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Unterwegs bei „Liminal“ im Frankfurter Bahnhofsviertel. Foto: privat
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Unterwegs bei „Liminal“ im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Kunst

Kunstkollektiv Liminal: Kunst zwischen Trockenobst

Das Kunstkollektiv „Liminal“ ergreift „Neue Maßnahmen“ im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Wenn Kyuna durch ihr Viertel läuft, tritt sie auf schmutzige Masken, geht an geschlossenen Fensterläden vorbei und hört auch nicht mehr die Bachata-Musik aus dem Tanzstudio unter ihrer Wohnung. Die Corona-Einschränkungen haben vor dem lebhaftesten Viertel der Stadt nicht haltgemacht.

Die Studentin wohnt in einer 7er-WG im Bahnhofsviertel. „Man wacht auf und denkt sich: Boah ist das ruhig! Irgendwie war es anders, die Vibes waren anders.“ An einem der zahlreichen Lockdown-Abende entsteht in der Wohngemeinschaft die Idee, diesen Schwellenzustand zwischen „nicht mehr“ und „noch nicht“ in einer Kunstausstellung festzuhalten und greifbar zu machen.

Kyuna und ihre Mitbewohner:innen gründen das interdisziplinäre Kunstkollektiv „Liminal“. Die mittlerweile elf Köpfe haben mit einer Portion Mut und Herzblut den Zustand ihres Viertels genauer unter die Lupe genommen.

Liminal betrachtet das Bahnhofsviertel als fluktuierendes Netzwerk, das durch seine verschiedenen Akteur:innen einem ständigen Transformationsprozess ausgesetzt ist. In welchen Strukturen leben die Menschen im Bahnhofsviertel, und welche subjektiven Erfahrungen müssen sie aufgrund der Pandemie ertragen?

Im Oktober 2020 nimmt die Wohnzimmer-Idee Gestalt an. Das Kollektiv erhält ein Stipendium vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und kann loslegen. Das einzige Problem: Überteuerte Mietpreise und die Höllen der Bürokratie erschweren die Suche nach einem passenden Ausstellungsraum.

Aber Einschränkungen im Zuge der Pandemie machen erfinderisch: „Wir könnten ja auch in Supermärkten ausstellen.“ Gesagt, getan. „Allein das war schon mega interessant“, sagt Kyuna. „Du kommst einfach ins Gespräch, quatschst jeden einzelnen Kiosk oder Supermarkt hier an und fängst an zu erzählen. Das verbindet ja auch.“

Die Serie

Elena Krüger besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität. Die Frankfurter Rundschau kooperiert mit der Buch- und Medienpraxis und stellt in einer Serie ausgewählte Texte der Studierenden vor.

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Es entsteht die Ausstellung „Neue Maßnahmen“, die der Atmosphäre dieses sozialen Mikrokosmos eine Form geben soll. Insgesamt werden vier Projekte in drei Lebensmittelläden im Bahnhofsviertel ausgestellt.

Im Schaufenster der afghanischen Bäckerei „Ehsan“ wird der fragmentarische Dokumentarfilm „Web Of Thoughts“ gezeigt, in dem auch der Ladenbesitzer selbst auftritt. Auf der Straße vor dem Geschäft können Besucher:innen eine halbe Stunde lang bei Trockenobst und Teigwaren Platz nehmen.

Bei „Jaffna“ gibt es neben knusprigen Samosas und süßen Früchten jetzt auch skulpturale Kunst („Dirty Matter“) und eine Soundinstallation mit Klängen aus dem Bahnhofsviertel auf die Ohren („Rauschgedicht“).

Eine Feier der Vielfalt des Viertels, sowohl visuell als auch akustisch: Die Mixed-Media-Installation „Fountain 2020“ thematisiert den gesellschaftlichen Diskurs über Hygiene und Sicherheit, der zu Beginn der Pandemie besonders deutlich wurde. Zwischen Obst und Gemüse steht bei „Alim“ ein zum Springbrunnen umfunktioniertes Urinal.

„Die Leute wollen in Supermärkten ja nicht nur Lebensmittel kaufen, sondern auch Kultur“, sagt Luis, der für „Rauschgedicht“ wochenlang den Sound der Straße aufgenommen hat.

Liminal möchte einen gemeinsamen Dialog schaffen, ein Zusammenkommen ermöglichen. Das Kollektiv will trotz des Lockdowns beweisen, dass – neben Lebensmitteln – weitere Grundbedürfnisse der Menschen gestillt werden können: Kunst und Begegnung. Und wenn sich diese am Gemüseregal ereignen, genießen sie damit eigentlich auch Systemrelevanz.

https://lmnl.net

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