Karstadt auf der Zeil

Kunden hängen an der Karstadt-Filiale auf der Frankfurter Zeil

„Verarmung der City“ und negative Folgen auch für kleine Läden befürchtet.

In der Karstadt-Filiale auf der Zeil herrscht viel Betrieb – noch. Laut Gewerkschaft Verdi gehört das Kaufhaus zu einem der vier hessischen Standorte von Galeria Karstadt Kaufhof, die von Einsparungen des Unternehmens betroffen sein sollen.

Zwei junge Frauen, die sich als Lea und Zerina vorstellen und die Filiale mit kleinen Tüten verlassen, haben von den Neuigkeiten nichts mitbekommen: „Die Filiale soll schließen?“ Das fänden sie blöd, sagen sie. Vor allem wegen der Schreibwaren- und der Küchenabteilung sowie der Parfümerie kauften sie regelmäßig bei Karstadt ein. Eigentlich, befinden sie aber kurz darauf, sei es egal. Zwischen Karstadt und Kaufhof sehen sie spätestens seit der Fusion der beiden Ketten keinen gravierenden Unterschied.

Ganz anderer Meinung ist Ines Elenaar. „Ich war schon hier einkaufen, als es noch Hertie hieß“, erzählt sie – und dass sie an der Filiale hänge. Sie habe dort gute Erfahrungen mit freundlichem Personal und angemessenen Preisen gemacht. Die Kaufhof-Filiale am anderen Ende der Zeil sei für sie keine Alternative, Fusion hin oder her. Elenaar hätte sich finanzielle Unterstützung durch den Staat für das Unternehmen gewünscht, um es vor Filialschließungen zu bewahren.

„Geschäfte sterben aus“

Ähnlich sieht es ihre Freundin Ingrid Keub: „Ich finde es allerhand“, sagt sie. „Die Geschäfte sterben langsam aus.“ Sie wohne seit mehreren Jahren in der Gegend und gehe immer gerne in die Karstadt-Filiale auf Frankfurts großer Einkaufsstraße. Gegenüber dieser Filiale steht ein Mann mit Blick auf den Eingang. Von weitem ist zu erahnen, dass er auf jemanden wartet, der gerade dort einkauft. Die Vermutung erweist sich als richtig, Hans-Jürgen Berger ist mit seiner Frau unterwegs. Er selbst kann großen Warenhäusern wenig abgewinnen, der Schließung stehe er an sich „emotionslos“ gegenüber.

Laufkundschaft ist nötig

Um die 240 Mitarbeiter tue es ihm leid, außerdem sei die Filiale immerhin ein traditionelles Kaufhaus. Seine Frau kaufe außerdem häufiger dort ein. Trotzdem: „Schlimmer sind die Ladenschließungen insgesamt auf der Zeil“, findet er. Ihm liege viel an kleinen, kundennahen Geschäften, in denen er im Zweifel gerne etwas mehr für Produkt und Service bezahle. Für solche Läden sei besonders der wachsende Erfolg des Versandhandels eine Gefahr.

Gerade für kleine Läden sei die Nähe großer Ketten wichtig, glaubt Norbert Müller. „Die kleineren Geschäfte der Zeil sind auf die Laufkundschaft von Karstadt angewiesen“, sagt er. Viele der Kunden steuerten nach ihrem Einkauf in dem Kaufhaus kleine, spezialisierte Läden an. Deswegen verschlimmere die Schließung der Filiale eine „Verarmung der Innenstadt“. Er selbst wohne etwas weiter weg, suche aber etwa einmal im Monat das Kaufhaus auf.

Bisher steht nicht fest, wann die Filiale schließen soll. Lea und Zerina wünschen sich für danach eine „gute Alternative“ für das Kaufhaus. Es solle wieder ein Geschäft mit vielfältigem Angebot auf verschiedenen Etagen sein, sagen sie. „Das gibt es in Deutschland zu selten.“

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