Kultur

Kulturmeile gilt als machbar

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Opernneubau spielt aber bei erstem Treffen von OB und Helaba-Chef keine Rolle.

Offiziell ist das Ganze ein „Nichtthema“. Offiziell haben die Hessische Landesbank (Helaba) und die Stadt Frankfurt nie über die Überlegungen gesprochen, auf dem Grundstück der Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Straße 47-51, ein neues Opernhaus zu bauen. Tatsächlich haben sich der neue Helaba-Vorstandsvorsitzende Thomas Groß und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gerade im Römer getroffen. Beide Seiten haben sich danach auf die Sprachregelung verständigt, die Helaba-Sprecher Marco Pfohl und das OB-Büro identisch mit der Formulierung „Antrittsbesuch“ umschreiben.

Der 54-jährige Groß, der am 1. Juni den Helaba-Vorstandsvorsitz übernommen hat, habe sich eben beim Stadtoberhaupt vorgestellt und mehr gebe es nicht zu sagen, betont Sprecher Pfohl. Beide Seiten sind bemüht, die Aufregung vergessen zu machen, die im Juni die Pläne für eine Frankfurter „Kulturmeile“ ausgelöst hatten. Am 10. Juni hatte Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) die „Kulturmeile“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) vorgestellt und dabei angedeutet, dass die Helaba als zentraler Dienstleister der Sparkassen ihre Zustimmung signalisiert habe. Tatsächlich hatte Planungsdezernent Mike Josef (SPD), wie er freimütig bekannte, zuvor erfolgversprechende Gespräche mit einem Helaba-Vorstandsmitglied geführt.

Das Dumme war nur: Beide Seiten hatten die betroffene Frankfurter Sparkasse offenbar nicht informiert. Auf dem Grundstück Neue Mainzer Straße 47-51 liegt aber die Zentrale der Sparkasse. Deshalb gab es dort heftige Reaktionen. Der Vorstand der Sparkasse versicherte den Mitarbeitern, man wisse von nichts und hänge mit ganzem Herzen an der Zentrale. Seither haben die Helaba und die Stadt ein Problem. Denn tatsächlich ist die Helaba der Vorstellung nicht abgeneigt, auf dem Areal an der Neuen Mainzer könne ein Büroturm von 200 Metern entstehen, in dessen Basis dann eben ein schönes Opernhaus liege.

Intern grünes Licht

Aber über all das werden der Oberbürgermeister und der neue Helaba-Vorstandschef jetzt sicherlich nicht gesprochen haben. Eher über ihre Urlaubspläne und andere positive Perspektiven. Die städtische Stabsstelle zur Zukunft der Bühnen hat den Bau einer Oper auf dem Areal Neue Mainzer Straße untersucht und intern grünes Licht gegeben: alles machbar! Die „Kulturmeile“ ist jetzt offiziell eine von fünf Varianten für den Neubau von Oper und Schauspiel, die geprüft werden.

Parallel treibt die Stabsstelle bereits die Vorbereitungen für einen internationalen Architekturwettbewerb voran. Er soll ausgeschrieben werden, sobald sich die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen auf eine Neubauvariante für die Städtischen Bühnen verständigt hat. Die Fachleute denken an einen zweistufigen Wettbewerb: Zunächst eine Sammlung von städtebaulichen Entwürfen, bevor es dann an die konkrete Architektur geht. Weil der Neubau der Bühnen ja das internationale Aushängeschild der Kulturstadt Frankfurt im kommenden Jahrzehnt werden soll, will man auch von vorneherein namhafte Architekturbüros aus aller Welt zur Teilnahme einladen.

Falls die Römer-Koalition sich nach der Kommunalwahl im März 2021 auf die Variante „Kulturmeile“ verständigt, wird allerdings irgendjemand der Frankfurter Sparkasse Bescheid sagen müssen.

Kommentare