Daniel Nicolai leitet das English Theatre, das dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert.
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Daniel Nicolai leitet das English Theatre, das dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert.

Kritik

„Kulturmeile“ Frankfurt: Planung ohne das English Theatre

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Zur Frankfurter „Kulturmeile“ müsse auch das English Theatre gehören, findet der Intendant Daniel Nicolai. Doch in den Plänen des Kulturdezernats kommt sein Haus bisher gar nicht vor.

Die Idee einer Kulturmeile zwischen Main und Alter Oper findet auch Daniel Nicolai, Intendant des English Theatre Frankfurt (ETF) in der Gallusanlage, „klasse“, wie er im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau betont. „Wir lägen ja direkt gegenüber“, sagt er. „Bravo, endlich eine Vision und eine starke Meinung!“

Doch in den Plänen, die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) in der vergangenen Woche vorstellte, kommt das größte englischsprachige Theater auf dem europäischen Festland bisher überhaupt nicht vor. Dabei gäbe es durchaus eine gewisse Dringlichkeit, über die Zukunft des Theaters zu sprechen: In zweieinhalb Jahren zieht die Commerzbank aus dem inzwischen verkauften Gallileo-Hochhaus aus, die bisher als Hauptsponsor die Miete samt Nebenkosten für die Kellerräume übernommen hat.

Dann endet nach bisherigem Stand auch der Mietvertrag – und wer sich auch nur ein wenig mit Theaterräumen auskennt, weiß, wie schwierig und langwierig sich die Suche nach einem neuen geeigneten Standort gestalten würde. Zwar habe auch der neue Immobilienbesitzer durchaus ein Interesse am Erhalt des Theaterstandorts signalisiert, sagt Nicolai. Doch unterschrieben ist noch nichts, und eine Miete dürfte künftig schon fällig werden.

Dass die „Kulturmeilen“-Pläne das als gemeinnützige Körperschaft privat geführte English Theatre bisher ignorieren, hat nun den ehrenamtlichen Vorstand, die EZB-Pressesprecherin Christine Graeff, den Juristen Steffen Paulmann und den Börsenexperten Rainer Riess, dazu veranlasst, Hartwig einen – nicht öffentlichen – Brandbrief zu schreiben und darauf hinzuweisen, dass das Angebot des ETF nicht selbstverständlich sei.

Auch Nicolai hat im Namen aller Mitarbeiter einen Brief an die Kulturdezernentin geschickt, in dem er darauf verweist, dass das Theater rund 70 000 Besucher im Jahr hat, davon ein Drittel Schüler und Studenten. Den überwiegenden Teil seiner Unkosten müsse es über Kartenverkäufe einspielen, was in Corona-Zeiten zu einer empfindlichen Lücke im Budget geführt habe.

Er mache sich inzwischen Sorgen, sagt Nicolai. Seit Hartwigs Amtsantritt habe das ETF versucht klarzumachen, dass die Spielstätte am 1. Januar 2023 wegfallen könnte. Bisher habe es aber keinerlei verbindliche Aussage dazu vonseiten der Kulturdezernentin gegeben. Jetzt reagierte das Dezernat aber offensichtlich. Der Vorstand und er hätten ein Gesprächsangebot erhalten, sagt Nicolai. „Wenn wir gut zusammenarbeiten, gewinnen Frankfurt und die Kultur.“

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