Kulturdezernentin Ina Hartwig.
+
Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Römer

„Kulturmeile“ Frankfurt: Dezernentin Hartwig umwirbt die Grünen

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Die Fraktionen im Frankfurter Römer beraten heute über das Konzept „Kulturmeile“ der Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Bei den Grünen gehen die Meinungen auseinander.

Am heutigen Mittwoch kommt es im Römer zur politischen Nagelprobe über die Zukunft der Städtischen Bühnen. Die Fraktionen von CDU und Grünen beraten am Abend über das Konzept für eine künftige „Kulturmeile“, das Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) in der vorigen Woche präsentiert hatte. Demnach soll eine neue Oper auf dem Grundstück Neue Mainzer Straße 47–51 gebaut werden, das der Frankfurter Sparkasse gehört. Ein neues Schauspiel entstünde auf dem heutigen Areal der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz, aber am östlichen Rand des Geländes (siehe Karte).

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) warb im Vorfeld um die Zustimmung insbesondere der Grünen. Sie sagte im Gespräch mit der FR, dass sie einem „Einrücken“ der neuen Oper in die geschützten grünen Wallanlagen nicht zustimmen werde. Hartwig hat Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) alle Unterlagen zur Kulturmeile zur Verfügung gestellt.

Bei den Grünen gehen die Meinungen zu dem städtebaulichen Konzept im Vorfeld der heutigen Fraktionssitzung aber auseinander. Es gibt Stimmen, die sich strikt gegen jeden Eingriff in die Wallanlagen aussprechen. Der Fraktionsvorsitzende Sebastian Popp, der auch kulturpolitischer Sprecher ist, gilt als Befürworter einer sogenannten „Spiegellösung“. Demzufolge entstünde ein neues Schauspielhaus am Willy-Brandt-Platz gegenüber dem heutigen Opernhaus auf dem Grundstück, auf dem heute das Eurozeichen steht. Das Opernhaus würde dann auf seiner Fläche neu gebaut werden.

Den Zugewinn für die grünen Wallanlagen durch die „Kulturmeile“ bezifferte Hartwig insgesamt auf 3500 Quadratmeter, während der Architekt Christoph Mäckler in seiner städtebaulichen Studie sogar von 5000 Quadratmetern spricht (siehe Interview). Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, begrüßte es, „dass es jetzt überhaupt mal einen Vorschlag der Dezernentin gibt“. Dürbeck sprach von einem „interessanten Vorschlag“, verwies aber auf das Konzept der CDU, die Bühnen insgesamt auf dem Grundstück Mayfarthstraße 14 am Osthafen neu zu bauen.

In der CDU-Fraktion geht man nicht davon aus, dass es noch vor der Kommunalwahl im Frühjahr 2021 in der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen eine Verständigung über einen Standort für den Bühnenneubau geben wird. Im Geschäftsgang im Römer befindet sich eine Vorlage der Kulturdezernentin, die eine Prüfung von fünf Standortvarianten vorsieht. Neben der Kulturmeile und der „Spiegellösung“ wäre das ein kompletter Neubau von Oper und Schauspiel auf ihrem heutigen Grundstück. Außerdem wird ein Neubau des Schauspiels am Opernplatz schräg gegenüber der Alten Oper geprüft, während die Oper neu am Willy-Brandt-Platz entstünde. Variante fünf schließlich ist der von der CDU gewollte komplette Neubau der Bühnen im Osthafen auf dem Grundstück Mayfarthstraße 14.

Angesichts der langwierigen und politisch verfahrenen Diskussion mehren sich die Zweifel der Fachleute, dass der Betrieb der technisch maroden Theaterdoppelanlage noch lange genug aufrechterhalten werden kann. Garantiert sei das nur bis 2022. Käme es nach der Kommunalwahl 2021 zu einer politischen Einigung über einen Neubau, müsste als Nächstes ein internationaler Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Nach Berechnung der Experten wäre der frühestens Ende 2021 entschieden. Dann müsste sich die Stadtregierung 2022 über eine Bau- und Finanzierungsvorlage einigen. Frühestens 2023 könnte ein Neubau beginnen, wobei das Opernhaus nach allgemeiner Einschätzung Priorität genießen würde. Frühestens 2028 könnte nach Einschätzung der Fachleute die neue Oper bezugsfertig sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare