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Ein Kunststar aus Frankfurt

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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Anne Imhof im Kaisersaal.
Anne Imhof im Kaisersaal. © Christoph Boeckheler

Anne Imhof, neuer internationaler Kunststar aus Frankfurt, trägt sich ins Goldene Buch ein.

Der Sommernachmittag zaubert schräge Sonnenbahnen in den Kaisersaal. Doch die große Hitze ist vorbei, ein Hauch von Herbst liegt in der Luft. Das Protokoll hat mit allen Traditionen gebrochen. Keine Stühle, nur einige Stehtische. Aber so etwas Steifes, fest Ausgerichtetes hätte auch nicht gepasst zu Anne Imhof. Die Frankfurter Künstlerin, die im Bahnhofsviertel lebt und arbeitet, hat in diesem Jahr bei der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen, das ist der Ritterschlag in der internationalen Kunstszene. 

Viele befreundete Künstlerinnen und Künstler sind gekommen, auch der 79-jährige frühere Städelschul-Professor Thomas Bayrle. Die Gedanken gehen zurück. „Eine Blitzkarriere“, wie Oberbürgermeister Peter Feldmann sagt. Vor vier Jahren erst hatte die Städelschul-Absolventin im Frankfurter Portikus ihre erste Einzelausstellung gezeigt. Drei Performances. Schon damals ein Spiel mit Zeichen und Andeutungen. „Aqua Leo, 1st of at least two“: Da verarbeitete die Künstlerin zum Beispiel die Geheimcodes der Türsteher vor dem Offenbacher Club „Robert Johnson“. 

Und nun in Venedig also „Faust“, „ein verstörendes fünfstündiges Epos“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig, „auratische, bisweilen elegische Bilder“. Performerinnen und Performer ganz in Schwarz, Szenen voller Gewalt, Aggression, Verzweiflung. Mit zwei lebenden Dobermännern in einem Zwinger. Anspielungen auf die Realität des Faschismus. Und das in einem Gebäude in Venedig, das schon die Nazis für ihre Propaganda genutzt hatten. 

„Körper junger Menschen, in einem Traum gefangen“, sieht die Kulturdezernentin in ihrer Rede. Und vermutet, dass „Imhofs Mephistopheles die digitale Maschine ist“.

In diesen Szenen bleibe jeder Darsteller für sich, „Kinder ihrer Zeit, unterkühlt“. Hartwigs Fazit: „Gute Kunst ist nicht eindeutig, doch deutbar.“ 

Die Künstlerin selbst hütet sich, auf diesen Satz einzugehen. Es charakterisiert die 39-Jährige, dass sie sich stattdessen namentlich bei jedem einzelnen bedankt, der an „Faust“ mitgearbeitet hat, besonders bei Susanne Pfeffer im Publikum, der Kuratorin des deutschen Pavillons bei der Biennale: „Ich bin Dir für immer dankbar, Susanne.“ 

„Faust“ drücke auch den Stolz aus, „eine Frau zu sein in dieser Welt“. Und Imhof fügt hinzu: „Unsere Zukunft entsteht aus Entscheidungen, die wir treffen. Wir müssen reflektieren, wozu Ja gesagt wird und wozu wir Nein sagen müssen – und wann es an der Zeit ist, die Faust zu erheben.“

Damit ist alles gesagt. Wer jetzt darauf spekuliert hatte, die Künstlerin werde sich beim Eintrag im Goldenen Buch der Stadt ausführlich äußern, sieht sich getäuscht. Wildes Fotografen-Gedränge. Die, die was erkennen konnten, berichten, Imhof habe nur ihren Namen geschrieben. 

Was wird werden mit Anne Imhof? Die Politiker drücken ihre Hoffnung aus, dass der neue internationale Kunststar in Frankfurt bleiben wird. Imhof lächelt. „Ich schätze Frankfurt für seine Offenheit“, sagt sie. 

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