Kommentar

Kultur in Frankfurt besser schützen

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Für junge Menschen ist eine breite Clubszene von zentraler Bedeutung. Doch für ihren Erhalt braucht es mehr als einen Impfstoff gegen Covid-19. Ein Kommentar.

Der biblische König David hat zu Ehren seines Gottes nicht nur die Hände gefaltet und gebetet. Sondern er hat zuweilen auch alle Glieder geschüttelt und wild getanzt. Verbrieft ist das im Buch Samuel – oder für die Jugend im Hollywood-Klassiker Footloose. Junge Menschen haben Hummeln im Hintern. Sie müssen tanzen, sich treffen, flirten, in unterschiedlichen subkulturellen Milieus an ihrer Identitätsfindung arbeiten. Derzeit fällt das besonders auf, da sie sich verstärkt in der Öffentlichkeit lümmeln, in Parks, auf Plätzen. Selbst die Polizei bittet um Nachsicht: Wo sollen sie sonst hin? Die Clubs, die sonst Raum für Lebensfreude bieten, die auch den Lärm etwas hinter dicken Mauern verstecken, haben geschlossen. Es ist allerdings nicht nur die Pandemie, die das Angebot ausdünnt. Die Mietpreise für Gewerbeimmobilien sind für Clubbetreiber ebenso tödlich. Dazu kommen Konflikte mit ruhebedürftigen Nachbarn. Es braucht also mehr als einen Impfstoff, um die darbende Clubszene zu retten: ihre Anerkennung als schützenswertes Kulturgut. Und eine Debatte darüber, wie wir Kultur vom Diktat der kapitalistischen Verwertung befreien.

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