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Der Angeklagte Franco A.  im Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt.
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Der Angeklagte Franco A. im Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt.

Oberlandesgericht Frankfurt

Kryptische Notizen in der Wohnung von Franco A.

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Der angeklagte Bundeswehroffizier Franco A. erlebt vor dem Oberlandesgericht Frankfurt ein Holocaustleugner-Desaster.

Frankfurt - Seit Beginn des Prozesses gegen ihn präsentiert sich der Bundeswehroffizier Franco A. vor dem Oberlandesgericht als etwas doofe, aber eher friedliche Nuss und Freund aller Menschen. Letztlich habe nur der freie Flug seiner Gedanken und sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn dafür gesorgt, dass er in diesem Schlamassel gelandet sei. Die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, den Kernpunkt der Anklage, leugnet er ebenso hartnäckig wie eine vermutete rechtsradikale Gesinnung.

Franco A. erklärt sich

Am Dienstagvormittag (15.06.2021) soll Franco A. nun einige Notizen erklären, die er sich gemacht hatte und die bei der Durchsuchung seiner Wohnung gefunden worden waren. Das funktioniert anfangs schlecht, dann gar nicht mehr und endet im Desaster.

Notiz: „Leute bringt man heute mit Musik auf die Straße – und da kommt Xavier ins Spiel.“ Erklärung: Bei Kamerad Naidoo handele es sich um einen „guten Musiker“.

Notiz: „Wenn wir noch länger warten, dann haben sie Roboter, und dann ist es sogar egal, ob wir die Menschen noch für uns gewinnen können.“ Erklärung: Da habe er wohl einen wirren Science-Fiction-Film verarbeitet, den er vorher gesehen habe, wenn er sich recht erinnere „Star Wars und die Klonkrieger“ oder so ähnlich.

Richter Koller hat mit Franco A. die Faxen dicke

Notiz: „Claudia Roth. Leute wie ihr saugt unser Volk aus. Das müsst ihr bezahlen. Römische Verderbtheit.“ Erklärung: Claudia Roth habe mal, habe er mal gehört, „Deutschland verrecke, du mieses Stück Scheiße“ gesagt. Das gehöre sich nicht.

Notiz: „Gruppe Antifa: Granate von Asylant werfen lassen, dann filmen.“ Erklärung: Seit seiner Schulzeit sei er sehr interessiert an Filmen (siehe „Star Wars und die Klonkrieger“, Anm. d. Red.). Diese packende Actionszene sei ihm spontan in den Sinn gekommen, und er habe sich Gedanken gemacht, wie man die „theatralisch ins-zenieren“ könne.

Notiz: „Rothschild-Stein in Ffm sprengen.“ Erklärung: Das könne er sich selbst nicht mehr erklären, vor allem da „die Familie Rothschild für mich in erster Linie eine deutsche Familie ist“.

Notiz: „Wenn Frau Haverbeck ins Gefängnis, dann Befreiungsaktion.“

Will Franco A. Holocaust-Leugnerin Haverbeck potentiell befreien?

Jetzt hat der Vorsitzende Richter Christoph Koller, der durch seine unaufgeregte und kluge Verhandlungsführung längst zum Publikumsliebling dieses Prozesses geworden ist, die Faxen dicke. „Wer ist denn diese Frau Haverbeck?“, fragt der Vorsitzende des Staatsschutzsenats und tut so, als habe er noch nie von der notorischen Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck gehört, die sich beharrlich bis in den Knast geleugnet hat. „Das ist eine alte Frau, die zum Holocaust eine eigene Ansicht hat“, gibt Franco A. gerne Auskunft. „Also eine Holocaustleugnerin?“, flötet Koller immer noch scheinfreundlich.

Das könne man so sehen, wenn man unbedingt wolle, sagt A.; die Dame vertrete eben eine vom Mainstream „abweichende Meinung“. Aber historische Tatsachen ließen sich doch schwer wegleugnen, sagt Koller, und so langsam merkt selbst Franco A., dass man ihn aufs Eis gelockt hat und dieses gerade krachend einbricht. Ja schon, stammelt er, aber man müsse doch über alles diskutieren dürfen. Napoleons Feldzüge etwa seien ja auch eine historische Tatsache, und dennoch müsse es doch erlaubt sein, darüber zu streiten, „ob Napoleon so rum oder so rum flankiert angegriffen hat“.

Franco A.: Richter Koller beendet den Verhandlungstag

Nach diesem aufschlussreichen Statement beendet Koller den Verhandlungstag. Franco A. muss auch nicht mehr erklären, ob er mit den in seinem Notizbuch vermerkten „jüd. Schlägertrupps“ vielleicht Halbstarke aus Jütland meinte und sich bloß verschrieben hat. Und auch die von ihm notierte „secret relationship between blacks and jews“ bedarf keiner Übersetzung ins Reichsdeutsche mehr.

Am Ende ist es genau so, wie Franco A. in einem seiner lichteren Momente dem Notizbuch anvertraut hat: „Die Wahrheit ist ja da. Sie muss nicht erst gemacht, sondern begreifbar in Worte gefasst werden.“ (Stefan Behr)

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