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Ein künstlerisches Team: Die beiden Kuratoren Li Xiaotian und Leung Jihnhua sowie Hausprojekt-Bewohner Martin Stiehl im Veranstaltungsraum Synnika.

Bahnhofsviertel

Kunst in der Niddastraße

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Mitten im Bahnhofsviertel öffnet das Nika-Hausprojekt einen Veranstaltungsraum und lädt zu Kunst und politischen Debatten ein. Das Wohngebäude an der Niddastraße ist seit längerem Treffpunkt verschiedener Initiativen.

Die Schaufenster erstrecken sich noch immer über die gesamte Fassade des Hauses an der Ecke Nidda-/Karlstraße. Nach dem Umbau des ehemaligen Büro- und Geschäftshauses zum Wohngebäude sind die öffentlichen Räume des Nika-Hausprojekts im Erdgeschoss, wo früher Pelze in den Schaufenstern lagen, seit kurzem begehbar. Nika steht für die beiden Straßen, an denen das Eckhaus steht.

Durch die breiten Fensterfronten sollen wechselseitig Passanten von außen hinein sehen und die Blicke von drinnen ins Viertel schweifen lassen können. „Der Schaufenstercharakter steht für Offenheit und Transparenz zum Stadtteil“, sagt Martin Stiehl, als er durch das Haus führt. Anfang Juni hat er mit 42 weiteren Bewohnern die oberen Etagen des gemeinschaftlichen sowie solidarischen Wohnprojekts mit Leben gefüllt. Nach jahrelangen Planungen und Bauarbeiten seien sie mit großer Freude eingezogen, berichtet sein Mitbewohner Moritz Krawinkel.

Seit wenigen Wochen füllt sich auch das Erdgeschoss, das öffentlich zugänglich ist, mit Leben. Auf insgesamt rund 150 Quadratmetern gibt es dort drei Bereiche, die unterschiedlich genutzt werden. Zum einen hat der Förderverein Roma zwei Räume zur Sozialberatung bezogen – ein Büro sowie ein Wartezimmer.

Direkt nebenan befindet sich ein „Community Space“, mit offener Küche, Besprechungstisch und einer Sitzecke, die aus Kinosesseln besteht. Dort treffen sich bereits verschiedene Initiativen. Etwa „Bahnhofsviertel Solidarisch“, „Project Shelter“, „Afghan Refugees Movement“, ein Eltern-Kind-Treff und die „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“.

Darius Reinhardt, der den Community Space betreut, bezeichnet das Engagement der Initiativen als „sozialpolitische und antirassistische Arbeit im Stadtteil“. Aktuell überlegten die Gruppen, wie sie mit Akteuren im Bahnhofsviertel in Kontakt treten könnten, die etwa von Verdrängung oder Polizeigewalt betroffen seien.

Im dritten Raum, der an der Niddastraße liegt und „Synnika“-Raum genannt wird, richtet die chinesische Künstlergruppe „SoengJoengToi“ ihre Ausstellung ein. Der Name der Gruppe leitet sich aus einem Gedicht eines chinesischen Schriftstellers ab. Kuratorin Li Xiaotian sagt: „Wir zeigen 13 Projekte, die sich darum drehen, wie Menschen voneinander lernen und zusammenarbeiten können.“ Es gebe durchaus Parallelen zwischen dem Nika-Hausprojekt und der Gruppe, die ein ähnliches Vorhaben in der südchinesischen Hafenstadt Guangzhou betreibe, berichtet Li Xiaotian.

Der Ausstellungsraum öffnet sich zur Niddastraße. Sein Titel „Synnika“ stehe einerseits für einen Personennamen und andererseits für die Begriffe „Syndikat“, also Vereinigung und Nika, für Nidda-/Karlstraße, sagt Martin Stiehl.

„Es ist kein klassischer Galerieraum“, fügt der 35-Jährige hinzu – auch wenn dort an diesem Wochenende die zweite Kunstausstellung eröffnet werde. Vielmehr sei es das Konzept des Raums, dass er Kunst, Politik und Theorie miteinander verbinde und/oder konfrontiere.

Moritz Krawinkel findet es vor allem spannend, mit dem Wohnprojekt in einem Viertel gelandet zu sein, das „so viele Konflikte in sich birgt“. Ursprünglich war ein Einzug ins ehemalige Bockenheimer Philosophicum angedacht. Dort, im Bahnhofsviertel, würden Themen wie Drogenpolitik, Sex-Arbeit und Gentrifizierung die engagierten Bewohner die nächsten Jahrzehnte beschäftigen, ist er sich sicher. Zur Unterstützung ihrer Arbeit in ihrem Community-Space hoffen die Aktivisten auf Spenden.

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