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Lachgaskonsum bereitet Sorgen

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Von: Brigitte Degelmann

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In den Niederlanden gibt es Ballons mit Lachgas zu kaufen. dpa
In den Niederlanden gibt es Ballons mit Lachgas zu kaufen. dpa © picture alliance / ANP

Ein Trend in den sozialen Medien verharmlost die Inhalation des Betäubungsmittels.

Die junge Frau hält sich einen Ballon an die Lippen, atmet die Luft daraus ein; kurz darauf verzerrt sich ihr Gesicht zu einem debilen Grinsen und sie lallt etwas Unverständliches in die Kamera. Etliche solcher Videos, bei denen junge Leute Lachgas konsumieren und sich dabei filmen, kursieren derzeit in sozialen Netzwerken, etwa auf der Videoplattform TikTok. Ein Trend, den die CDU in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung mit Sorge beobachtet. Deshalb erkundigten sich die Christdemokraten beim Magistrat unter anderem danach, ob es Erkenntnisse über die Zahl der Konsumenten in Frankfurt gibt und wie man gegen den Missbrauch von Lachgas vorgeht.

In ihrer Antwort verweist die Stadtregierung auf die Mosyd-Studien, bei denen jedes Jahr der Drogenkonsum Frankfurter Jugendlicher betrachtet wird. Ein Ergebnis: Bis 2018 habe sich Lachgas in der Altersgruppe der 15- bis 18-Jährigen steigender Beliebtheit erfreut, seitdem seien die Zahlen jedoch rückläufig. Betrachte man jedoch die Gesamtstichprobe, die auch die Angaben junger Erwachsener umfasse, so ist in den vergangenen Jahren „eine Steigerung der Konsumerfahrung zu beobachten“, erklärt der Magistrat. 2020 gaben demnach elf Prozent aller Befragten an, mindestens einmal im Leben Lachgas konsumiert zu haben. 2021 könnten die Zahlen noch etwas höher liegen, heißt es in dem Papier: „Der Freizeitkonsum von Lachgas hat im Vergleich zum Vorjahr somit womöglich wieder an Bedeutung gewonnen, nicht nur unter Jugendlichen, sondern allgemein in der Partyszene.“ Insbesondere im Partyviertel in Alt-Sachsenhausen habe die Landespolizei in den vergangenen Wochen vermehrt den Verkauf und Konsum von Lachgasbehältern sowie die anschließende unsachgemäße Entsorgung festgestellt.

Ursprünglich wurde Lachgas als schmerzstillend wirkendes Narkosemittel eingesetzt. Konsumierende nutzten es jedoch, um einen Rauschzustand auszulösen, der in der Regel wenige Minuten andauere, erklärt die Stadtregierung: „In dieser Zeit können Entspannung, Kribbeln, Wärme- und Glücksgefühle (in Konsequenz auch häufig Lachanfälle), aber auch leichte Halluzinationen und ein Verlust des Zeit- und Raumgefühls erlebt werden.“

Gefahren oft unterschätzt

Doch der Konsum kann auch Gefahren bergen. Zu den Risiken gehörten Übelkeit, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Schwindelgefühle bis hin zu Bewusstlosigkeit aufgrund von Sauerstoffmangel und somit auch ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch Stürze, zählt der Magistrat auf. Bei übermäßigem Konsum könnten Schädigungen der inneren Organe und des Nervensystems auftreten, die langfristig kognitive Funktionen und den Bewegungsapparat beeinträchtigten können. Bei gleichzeitiger Einnahme weiterer Substanzen wie Alkohol oder Cannabis drohten außerdem unkalkulierbare Wechselwirkungen wie eine deutliche Verstärkung des Rauschs, Erbrechen oder Blutdruckabsenkung. Darüber hinaus seien beim direkten Konsum von Lachgas aus einer Gaskapsel Erfrierungen des Mundes und des Kehlkopfes möglich.

Das Drogenreferat finanziere verschiedene Träger, die an Schulen Workshops und Beratungen zu suchtrelevanten Themen umsetzen. Auch Lachgas sei ein Thema. In diesem Zusammenhang spielten außerdem Plattformen wie TikTok eine wichtige Rolle, gibt die Stadtregierung zu bedenken: „Werden in sozialen Medien Trends wie zum Beispiel Lachgas-Challenges verbreitet, scheinen diese eine breite Masse an Jugendlichen zu erreichen.“

Lachgas ist in Deutschland legal erhältlich. Es gibt keine Beschränkungen des Konsums oder des Vertriebs. In anderen europäischen Ländern gelten dagegen teilweise Zugangsbeschränkungen für Minderjährige. In Frankreich und Belgien ist die Abgabe an Unter-18-Jährige inzwischen verboten.

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