten, von dem er wohl besonders fasziniert war, titulierte er als „blauäugigen Bastard“. Wenn er bloß eine Waffe dabei hätte und ab und zu auch mal träfe, klagte S., dann würde er ihm liebend gerne eine Kugel „zwischen die blauen Augen schießen“.

Zu den Anklagevorwürfen – Totschlag, Körperverletzung, Beleidigung, Nötigung – will Haissam S. keine Angaben machen. Zur Person schon. Aber auch diese Angaben lassen S. als potenziellen Nachbarn nicht attraktiver erscheinen.

Seit er 2001 als Minderjähriger aus dem Irak geflüchtet und in Deutschland Schutz gesucht und gefunden habe, hat er sich nach eigenen Angaben auf eine Kernkompetenz spezialisiert, das allerdings gründlich. „An Drogen habe ich alles konsumiert, was es gibt“, verkündet er der Strafkammer nicht ohne Stolz. Deren Vorsitzender Volker Kaiser-Klan gibt zu bedenken, dass ja zumindest die ständige Sauferei nicht ganz im Sinne des IS sein könne, den der Angeklagte ja am Stadion als Ordnungsmacht beschworen haben soll. Ach, antwortet S., mit den Religionen halte er es wie mit den Drogen: „Ich respektiere alle!“

Viel Koks im Pott

Da es außer Drogengeschichten offenbar wirklich nichts aus seiner Vita zu berichten gibt, erzählt S., wie er, bevor er Frankfurt mit seiner Anwesenheit beglückte, nach seiner Ankunft in Bayern den Freistaat rasch wieder verließ und weiter gen Ruhrgebiet flüchtete: „Im Ruhrgebiet ist das Kokain viel billiger als in Bayern.“ „Ja, ja“, sinniert Kaiser-Klan, „im Pott gab es schon immer zu viel Koks, darum hat man dort die Minen jetzt auch dichtgemacht.“

Da guckt S. dann doch ein bisschen verdutzt aus der Wäsche, denn trotz aller Expertise scheint ihm dieser Umstand bislang unbekannt gewesen zu sein. Und so wird der erste Verhandlungstag für ihn auch zu einer Lektion in Neue-Heimat-Kunde. Weitere dürften folgen: Das Landgericht hat sechs weitere Verhandlungstage bis Mitte August anberaumt.

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