Kultusminister Lorz (CDU) an der Anne-Frank-Schule. 
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Kultusminister Lorz (CDU) an der Anne-Frank-Schule.  

Schulen

Kultusminister Alexander Lorz besucht Anne-Frank-Schule in Frankfurt

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Die Schüler der Realschule sind froh, dass wieder Präsenzunterricht stattfindet. Die Lehrer richten einige Kritikpunkte an den Minister.

Ilias ist froh, wieder in die Schule gehen zu können. „Zu Hause war es doof, weil wir zu viele Aufgaben bekommen haben“, sagt der Sechstklässler zu Alexander Lorz (CDU). Hessens Kultusminister ist am Freitag zu Besuch in der Anne-Frank-Schule, einer Realschule im Dornbusch, um sich über die Wiederaufnahme des Schulbetriebs zu informieren. Die Schüler der Sekundarstufe I haben seit dem 18. Mai an einzelnen Tagen wieder Präsenzunterricht.

Regeln

Für alle Jahrgänge der Grundschule und der Grundstufen der Förderschule wird der tägliche Präsenzunterricht wiederaufgenommen. Der Vormittag deckt mindestens vier Zeitstunden für die Klassen 1 und 2 sowie fünf Zeitstunden für die Klassen 3 und 4 ab.

Jede Klasse nutzt mit demselben Lehrpersonal einen fest zugewiesenen Raum und bildet eine konstante Lerngruppe. Das Abstandsgebot wird aufgehoben. Gleichwohl gelten  weiterhin die Hygienevorgaben.

Die Schulbesuchspflicht wird bis zu den Sommerferien ausgesetzt. Eltern dürfen selbst entscheiden, ob ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt. 

Lehrer, die 60 Jahre und älter sind, sind künftig nicht mehr automatisch von der Präsenzpflicht freigestellt, sondern brauchen dafür eine ärztliche Bescheinigung. dpa

„Wer hat sich am Anfang gefreut, dass er nicht mehr in die Schule muss?“, fragt Schulleiterin Nicola Gudat in eine Runde von circa 15 Schülern. Alle Schüler melden sich. „Und wer hat sich gefreut, als die Schule wieder losging?“ Wieder melden sich alle. Dass es vor Ort einfacher ist, sich zu konzentrieren und dass ein geregelter Tagesablauf wichtig ist, da sind sich alle anwesenden Schüler einig.

Um die Abstandsregeln einhalten zu können, wurden die Klassen geteilt, sodass sich maximal 15 Schüler in einem Raum aufhalten. Dass dadurch ein besseres Lernklima entstehe, berichten Schüler, Lehrer und Schulleitung übereinstimmend. Doch das langfristig beizubehalten, sei wohl nicht realistisch.

Schüler Rafael will von Alexander Lorz wissen, ob sich auch sein Leben durch Corona verändert habe. „Normalerweise bin ich viel unterwegs, doch in den vergangenen Monaten sind coronabedingt alle Veranstaltungen weggefallen. Trotzdem ist die Arbeit nicht weniger geworden, immer wieder habe ich mich auf neue Situationen einstellen müssen“, antwortet Lorz.

Eine der vielen Maßnahmen ist, dass kein Schüler das Schuljahr wiederholen muss. Dass diese Regel so früh verkündet wurde, kritisiert Deutschlehrerin Frau Grether. Einige Schüler hätten das als Freibrief aufgefasst und zeigten nun dementsprechend wenig Engagement. Kollegin Frau Kuttner hält es für notwendig, Förderlehrer für die schwächeren Schüler einzustellen.

Auch Schulleiterin Gudat äußert einen Kritikpunkt: „Ich würde mir wünschen, dass die Bestimmungen nicht so kurzfristig verkündet werden.“ Jüngstes Beispiel: Sommerferiencamps auf freiwilliger Basis. Das sei eine gute Idee und werde sicherlich auch nachgefragt, sagt Gudat. Allerdings beginnen die Sommerferien in Hessen bereist in zwei Wochen; nähere Informationen zu dem Vorhaben soll es erst nächste Woche geben. Nun müsse sie schauen, wie man das Angebot auf die Schnelle organisieren könne.

Nach den Sommerferien sollen Schulen wieder im Regelbetrieb arbeiten. „Wird es nach den Ferien wieder Unterricht mit 30 Schülern geben?“, will deshalb auch Schülerin Alessia wissen. „Es soll so viel Unterricht wie möglich geben. Allein wegen der Räume und der Verfügbarkeit der Lehrer wird es nicht anders gehen, als dass wir in normalen Klassengrößen arbeiten“, antwortet Lorz. „Aber es wird nicht so sein wie vor Corona.“

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