1. Startseite
  2. Frankfurt

Land Hessen kauft die Höchster Porzellan-Manufaktur

Erstellt:

Von: George Grodensky

Kommentare

Im Laufe der Jahrhunderte sind einige interessante Figürchen in Höchst entstanden, handgefertigt und handbemalt.
Im Laufe der Jahrhunderte sind einige interessante Figürchen in Höchst entstanden, handgefertigt und handbemalt. Peter Jülich © Peter Jülich

Die Hochschule für Gestaltung aus Offenbach soll dort forschen und produzieren. Verkauf und Vertrieb ruhen allerdings erst einmal.

Das Land Hessen erwirbt die Vermögenswerte der Höchster Porzellan-Manufaktur. Es möchte das „historische Erbe erhalten“, wie es in der Mitteilung dazu heißt. Die Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) wird den Betrieb der zweitältesten Porzellanmanufaktur Deutschlands mit einem neuen Konzept weiterführen. Sie soll so das handwerkliche und künstlerische Know-how für Forschung und Lehre nutzen. Geplant ist die Gründung eines „Institute for Advanced Material Studies“.

Die HfG übernimmt Mietvertrag sowie vier der acht Beschäftigten. Die Markenrechte hatte das Land bereits im Juli erworben. Für Vermögenswerte, also Werkzeuge, historische Formen, Entwürfe und Brennöfen sowie die Markenrechte, zahlt das Land 300 000 Euro. Den laufenden Betrieb will es über den Haushalt der HfG finanzieren, dafür will man den Etat der Hochschule um 1,5 Millionen Euro aufstocken. Der entsprechende Haushalt ist allerdings noch nicht beschlossen. Die Manufaktur bleibt im denkmalgeschützten Bau an der Palleskestraße.

„Das Land Hessen steht zu seinen Traditionen“, sagt Ministerpräsident Boris Rhein. An der Hochschule für Gestaltung in Offenbach werde „in Zukunft die filigrane Porzellankunst aus Hessen gelehrt und bewahrt“. „Das Wissen um altes Handwerk ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung für Gestalterinnen und Gestalter von morgen“, sagt Angela Dorn, hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst.

HfG-Präsident Bernd Kracke sieht jedenfalls eine „Jahrhundertchance und einzigartige Zukunftsperspektive“. Im neuen „HfG-Satelliten“ würden „werkstoffbezogene Tradition mit neuen, auch digitalen Inhalten Hand in Hand gehen und für eine internationale Sichtbarkeit von Hochschule und Region sorgen“.

Feines aus Höchst

Die Höchster Porzellan-Manufaktur wurde 1746 als kurfürstlich-mainzische Porzellanmanufaktur gegründet und ist damit die zweitälteste Porzellanmanufaktur in Deutschland. Das Firmenzeichen ist das Mainzer Rad. Sie residiert an der Palleskestraße 32, im denkmalgeschützten Industriebau am Höchster Stadtpark.

Teure, handgefertigte Wohn- und Geschenkaccessoires aus Porzellan laufen aber nicht immer gut. Der erste Bankrott war 1756. Der jüngste im Juni 2022. sky

Web: www.hoechster-porzellan.de

Vor Ort ist man zugeknöpfter. „Es sind alle in Betriebsferien bis zum kommenden Jahr“, heißt es auf die Frage nach der Stimmung in der Belegschaft. Acht Menschen arbeiten noch an der Palleskestraße, vier davon werden im neuen Konzept übernommen. Die Segmente Verkauf und Vertrieb entfallen, vorerst zumindest. Der Concept-Store in der neuen Frankfurter Altstadt hat bereits seit Juli geschlossen.

Der Fokus solle auf dem Handwerklichen liegen, auf der Materialkunst und der Porzellanmalerei, sagt Ingo Schorlemmer, Sprecher des Insolvenzverwalters Frank Schmitt. Zumindest soweit er das Konzept beurteilen könne, stehe der Verkauf nicht mehr im Vordergrund. „Ein privatwirtschaftlicher, langfristiger Betrieb der Manufaktur ist nicht darstellbar“, informiert auch Insolvenzverwalter Schmitt. Gerade unter aktuellen Bedingungen wie den hohen Energiepreisen. „Die Entwicklung der vergangenen Jahre und das Insolvenzverfahren haben gezeigt, dass eine privatwirtschaftliche Führung der Manufaktur nicht mehr möglich ist“, sagt auch Finanzminister Michael Boddenberg (CDU).

Das Unternehmen stand schon mehrfach vor dem Aus. 2018 etwa hatte ein asiatischer Investor die Manufaktur gerettet. Teil seines neuen Konzepts sollte sein, über Lifestyleprodukte auch jüngere Käuferschichten zu erreichen. Zudem eröffnete er den Showroom in der neuen Altstadt. Im Juni hat aber auch er Insolvenz anmelden müssen.

Nun hält das Land also die Manufaktur. Zudem führe man „Gespräche mit der Stadt Frankfurt über eine Unterstützung“. Das habe auch der Ortsbeirat 6 bereits versucht, im Juni schon, erinnert Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU). Eine entsprechende Anfrage sei bislang aber ohne Antwort geblieben. „Wir erwarten, dass die Stadt in konstruktive Gespräche mit dem Land einsteigt“, fordert sie nun. „Es ist ja auch im Interesse der Stadt, die zweitälteste Porzellanmanufaktur in Deutschland zu erhalten.“

Auch interessant

Kommentare