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Roland Sautner ist Sprecher des Kulturkreises. 

Praunheim

Frankfurt: Kulturkreis Westhausen muss im Freien rezitieren

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Die Stadt erteilt der Gedenkveranstaltung für den Widerstandskämpfer in der Liebigschule eine Absage. Der Kulturkreis plagt sich seit zwei Jahren ohne Räume.

Der Kulturkreis Westhausen hat ein massives Problem: Keine Räume für Lesungen, Ausstellungen und Vorträge. Darum haben die Mitglieder am kommenden Sonntag, 17. November, 11 Uhr, ihre Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag und für die Widerstandskämpfer von Westhausen mit Ansprachen, Gedichten und Liedern kurzerhand ins Freie verlegt. Auf den Friedhof Westhausen, Kollwitzstraße 27.

Der Kulturkreis gedenkt Albrecht Ege, Johanna Kirchner, Josef Wirmer, den Geschwistern Scholl, Stephan Heise, Ludwig Landmann und Käthe Kollwitz. Carola Moritz vom Kulturhaus Frankfurt rezitiert Gedichte und singt Lieder aus der Zeit des Widerstandes. Die Mitglieder legen einen Kranz am Mahnmal von Albrecht Ege nieder.

Eigentlich sollte die Feier dazu nicht im Regen stehen. Im Jubiläumsjahr des Bauhauses und in Erinnerung an den Kampf der Westhausener für die neue Neubenennung ihrer Siedlungsstraßen nach dem Krieg, hat der Kulturkreis eine Ausstellung erarbeitet und eine Broschüre vorgelegt, die einen Teil der Siedlungsgeschichte widerspiegeln. Broschüre und Ausstellung wollte man ursprünglich am Sonntag in der Aula der Liebigschule präsentieren. Das hat die Stadt aber nicht genehmigt. Mangels Hausmeister findet sich niemand, der das Gebäude auf- und abschließt.

Seit zwei Jahren schon plagt sich der Kulturkreis ohne eigene Räume durchs Leben. Nachdem die evangelische Kirchengemeinde Hausen ihr neues Gemeindezentrum eröffnet hatte, hat sie den kleinen Treff in der Siedlung Westhausen an der Kollwitzstraße geschlossen. Eine Zäsur, nicht nur für den Kulturkreis.

Seit Jahren ohne Räume

Nach der Schließung des einstigen Bürgertreffs 2008 war das Gemeindehaus in der Siedlung der letzte verbliebene Ort für Versammlungen von Vereinen, Initiativen oder für Familienfeiern. Jahrelang hatte der Kulturkreis zu Kindertheater, Ausstellungen, Vorträgen oder zum Abschluss des traditionellen Nikolausumzugs in den Treff eingeladen.

Das Grundstück ist dem Evangelischen Regionalverband zur Vermarktung übertragen. Viel passiert scheint in den zwei Jahren nicht zu sein. Schon Monate vor der Schließung hatte der Ortsbeirat 7 die Stadt gebeten, sich um eine Lösung zu kümmern, damit das Areal weiterhin für „Gemeinbedarf“ genutzt wird. Immerhin ist es planungsrechtlich dafür ausgewiesen.

Im April hat das Gremium nochmals dafür votiert, dass die Stadt die Fläche kaufen und einen Bürgertreff dort ermöglichen soll. Vorstellbar war für den Ortsbeirat auch, das Grundstück in Erbpacht an einen anderen Träger etwa für den Betrieb einer Kindertagesstätte zu vergeben. Vorausgesetzt, dass auch in dem Fall Räume für einen Bürgertreff entstehen.

„Wir sind in Verhandlungen mit dem Evangelischen Regionalverband“, berichtet Günter Murr dazu, Sprecher des Baudezernats. Der Gemeindetreff in Westhausen sei „Bestandteil eines größeren Pakets zum Erwerb ehemals kirchlicher Grundstücke“. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen sei, sei „schlecht abzuschätzen“.

Prinzipiell sei es aber Kern des Kita-Neubaukonzepts, diese dort, wo es möglich ist, mit multifunktionalen Räumen auszustatten, um die Einrichtungen für die Stadtteile zu öffnen. „Aber wir müssen schauen, wo das überhaupt geht“, betonte der Sprecher.

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