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Die Frankfurter Künstlerin Cornelia Heier stellt von Anfang/Mitte August an ihre Kunstwerke im öffentlichen Raum an Litfaßsäulen, Bauwänden etc. aus.

Porträt

Künstlerin macht Frankfurt zur Galerie

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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Porträts statt Werbung: Die Künstlerin Cornelia F CH Heier zeigt Porträts von Prominenten auf Plakattafeln.

wer in den kommenden Wochen mit aufmerksamen Augen durch Frankfurt läuft, wird sie an Litfaßsäulen und Werbetafeln sehen: Schwarz-Weiß-Porträts von Prominenten wie der US-Schauspielerin Jane Fonda oder dem französischen Schauspieler Jean-Paul Belmondo, aber auch solche von zweifelhaften Politikern und Despoten wie dem chinesischen Machthaber Xi Jinping oder dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. Die Frankfurter Künstlerin Cornelia F CH Heier macht mit ihrer Ausstellung „Signalement Quiproquo“ die Stadt zu einer Galerie, um Kunst für Menschen zugänglich zu machen, die nicht unbedingt Museen oder Salons besuchen.

„Für meine Porträts suche ich bedeutende Menschen aus, die mir in den Medien im positiven wie im negativen Sinn aufgefallen sind“, sagt Heier und zeigt im Ostend in ihrem Atelier im Kunst- und Kulturbunker an der Schmickstraße einige der 90 Motive, die im August und September im Stadtgebiet zu sehen sein werden. Der 2013 gestorbene Unternehmer Peter Dussmann ist darunter, der aus einem Haushaltsservice für Junggesellen einen Dienstleistungskonzern machte, und Franziska van Almsick, eine der erfolgreichsten Schwimmerinnen Deutschlands.

Wie der Titel „Signalement“ verrät, beschränken sich ihre stark reduzierten Porträts auf die markanten Charakteristika der Dargestellten. Die Bilder müssen Aufmerksamkeit erregen und schnell zu entschlüsseln sein. Passanten müssen die Prominenten im Vorbeigehen erkennen und das Wesen der Porträtierten erfassen können. Keine einfache Sache, wie die Künstlerin am Beispiel von Kim Jong-un erläutert. „Sein Gesicht zeigt eine seltsame Mischung aus Arroganz und Kindlichkeit. Die muss sich im Bild widerspiegeln.“

Manchmal gruselt sie sich

Dazu studiert Heier, die Mitglied im Kunstverein Eulengasse ist, Pressefotos von Prominenten, und bei manchen gruselt es sie dabei so sehr, wie sie sagt, dass sie sie nicht in ihren Porträtzyklus aufnimmt. Der durch die Corona-Krise irrlichternde US-Präsident Donald Trump sei so ein Fall. „Da zeigt sich so viel Irrsinn, damit will ich mich optisch für längere Zeit nicht beschäftigen müssen“, sagt die 57-Jährige.

Viel lieber porträtiert sie starke Frauen, von denen es in ihrer Open-Air-Ausstellung gleich eine ganze Reihe gibt: die erfolgreiche Unternehmerin Beate Uhse, beispielsweise, die, so Heier, im vergangenen Jahrhundert zu einem freieren Umgang mit Sexualität beigetragen habe. Und die Frankfurter Bildhauerin E. R. Nele, Tochter des Documenta-Gründers Arnold Bode, die auch im Alter von 88 Jahren durch ihre Arbeit und Souveränität ein Vorbild für viele Künstlerinnen sei.

Dass sie ihre Bilder an den Straßen der Stadt zeigt, ist keine Folge der Pandemie und der mit ihr einhergehenden Hygieneregeln. Heier beschäftigt sich bereits seit 1998 mit Kunst im öffentlichen Raum. Vielen Frankfurtern ist sie durch die Skulptur „Liebe“ bekannt, einem mobilen Werk, das das Wort in großen dreidimensionalen Buchstaben darstellte, die nach den Proportionen der Künstlerin geformt worden waren. Sechs Jahre stand es am Ende der Friedberger Anlage. Soireen und Lesungen fanden darum herum statt, bevor es schließlich im Dezember 2018 bei einer Performance demontiert wurde.

Die erste Signalement-Ausstellung von Heier war 2002 im Stadtgebiet zu sehen. Alle zwei bis drei Jahre gibt es eine Neuauflage, immer in den Sommermonaten. Und das hat einen Grund. Die Firma Stroer, zuständig für die Außenwerbeflächen in Frankfurt, stellt ihr in dieser auf dem Werbemarkt ruhigeren Zeit Flächen an Litfaßsäulen, Werbetafeln sowie Plakatwänden in U- und S-Bahnhöfen zur Verfügung. Finanzielle Unterstützung kommt zudem vom Kulturamt. Die 57-Jährige freut sich über das Bekenntnis der Stadt zur Kunst im öffentlichen Raum. Dies sei eine Ermutigung für Künstler, ihre Objekte und Skulpturen auch außerhalb von Galerien zu zeigen.

Krise bisher gut überstanden

Die Corona-Krise hat Heier bislang gut überstanden. Während des Shutdowns war sie mit den Vorbereitungen für die Signalement-Ausstellung beschäftigt. Und was sie besonders freut: Die Künstlerinnen und Künstler des Kunstvereins Eulengasse konnten im Mai in Athen auf einer Messe ausstellen, wenn auch nur virtuell. Im neuen Schuljahr wird sie als Schul-Künstlerin an der IGS 15, einer Schule in Höchst, arbeiten.

Gleichwohl haben sich die durch die Pandemie hervorgerufenen Erschütterungen auch im Titel der diesjährigen Signalement-Ausstellung niedergeschlagen. „Quiproquo“ lautet er, ein Begriff, der die Verwechslung von Personen bezeichnet und die Situation, die aus diesem Missverständnis entsteht. „In dieser Zeit ist so vieles unsicher geworden“, sagt sie. Und letztlich lasse sich am Gesicht nicht genau ablesen, was genau der Charakter eines Menschen sei. Despoten könnten freundlich aussehen, auch wenn sie grausam seien.

Auf jeden Fall hofft sie, dass vielen Frankfurtern die Porträts auffallen, die im Stadtgebiet zu sehen sein werden. „Bei den vergangenen Ausstellungen habe ich Fotos von Orten, an denen sie hingen, zugeschickt bekommen“, sagt Heier. Sie kenne nicht die Standort aller Bilder. Deshalb stolpere auch sie manchmal über ihre eigenen Werke.

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