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Landgericht Frankfurt: Badle legt Geständnis ab

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Von: Oliver Teutsch

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Der angeklagte Alexander Badle zum Prozessauftakt in Frankfurt. Foto: dpa
Der angeklagte Alexander Badle zum Prozessauftakt in Frankfurt. Foto: dpa © dpa

Angeklagter Ex-Oberstaatsanwalt legt sehr persönlichen Geständnis ab und macht private Problemefür seine Bestechlichkeit verantwortlich. Keine Angaben zum Vorwurf der Untreue.

Mit einer solchen Wendung hatten Prozessbeteiligte und Publikum nicht gerechnet. Die angekündigte Einlassung des wegen Korruption und Untreue angeklagten ehemaligen Oberstaatsanwalts Alexander Badle geriet vor allem in den persönlichen Belangen zu einer schonungslosen Lebensbeichte. Der 55-Jährige verlas zu Beginn des zweiten Prozesstages am Frankfurter Landgericht eine 19-seitige Einlassung, in der er den Vorwurf der Bestechlichkeit einräumte, vor allem aber seine zerrüttete Kindheit in den Vordergrund rückte.

Da beide Eltern zum Zeitpunkt seiner Geburt noch studiert hätten, habe er die ersten zwei Jahre seines Lebens in einem Kinderheim im heutigen Frankfurter Stadtteil Riedberg verbracht. Als er wieder in der heimischen Wohnung im Westend gewohnt habe, sei die Mutter überfordert gewesen und der Vater zunehmend dem Alkohol und dem Glücksspiel verfallen. „Ich wuchs als Schlüsselkind auf.“ Unvermittelt berichtete der ehemalige Oberstaatsanwalt dann, wie er im Grundschulalter von seinem Vater regelmäßig sexuell missbraucht worden sei. Die Mutter habe davon gewusst, sich aber nicht durchsetzen können. Noch heute empfinde er „Enttäuschung und Hilflosigkeit“ über seine „traumatisierende Kindheit“.

Vor diesem Hintergrund habe er einen „starken Überlebenswillen“ entwickelt, sich von Alkohol, Nikotin und anderen Drogen immer ferngehalten und sein Jura-Studium durchgezogen. Beruflich habe er sich in die Arbeit gestürzt, um von den privaten Problemen abzulenken, die er noch immer auf seine Kindheit zurückführt.

Nicht ganz so schonungslos ließ sich Badle zu den Anklagevorwürfen ein. Zur schwerwiegenden Untreue, die ihm vorgeworfen wird, machte er keine Angaben. Die Bestechlichkeit und die Annahme von mehreren Hunderttausend Euro, die er von zwei mittlerweile insolventen Firmen erhielt, räumte er voll umfänglich ein und sprach mehrfach von einer „Unrechtsvereinbarung“, die er mit den Geschäftsführern der beiden Unternehmen getroffen habe.

Das Geld habe er vor allem gebraucht, um seine damalige kranke Lebensgefährtin und deren Kinder zu unterstützen.

Badle stellte die Vereinbarungen mit dem mitangeklagten Schulfreund Bernhard A. und dem gesondert verfolgten Geschäftsführer Thomas M. als persönliche Gefallen dar, die diese ihm im Wissen um seine privaten Probleme gewährt hätten. Zumindest M., der im Februar als Zeuge aussagen will, soll das anders sehen, räumte auch Badle ein. Die Unterstützung bestand laut Badle darin, den Sohn und seine Lebensgefährtin in zwei Wohnungen im Westend unterzubringen, die er von dem Schmiergeld gekauft hatte. Den mitangeklagten Schulfreund A. nahm Badle mehrmals in Schutz. Dieser habe ihm wiederholt angeboten, die Korruptionsmaschinerie zu stoppen. „Ich wäre aber nicht in der Lage gewesen, dieses System zu stoppen“, bekannte Badle und gab an, er sei quasi froh, dass die Staatsanwaltschaft ihn aus diesem „Sumpf“ gezogen habe.

Über das „fatale Ausmaß“ seiner Verfehlungen sei er sich erst in der Untersuchungshaft bewusst geworden. Badle entschuldigte sich bei zwei Ex-Kollegen, gegen die ebenfalls ermittelt wird, und bei der hessischen Justiz, der er schweren Schaden zugefügt habe. Während seiner zwischenzeitlichen Haftverschonung habe er angefangen, zumindest einen Teil seiner Schulden zu begleichen, auch wenn ihm wegen hoher Schadenersatzforderungen eines Insolvenzverwalters und der hessischen Justiz „düstere Aussichten“ bevorstünden.

Zu den 45-minütigen Ausführungen Badles hatten die 24. Strafkammer und die Staatsanwaltschaft eine Reihe von Fragen, die aber aus terminlichen Gründen erst zu einem späteren Zeitpunkt gestellt werden sollen. Kommende Woche soll zunächst der mitangeklagte A. gehört werden.

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