Landgericht Frankfurt am Main
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Versuchter Mord

Landgericht Frankfurt: Angeklagter soll versucht haben, Opfer zu überfahren

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Prozess gegen einen Mann, der nach Streit im Ostend in Frankfurt ein Auto als Mordwaffe missbraucht haben soll. Der Angeklagte sagt, es handele sich um ein Versehen.

  • Am Frankfurter Landgericht hat ein Prozess wegen versuchten Mordes begonnen
  • Der Angeklagte soll mit seinem Auto versucht haben, zwei Menschen zu überfahren
  • Dieser stellt den Tathergang allerdings anders dar

Frankfurt - Der 32 Jahre alte Andrei L. wirkt auf der Anklagebank des Landgerichts gar nicht wie der Teufelskerl, als den die Anklage ihn beschreibt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm v ersuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und einen ebensolchen Eingriff in den Straßenverkehr vor.

Versuchter Mord in Frankfurt: Das Auto als Mordwaffe

L., so die Anklage, soll in der Nacht auf den 3. Oktober 2019 beim Verlassen eines Clubs an der Hanauer Landstraße aus unbekanntem Grund mit zwei Männern in Streit geraten sein. Darüber soll er sich so geärgert haben, dass er mit dem Mercedes seiner Freundin den beiden, die zu Fuß zum Union-Areal gelaufen waren, nachgefahren sei. 

Versuchter Mord in Frankfurt: Opfer konnten im letzten Moment ausweichen

Er habe die dortige Schranke mit dem Auto aufgedrückt und sei, als er seiner Kontrahenten angesichtig geworden sei, „mit hoher Geschwindigkeit und aufheulendem Motor“ auf diese zugefahren. Einer habe sich durch einen Hechtsprung zur Seite gerettet, der andere sei auf der Motorhaube gelandet und zu Boden geschleudert worden. Nun habe L. sein Werk vollenden und die beiden am Boden Liegenden überfahren wollen, doch die hätten sich zur Seite gerollt und L. sei mit dem Auto gegen einen Baum gekracht. Kaputt war danach nur der Mercedes, die beiden Weghüpfer erlitten bloß Prellungen.

Versuchter Mord mit Auto in Frankfurt: Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht

L. sagt, die beiden ihm Unbekannten hätten beim Verlassen des Clubsseine Freundin grußlos attackiert, bespuckt und geschlagen. Da habe er – wenig ritterlich – die Flucht ergriffen, sei kurz danach aber in brennende Sorge um seine zurückgelassene Freundin geraten. „In völliger Panik“ habe er sie mit dem Auto gesucht, weil das schneller fahre als er laufen könne, und die Barriere zum Union-Gelände durchbrochen, weil er sie dort vermutet habe. 

Als er seine beiden Gegner, die noch von drei Kumpels begleitet worden seien, entdeckt habe, da habe er vielleicht „vor Stress auf das Gas- statt auf das Bremspedal getreten“. Anschließend hätten die fünf wie irre auf das Auto eingeschlagen, er habe zurückgesetzt, sei gegen den Baum gekracht und habe das nicht mehr fahrbereite Auto verlassen müssen. „Eine der Personen wollte mich schlagen, da rannte ich weg.“ Es sei nie seine Absicht gewesen, beteuert L., jemanden zu verletzen oder gar umzubringen.

Versuchter Mord in Frankfurt: Fünf Verhandlungstage eingeplant

Das klingt erst mal wie eine ziemlich schwachsinnige Verteidigungslüge, aber zumindest der erste Teil wird von den Aufnahmen der Überwachungskamera voll gedeckt. Sie zeigen L. und seine Freundin beim Verlassen des Clubs und die beiden späteren vermeintlichen Opfer, die mit der lässigen Routine geübter Frauenschläger L.s Begleiterin in Gesicht spucken und sie angreifen. Sie zeigen auch, wie sie dem flüchtenden L. kurz hinterherrennen. Sie zeigen nicht die ohnmächtige Wut, die L. danach empfunden haben muss.

Versuchter Mord in Frankfurt: Ein Hauptzeuge in Quarantäne wegen Coronavirus

Seine Begleiterin, eine 22 Jahre alte Studentin, sagt im Zeugenstand, dass es sich bei einem der Angreifer um einen ihrer Ex-Freunde handele, einen Gewaltmenschen und Teilzeittürsteher, der in seiner Freizeit gerne auf Leute einprügele oder Autos zerkratze. Er habe sie nach der Beendigung einer ohnehin kurzen und leidenschaftslosen Liaison massiv gestalkt und sogar versucht, sie ihren Eltern zwecks Heirat abzukaufen, worauf die aber nicht eingegangen seien.

In der Tatnacht hätte der Kerl sie vor dem Spucken darüber informiert, dass „das hier mein Club“ sei, was aber so nicht stimme.

Für die Wahrheitsfindung hat die Strafkammer, die wie derzeit üblich unter dem Vorsitz von Volker Kaiser-Klan tagt, fünf Verhandlungstage eingeplant, aber verlassen sollte man sich in diesen Zeiten auf so etwas nicht – einer der Hauptzeugen etwa befindet sich derzeit in Spanien in Coronaquarantäne.

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