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Mit dem Kulturticket erhalten Kinder und Jugendliche freien Zugang zu Museen. Das allerdings hängt vom Verdienst der Eltern ab.

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Kulturticket in Frankfurt macht Ausflüge komplizierter

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Erzieher wünschen sich freien Eintritt für Jugendgruppen in sämtliche Einrichtungen.

Die Einführung des Kultur- und Freizeittickets könnte Kindergärten, Schulklassen und Horte vor Probleme stellen. Unter Erziehern werde jedenfalls gerade intensiv über die Folgen diskutiert, wenn einzelne Kinder eine solche Karte haben, andere aber nicht, sagt Markus Drewniak aus dem Schüllerladen Westend im Gespräch mit der FR. Seine Forderung: Kinder- und Jugendgruppen sollten grundsätzlich freien Eintritt in Kultur- und Freizeiteinrichtungen bekommen.

Das Ticket soll im August eingeführt werden. Kinder und Jugendliche erhalten damit freien Eintritt in etwa 30 Museen und den Zoo. Allerdings kann sich nicht jeder eine solche Karte beschaffen. Familien, deren Nettoeinkommen über 4500 Euro liegt, sind von der Regelung ausgenommen.

Drewniak will nicht missverstanden werden: Er findet es durchaus löblich, dass sich die Stadt auf diese Weise für Kinder und Jugendliche einsetzt. In der Praxis kämen aber Schwierigkeiten auf die Jugendeinrichtungen zu. So müsse vor Ausflügen erst einmal festgestellt werden, wer ein Kultur- und Freizeitticket hat. Viele Berechtigte würden vermutlich gar keines beantragen, da sie den bürokratischen Aufwand scheuten und außerdem nicht darlegen wollten, wie hoch ihr Familieneinkommen ist. Wie teuer für eine Einrichtung ein Ausflug wird, hänge also fortan nicht mehr nur davon ab, wie viele Kinder mitkommen, sondern auch davon, welche Kinder es sind.

„Stigmatisierung droht“

Vor Museumsbesuchen müssten die Tickets dann von den Erzieherinnen und Erziehern eingesammelt werden – in der Hoffnung, dass alle Inhaber der Karte das Dokument auch dabei haben. Und schließlich sieht Drewniak die Gefahr der Stigmatisierung. Wer ein Kulturticket hat, mache damit vor der Gruppe deutlich, dass seine Eltern weniger verdienen als die Mütter und Väter der Kinder ohne Ticket.

Das alles seien zwar berechtigte Fragen, sagt Jana Kremin, Sprecherin von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Allein: Für Antworten sei es noch zu früh. Einen grundsätzlich freien Eintritt, wie ihn sich viele Erzieherinnen und Erzieher wünschen, könne es nicht geben. Das Kulturdezernat bemühe sich aber um eine „möglichst einfache und alltagstaugliche Lösung“.

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