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Mit zahlreichen Fahnen ziehen Teilnehmer der zentralen Demonstrationen zum kurdischen Newroz-Fest durch die Stadt.

Kurden

Kurden demonstrieren zum Neujahrsfest Newroz in Frankfurt

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Newroz ist das wichtigste kurdische Fest. Tausende kommen dafür nach Frankfurt.

Es ist laut an der Bockenheimer Warte. Von einem Pritschenwagen herunter schallt Musik, am Mikrofon steht ein Mann und bejubelt die internationale Solidarität. Obwohl, so laut ist es nun auch wieder nicht, denn die rund 1500 Menschen, die in den Sprechchor mit einstimmen sollen, wirken noch etwas müde. Aus der ganzen Bundesrepublik sind die Kurden nach Frankfurt gekommen, um ihr Frühlingsfest Newroz zu feiern.

Jiyan ist mit dem Bus aus Dresden angereist. Nachts um 3 Uhr ging es los, um 18 Uhr soll es zurückgehen Richtung Sachsen. Jiyan ist jedes Jahr beim Newroz dabei, doch diesmal sei es etwas ganz Besonderes. „Wir wollen endlich Frieden“, sagt sie und gleich darauf: „Jeder Krieg hat einmal ein Ende.“ Schließlich hätten auch Deutschland und Frankreich 100 Jahre Krieg gehabt. Gespräche mit der Türkei seien aber erst möglich, wenn der kurdische Anführer Abdullah Öcalan endlich aus der Isolationshaft entlassen würde.

Da fangen die Probleme an. Die Kurden wollen für ihren geistigen Führer demonstrieren, aber dessen Konterfei zeigen dürfen sie nicht. Die Polizei zieht daher im Vorfeld bei Kontrollen rund 500 Öcalan-Fahnen aus dem Verkehr. Auch an dem Pritschenwagen entsteht ein heftiger Streit der Organisatoren untereinander, ob die Fahnen jetzt verteilt werden sollen oder nicht.

Die Demonstration kommt nicht so richtig in Gang, eigentlich sollte es schon längst losgegangen sein. Als der Zug um 11.30 Uhr dann endlich Aufstellung nimmt, treffen noch fünf Reisebusse aus Nordrhein-Westfalen ein. Deren Insassen reihen sich hinten ein. Vertrauen ist gut, Wasserwerfer ist sicherer, mag sich die Polizei gedacht haben. Denn der Demonstrationszug, der jetzt durch die Senckenberganlage unterwegs ist, wird von einem Wasserwerfer aus Berlin angeführt. Viele Polizisten, die den Zug begleiten, hatten wohl eine ähnliche Anreise wie die Demonstrationsteilnehmer.

Die Kurden, die an der Alten Oper starten sollen, sind noch langsamer. Zum geplanten Zusammenschluss der beiden Formationen am Platz der Republik kommt es daher nicht. „Das hat keine polizeitaktischen Gründe“, versichert ein Sprecher. Viele Frühlingsfestler haben sich den Marsch durch die Stadt gleich ganz geschenkt. Auf dem Rebstockgelände, wo das Abschlussfest steigt, sind schon viele Tausend Menschen, während die beiden Demonstrationszüge noch im Gallus unterwegs sind. Die dort geparkten Autos und Busse kommen tatsächlich aus der ganzen Republik. Manch einer will von dem Ausflug nach Frankfurt auch noch mehr sehen als nur einen Parkplatz hinter dem Messegelände. In kleinen Grüppchen sind sie in der City-West unterwegs und schauen sich um.

Auf der riesigen Bühne, die mit Blumen geschmückt ist, hat derweil das Rahmenprogramm begonnen. Über der Bühne hängt ein großes Banner. „Die Isolation durchbrechen - Freiheit für Öcalan“ steht darauf. Doch das wird nicht heute und nicht in Frankfurt entschieden.

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