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KZ Katzbach: Die Gedenkstätte eröffnet

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Von: Florian Leclerc

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Die Geschichte des Konzentrationslagers im Gallusviertel wird hier erzählt. Foto: Peter Jülich
Die Geschichte des Konzentrationslagers im Gallusviertel wird hier erzählt. © Peter Jülich

Der „Geschichtsort Adlerwerke“ erinnert nun an das frühere Konzentrationslager mit dem Decknamen Katzbach mitten in Frankfurt.

Genau 77 Jahre nach der Auflösung des Konzentrationslagers mitten in Frankfurt erinnert der „Geschichtsort Adlerwerke“ in der Kleyerstraße 17 nun an die Verbrechen, die in dem KZ begangen worden sind, und an die Schicksale der Opfer. Der Ausstellungsraum im Erdgeschoss der Adlerwerke ist 160 Quadratmeter groß. Von dort aus ist das östliche Eckrisalit der Adlerwerke zu sehen, in dem von August 1944 bis März 1945 bis zu 1616 Häftlinge im KZ mit dem Decknamen Katzbach untergebracht waren.

Im Eingangsbereich der Ausstellung ist ein Zeitstrahl angebracht, der die Geschichte der Adlerwerke beleuchtet. Sie haben das Frankfurter Gallusviertel seit 1880 geprägt - als Fabrik, als Ort der Zwangsarbeit, als Konzentrationslager, nun als Gebäude für Büros.

Zeitzeugen bei der Eröffnung

In sieben Hörstationen werden die Schicksale von Häftlingen geschildert - unter anderem von Zygmunt Swistak, der die Haft überlebte und seine Erlebnisse in Zeichnungen verarbeitete, die hier ausgestellt sind. Zygmunt Swistak wird, ebenso wie auch der Überlebende Zbigniew Muszynski, am heutigen Freitagabend bei der Eröffnung zu den Anwesenden sprechen, live zugeschaltet aus Australien, wo Zbigniew Muszynski und Zygmunt Swistak leben.

In einer Videostation ist ein Interview mit Andrzej Branecki zu sehen, der als 14-Jähriger einer der jüngsten Gefangenen war. Er erinnert unter anderem an den Todesmarsch am 24. März 1945, kurz vor dem Einmarsch der Alliierten in Frankfurt, aus dem KZ Katzbach nach Hünfeld und weiter ins KZ Buchenwald. Das Bild, das er wählt, um zu schildern, wie einer der Mithäftlinge von der SS erschossen wird, wird sich bei den Hörer:innen einprägen.

In einer weiteren Videostation thematisiert das Kuratorenteam unter Leitung von Thomas Altmeyer vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945 das Schicksal von Kindern im Lager. Zwei Jungen im Alter von etwa elf bis 14 Jahren wurden von den SS-Wachleuten mit den Spitznamen „Stalin“ und „Churchill“ bedacht, als Laufburschen herumgeschickt und gedemütigt. Wenn die Rote Armee oder die britische Armee ein Gefecht gewannen oder verloren, wurden die beiden Jungen belohnt oder bestraft.

Virtueller Tisch zu Zwangsarbeitslagern in Frankfurt

Der Frage nach der Strafverfolgung widmet sich eine weitere Wandtafel. Erschreckend wenige SS-Wachmänner wurden nach Ende des Zweiten Weltkriegs von den ermittelnden Behörden identifiziert, kein SS-Mann wurde verurteilt. Lediglich zwei Hilfswachmänner wurden angeklagt und bestraft. Das Führungspersonal der Adlerwerke wurde zwar angeklagt, die Verfahren wurden aber eingestellt.

Wer sich einen Überblick verschaffen will, wie weitgespannt das Netz der Zwangsarbeit in Frankfurt in der NS-Zeit gewesen ist, findet auf einem virtuellen Tisch eine Karte der Stadt Frankfurt, auf der die Orte der Zwangsarbeit markiert sind. Es sind sehr viele. In Frankfurt waren im Frühjahr 1944 bis zu 50 000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter beschäftigt - in großen und kleinen Betrieben, aber auch in der Verwaltung. Im Stadtgebiet gab es etwa 145 Zwangsarbeitslager.

Der Generalkonsul der Republik Polen, Jakub Wawrzyniak, der anlässlich der Eröffnung aus Köln angereist ist, setzte sich für einen Austausch der Gedenkstätte mit Institutionen wie dem Museum des Warschauer Aufstands in Warschau ein und schlug Studienreisen vor.

Vermittlungsarbeit mit Geocaching-Rundgängen

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) dankte den ehrenamtlich Engagierten aus der Zivilgesellschaft, die sich seit über 30 Jahren für eine Gedenkstätte eingesetzt haben. Das Kulturdezernat fördere den Geschichtsort mit 126 000 Euro im Jahr, darin seien Kosten für Miete, Nebenkosten, Personal und ein Zuschuss zu Betriebskosten enthalten.

Elke Sautner vom Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ-Katzbach erinnerte daran, dass die Existenz des Konzentrationslagers mitten in Frankfurt über Jahrzehnte verdrängt worden sei.

Thomas Altmeyer, Leiter des Geschichtsorts, kündigte Vermittlungsarbeit etwa bei Geocaching-Rundgängen in Stadtteilen und Workshops an. Der Geschichtsort, der vom Studienkreis Deutscher Widerstand betrieben wird, sucht auch noch Ausstellungslots:innen. Sie können sich per Mail (info@geschichtsort-adlerwerke.de) melden.

Wer sich in die NS-Geschichte einarbeiten möchte, findet Literatur in einer kleinen Bibliothek im Ausstellungsraum. An einer Tischgruppe können sich Besucherinnen und Besucher zum Lesen niederlassen.

Der Geschichtsort Adlerwerke wird am heutigen Freitag, 25. März, 18 Uhr, im Gallus-Theater offiziell eröffnet. Die Veranstaltung ist ausgebucht. Die Veranstaltung wird live übertragen auf: kultur-frankfurt.de/livestream und außerdem auf Facebook unter: „Frankfurt&Culture". Eine Aufzeichnung kann auch anschließend abgerufen werden. Interessierte können den Geschichtsort Adlerwerke am Samstag, 26. März, 11-17 Uhr, und am Sonntag, 27. März, 14-17 Uhr, besichtigen. In dieser Zeit stellt das Kuratorenteam die Ausstellung vor. Der Eintritt ist frei.

Auch über den Todesmarsch wird informiert. Foto: Peter Jülich
Auch über den Todesmarsch wird informiert. © Peter Jülich

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