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Künstleraktion gegen Flüchtlingspolitik

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Die Aufnahme vom 02.02.2017 zeigt eine von den beiden Frankfurter Künstlern Oguz Sen und Justus Becker geschaffene moderne Interpretation des Gemäldes «Floß der Medusa» des französischen Malers Théodore Géricault.
Die Aufnahme vom 02.02.2017 zeigt eine von den beiden Frankfurter Künstlern Oguz Sen und Justus Becker geschaffene moderne Interpretation des Gemäldes «Floß der Medusa» des französischen Malers Théodore Géricault. © Sen und Becker (Alex Kraus/Sen und Becker)

Mit dem Wandbild eines toten syrischen Jungen erregen zwei Frankfurter Künstler Aufsehen. Jetzt haben sie von Géricaults Schiffbrüchigen eine moderne Version geschaffen. Und würden ihr Werk gerne in Berlin sehen.

Mit einem monumentalen Gemälde von verzweifelten Schiffbrüchigen hat der französische Romantiker Théodore Géricault (1791-1824) vor zwei Jahrhunderten in Paris für Aufsehen gesorgt. Jetzt wollen Oguz Sen und Justus Becker mit einer modernen Interpretation vom „Floß der Medusa“ ein Zeichen gegen die EU-Flüchtlingspolitik setzen. Die beiden Frankfurter Künstler haben ihr Bild dem Bundestag als Dauerleihgabe angeboten. Unterstützung finden sie bei der Linken-Parteichefin Katja Kipping.

Die Maler lehnen sich mit ihrer neuen Version, die ebenfalls das Großformat von sieben auf fünf Metern hat, eng an das berühmte Original an. Géricault hatte das Bild 1819 zu einer Ausstellung im Pariser Salon eingereicht - die Empörung war groß. Denn das Historiengemälde zeigt nicht nur realistisch und drastisch den Überlebenskampf der Schiffbrüchigen, Kannibalismus inklusive. Mit der Tragödie machte Géricault zugleich einen staatlich vertuschten Skandal publik.

Die Fregatte „Medusa“ erlitt 1816 vor der Küste des Senegal Schiffbruch. Die Rettungsboote blieben vor allem Offizieren und Kolonialbeamten nebst Familien vorbehalten. Für den Rest der Besatzung wurde ein Floß gezimmert. Von 149 Schiffbrüchigen überlebten letztlich nur 15, als das Gefährt auf dem Meer von einem Schiff gesichtet wurde. Fünf weitere starben dann an Land.

Sen und Becker haben in ihrem mit Acrylfarben gemalten Bild wenig an Géricaults Dynamik geändert. Doch die Schiffbrüchigen tragen jetzt Digitaluhren und haben Handys. Darunter sind auch Schwarze und kopftuchtragende Frauen mit Kindern. Im Meer schwimmen Plastikflaschen und eine Cola-Dose.

Derzeit rede kaum noch einer über die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, obwohl täglich Boote unterwegs seien, kritisiert Sen. „Die Verantwortlichen müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden“, fordert er.

Die Frankfurter Aktionskünstler sind keineswegs die ersten, die sich von Géricaults Meisterwerk haben inspirieren lassen. Das Frankfurter Städel zeigte schon 2009 eine Ausstellung des deutschen Künstlers Dierk Schmidt, der sich in einem komplexen Bildzyklus über die 2001 vor Australien ertrunkenen „Boat People“ auf die „Medusa“ bezogen hat.

Im Vergleich dazu ist die Arbeit von Sen und Becker sehr plakativ - damit haben sie auch Erfahrung. Im vergangenen Jahr erregten sie im Frankfurter Osthafen nahe der Europäischen Zentralbank mit einem großen Wandbild (Mural) vom toten syrischen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi Aufsehen. Aylans Leiche war an den Strand von Bodrum in der Türkei gespült worden. Das Foto ging damals um die Welt.

Das „Floß der Medusa II“ steht nun verpackt in einer Lagerhalle in Offenbach - und wartet auf den Abtransport. Neben dem Bundestag würde Sen das Werk gerne auch zum EU-Parlament nach Brüssel transportieren.

In Berlin haben die beiden Künstler Linken-Chefin Kipping als Fürsprecherin gewonnen. Sie hat sich in einem Flüchtlings-Buch ebenfalls mit Géricaults Gemälde beschäftigt. Der Bundestag könne mit der „Medusa II“ ein „bleibendes Zeichen gegen das Vergessen“ setzen, schreibt die Abgeordnete in einem Brief an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Dieser will nach Angaben der beiden Künstler im Juni über die Dauerleihgabe entscheiden. (dpa)

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