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Menschenkette unter dem Motto“ WIR SIND DA – trotz des Lockdowns!“
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Menschenkette unter dem Motto“ WIR SIND DA – trotz des Lockdowns!“

Kulturschaffende

„Wir sind keine graue Masse“

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Bei einer bundesweiten Aktion zeigen Kulturschaffende auch in Frankfurt Gesicht und Zuversicht bei einer Menschenkette mit Abstand. Sie stehen vom Willy-Brandt-Platz bis zur Neuen Mainzer.

Eine eingefrorene Situation. So beschreibt es eine freiberufliche Barockgeigerin aus Frankfurt. Und sie meint damit nicht, dass sie am Montagmittag trotz eisiger Temperaturen schon seit einer Stunde in der Menschenkette steht. Sondern dass sie wie alle anderen Kulturschaffenden gerade nichts an ihrer Situation ändern könne. Ihren Namen mag sie nicht sagen, denn sie sei eben nur eine von vielen Betroffenen.

„Ich fühle mich seit dem zweiten Lockdown wie im Vakuum, aber heute fühle ich mich besser. Denn es bewegt sich mal was, weil wir uns hier als Kulturschaffende untereinander austauschen können, aber auch, weil wir Präsenz zeigen“, sagt sie. Sie ist Teil der Menschenkette, coronakonform ohne Händchenhalten, dafür mit Mindestabstand und Maske. Sie hält wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen eines der vielen bunten Schilder hoch, auf denen zu lesen ist: „Wir sind da!“ Die Menschenkette startet am Willy-Brandt-Platz und verläuft entlang der Gallusanlage bis hin zur Neuen Mainzer Straße. Sie ist Teil eines bundesweiten Aktionstags aller Kulturschaffenden und Kulturinstitute, die der Deutsche Bühnenverein als „ein Zeichen von Zuversicht“, künstlerischer Energie und Verbundenheit mit dem Publikum in die Kommunen senden will.

Solidarität übersteht auch Kälte.

In Frankfurt ist es das Schauspiel, das unter dem Motto „Wir sind da – trotz des Lockdowns“ die Menschenkette initiiert hat. Mit dabei sind auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Alten Oper, des English Theatre, des Ensemble Modern, des Freien Schauspiels bis hin zum Historischen Museum.

Unweit der Menschenkette steht auch Anselm Weber, der Intendant des Schauspiels. Er sagt: „Wir wollen gerade jetzt auch Zuversicht ausstrahlen. Den Kontakt zu unserem Publikum nicht verlieren, denn was sind Schauspieler ohne ihr Publikum?“ Sichtbarkeit sei wichtig, denn schließlich werde zwar jeden Tag im Schauspiel weitergeprobt, aber das geschehe unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Außerdem ginge es darum, Solidarität zu zeigen – eben auch mit der freien Szene. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) betont, sie finde es toll, dass freischaffende und feste Angestellte nebeneinanderstehen, sich solidarisieren.

In der Menschenkette steht auch Christian Reuter, Techniker am Schauspiel. Er sagt: „Ich will doch auch nach dem Lockdown noch die kleinen Theater, Museen, Kinos besuchen können, deshalb wünsche ich mir, dass auch die Solo-Selbstständigen und kleinen Institutionen unterstützt werden.“

Die Barockgeigerin sagt, sie habe sich auch für den Notfallfonds des Frankfurter Kulturdezernats beworben. Ganz ohne Einkünfte sei sie nicht, weil sie noch unterrichte, aber sie wisse nicht, wie es weiterginge, wenn die geplanten Konzerte im Januar 2021 auch ausfallen würden. Katrin Laier, Direktionssekretärin der Komödie, sagt: „Ich bin hierhergekommen, weil es wichtig ist zu zeigen, dass wir keine graue Masse sind, sondern auch die Kulturschaffenden hinter der Bühne ein Gesicht in der Öffentlichkeit bekommen. Eben echte Menschen dahinterstehen.“

Auch Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, ist gekommen. „Es fehlen mir die Argumente, warum Museen weiterhin geschlossen bleiben müssen, aber Galerien, Archive, Bibliotheken weiter geöffnet bleiben dürfen. Wir sind so aufgestellt, dass wir auch nur für einzelne Familien öffnen könnten.“ Nur elf Tage lang hätten sie nach der fulminanten Neueröffnung Publikum reinlassen können.

„Diese Leere tut weh“, betont Wenzel. Und gerade in diesen Krisenzeiten mit aufkommenden Verschwörungsmythen und Antisemitismus hätten sie als Museum eine besondere Funktion, um auch historisches Wissen zu vermitteln. „Aber dafür gibt es jetzt nur noch Netflix. Das ist shocking.“

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