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Land verkauft altes Polizeipräsidium

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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Das ehemalige Frankfurter Polizeipräsidium soll verkauft werden.
Das ehemalige Frankfurter Polizeipräsidium soll verkauft werden. © Rolf Oeser

Seit 15 Jahren verfällt das alte Frankfurter Polizeipräsidium. Das Land Hessen eröffnet jetzt als Grundstückseigentümer ein Verkaufsverfahren für das 5.000 Quadratmeter große Grundstück.

Seit 15 Jahren verfällt das leerstehende frühere Frankfurter Polizeipräsidium an der Friedrich-Ebert-Anlage. Jetzt kommt überraschend Bewegung in die Sache. Das Land Hessen als Grundstückseigentümer hat für das riesige, 15.000 Quadratmeter große Grundstück ein Verkaufsverfahren eröffnet. Das renommierte Immobilienunternehmen BNP Paribas Real Estate sucht im Auftrag des Landes Investoren für das Areal. Entstehen soll ein gemischt genutztes Stadtviertel mit Wohnungen, Büros, Hotel und einem 145 Meter hohen Hochhaus.

Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) will das Milliardenprojekt in der nächsten Woche bei der internationalen Immobilienmesse Expo Real in München präsentieren. Wie Schäfers Sprecher Ralph-Nicolas Pietzonka der FR sagte, gibt es eine Reihe namhafter Interessenten für den Kauf und die Entwicklung der Fläche. Das Land reagiere mit der Bebauung der „Toplage“ auch auf den zusätzlichen Bedarf an Büros und Wohnungen, der durch die erwartete Zuwanderung von Bankarbeitsplätzen infolge des Brexits entstehe.

Die Landesregierung hat sich von festen Einnahmeerwartungen gelöst. Früher wollte das Finanzministerium zwischen 70 und 90 Millionen Euro erzielen, jetzt wird kein fester Kaufpreis mehr genannt. „Der Preis hat aber am Ende den Verkauf nie verhindert“, behauptete Pietzonka. Tatsächlich sei ein wesentliches Hindernis eine Veränderungssperre gewesen, die von der Stadt wegen des Baus der U-Bahn-Strecke ins Europaviertel ausgelöst worden war. Diese Veränderungssperre sei jetzt vom Tisch.

Allerdings hat das Land offenbar im Alleingang und ohne Absprache mit der Stadt gehandelt. Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) erfuhr nach Informationen der FR erst am Montag davon, dass die Landesregierung ein Verkaufsverfahren eingeleitet hat. Tatsächlich soll Josef mit einer lapidaren E-Mail aus dem Ministerium informiert worden sein.

Das ist politisch brisant. Denn Josef und die Stadt Frankfurt wünschen sich wesentlich mehr Wohnungen auf dem Gelände, als sie der bisher gültige, mehr als 15 Jahre alte städtische Bebauungsplan vorsieht.

Pietzonka sagte dazu, die Stadt Frankfurt könne ihre konkreten Vorstellungen in die Verhandlungen mit den Investoren einbringen. Dabei sei durchaus auch mehr geförderter Wohnungsbau möglich, also die Errichtung von Wohnungen mit erschwinglichen Mieten.

Keine Sanierungsarbeiten mehr seit 2002

Josefs Sprecher Mark Gellert nannte es „erfreulich, dass das Land endlich handelt“. Die Landesregierung und den Magistrat eine das Ziel, die städtebauliche Situation auf dem Areal des Polizeipräsidiums zu verbessern. „Allerdings sind wir uns über den Weg dahin noch nicht einig“, fügte Gellert hinzu.

Der vordere Gebäudeteil des Alten Polizeipräsidiums an der Friedrich-Ebert-Anlage ist denkmalgeschützt und verfällt zusehends. Das hessische Finanzministerium bestätigte der FR am Dienstag, dass seit dem Umzug des Polizeipräsidiums in den Neubau an der Adickesallee 2002 im Altbau keine Sanierungsarbeiten mehr organisiert wurden. Es habe lediglich „Sicherungsmaßnahmen“ gegeben. So wurden Netze gespannt, um herunterfallende Fassadenteile aufzufangen und Passanten zu schützen.

In der Koalitionsrunde von CDU, SPD und Grünen im Römer war am Dienstag ein anderes wichtiges Immobilienprojekt Thema. Nach jahrzehntelangem Streit will sich die Stadt mit dem Immobilienkaufmann und früheren „Bordell-König“ Hersh Beker über eine Bebauung von Brachgrundstücken entlang der Breiten Gasse und Allerheiligenstraße einigen.

Nach der Vorlage, die in der Koalitionsrunde zur Beratung präsentiert wurde, sollen dort 170 Wohnungen, ein großes Hotel, neun Läden und acht Gaststätten und Restaurants entstehen. Bauherr ist Beker.

Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) zeigte sich im Gespräch mit der FR erfreut darüber, dass die lange untergenutzten Flächen im Osten der Innenstadt endlich bebaut werden sollen. „Dieses Quartier braucht sehr dringend eine Aufwertung“, sagte der Stadtrat.

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