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Am Montagnachmittag wurden die Texte modifiziert.

Schirn

Kuhnerts Rolle im Kolonialismus beleuchtet

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Der Schirn-Direktor ändert die Texte in der Ausstellung "König der Tiere".

Der Direktor der Kunsthalle Schirn, Philipp Demandt, hat an den Wandtexten der Ausstellung „König der Tiere“ Korrekturen vorgenommen. Die Schau zeigt Bilder des deutschen Malers Wilhelm Kuhnert, der ausgangs des 19. Jahrhunderts mehrfach die damalige deutsche Kolonie Ostafrika bereist hatte. Dabei entstanden zahlreiche Gemälde der heimatlichen Tierwelt.

Demandt ist auch Kurator der Ausstellung. Er hatte Kuhnert bereits 2015 in der Alten Nationalgalerie in Berlin gewürdigt, deren Direktor er damals war. Besucher der Frankfurter Ausstellung hatten sich entsetzt darüber gezeigt, wie wenig in den Wandtexten und der Beschriftung der Bilder vom deutschen Kolonialsystem und seinen Greueltaten die Rede war.

Hier hat Demandt nun Änderungen verwirklicht. Eingefügte Passagen weisen deutlich auf die zweifelhafte Rolle des Künstlers Kuhnert hin. Er nahm an den deutschen Militäraktionen gegen die Zivilbevölkerung teil, bei denen Hunderttausende von Menschen getötet wurden und wurde dafür sogar ausgezeichnet.

Bereits in der Einführung heißt es nun ergänzend: „Kuhnert war in doppelter Hinsicht Nutznießer des Kolonialismus. So profitierte er auf seinen Reisen von der kolonialen Infrastruktur aus Routen, Militär- und Missionsstationen. Durch die Propagierung der Kolonien in pro-kolonialen Zeitschriften und Kolonialausstellungen entstand in Deutschland ein großer Markt für seine Bilder.“

Die Einheimischen in der Kolonie Deutsch-Ostafrika hatten sich 1905 gegen Zwangsarbeit und erhöhte Steuern gewehrt. Das deutsche Militär schlug die Proteste im sogenannten „Maji-Maji-Krieg“ blutig nieder, allein dabei starben 200 000 Menschen. Der Künstler Kuhnert hatte sich an der sogenannten „Schlacht von Mahenge“ beteiligt und sie auch gemalt. Ein Bild ist in der Ausstellung zu sehen, ebenso die Zeichnung eines Gehängten, den der deutsche Reichskommissar Carl Peters hatte hinrichten lassen.

Im Kapitel „Kuhnert und Deutsch-Ostafrika“ ließ Schirn-Direktor Demandt jetzt unter anderem die Sätze einfügen: „Kuhnert war Nutznießer und Befürworter des deutschen Kolonialismus. Zwar kritisiert er in seinen Tagebüchern die Verwaltung der Kolonien, bezweifelt aber nicht deren Rechtsmäßigkeit.“

Kuhnert lieferte Bilder für die populärwissenschaftliche Enzyklopädie „Brehms Tierleben“ ebenso wie für Schokoladenverpackungen. Dadurch wurde er in Deutschland um die Jahrhundertwende sehr bekannt.

Im Kapitel „Kuhnert und das Bild von Afrika“ ergänzte Demandt die Sätze: „Damit wurden seine Darstellungen nicht nur in Ausstellungen gezeigt, sondern hielten auch Einzug in bürgerliche Wohnzimmer und deutsche Klassenzimmer. Das Bild, das Kuhnert von der Kolonie Deutsch-Ostafrika zeichnete, ist ein romantisch-verklärtes, das den afrikanischen Kontinent auf ein scheinbar menschenleeres Naturparadies reduziert.“ Auch verändert wurden Beschriftungen einzelner Werke. Unverändert blieben der begleitende Katalog und der Audio-Guide zur Ausstellung.

Schirn-Sprecherin Pamela Rohde wies auf die Bedeutung der öffentlichen Führungen hin, die wichtige zusätzliche Informationen lieferten. In jeder Woche

sind fünf Führungen vorgesehen: dienstags 15 Uhr, mittwochs 20 Uhr, donnerstags 19 Uhr, samstags 15 Uhr und sonntags um 17 Uhr.

Die Ausstellung „Wilhelm Kuhnert zum 150. Geburtstag“, die Demandt 2015 in der Alten Nationalgalerie in Berlin gezeigt hatte, war wesentlich kleiner als die Schau in Frankfurt. Sie umfasste lediglich 32 Zeichnungen und drei Gemälde.

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