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Clara (8) und Mael (4) betrachten Kröten, die Christian Haak (BUND Ortsverband West) in der Hand hält.

Nied

Kröten-Schau im Niedwald

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Seit zwei Jahren lockt der BUND laichende Lurche weg vom gefährlichen Weg über die Straße

Leise quietscht das Erdkröten-Männchen, als Christian Haak seinen Rücken berührt. Kein Wunder: Der Lurch sitzt auf einem Weibchen, bereit zum Laichen. „Er denkt, ein anderer Mann will mir mein Weibchen streitig machen“, sagt Haak. Aus einem Käfig, in einem Tümpel des Niedwaldes, hat das Mitglied der Ortsgruppe West des Frankfurter BUND, das olivgrüne Krötenpärchen geholt.

Mit Regenhose und Gummistiefeln ist Haak am Samstag in das knietiefe Wasser gewatet, um rund einem Dutzend Zuschauern am Ufer zu zeigen, was sich bei dem „Freilandexperiment Krötenumzug“ getan hat. „Oh, sind die groß“, ruft Nadine Iasnogorodski, als sie das Kröten-Pärchen in Haaks Hand sieht. Ihre Kinder Clara (8) und Mael (4) stehen staunend daneben. „Wir haben hier schon öfter Mini-Kröten gesehen, aber noch sie so große“, berichtet die Niederin, die oft mit ihrer Familie im Wald sei.

Für das Experiment hat der BUND in Kooperation mit der Stadt und dem Senckenberg Forschungsinstitut den natürlichen Tümpel vor zwei Jahren tiefer ausbaggern lassen und drei Käfige hinein gestellt, damit die Amphibien dort Nachwuchs zur Welt bringen können. In den Käfigen haben Senckenberg-Mitarbeiter jeweils 25 „laichbereite“ Paare gesetzt, damit sie nicht ausbüchsen können. Denn eigentlich stammen die Kröten aus dem Grill’schen Altarm und würden dorthin zum Laichen zurück kehren, wo sie selbst geboren wurden.

Das Problem daran ist nur wenige hunderte Meter entfernt zu hören. Auf der Oeserstraße, die den Niedwald von dem Altarm der Nidda trennt, rauschen die Autos vorbei. Weil die Population im Wald an der Nidda so groß ist, wandern die Kröten auf die andere Straßenseite, um dort Nahrung wie Würmer, Tausendfüßer und Insekten zu finden.

Deshalb gibt es seit mehr als zwei Jahrzehnten einen Krötenzaun im Wald gegenüber des Ramada-Hotels. Entlang des 500 Meter langen, knöchelhohen grünen Stoffbandes stehen Eimer im Boden, in die die Kröten fallen, wenn sie über die Straße wollen. Seit Anfang an betreuen die BUND-Mitglieder Jutta Erich und ihr Partner Andreas Müller den Krötenzaun.

Mit insgesamt zwölf Helfern kontrollieren sie abwechselnd morgens und abends die Eimer und tragen die Kröten hinüber. Dabei werden die Lurche gleich registriert. In diesem Jahr haben die Freiwilligen 1200 Exemplare gezählt. Als Lösung des Problems habe sie sich immer einen Tunnel gewünscht, berichtet Erich. Eine andere wäre ein Fahrverbot auf der Oeserstraße. „Zwischen Februar und März könnte man die Straße ab Einbruch der Dunkelheit sperren“, sagt Erich. Das gebe es auch anderswo, sei jedoch „politisch nicht gewollt“.

So müssen die Aktivisten weiter auf das Experiment in den Käfigen hoffen. Noch gebe es keine Ergebnisse, berichtet Christian Haak. „Die Generation 2017 braucht noch zwei bis drei Jahre“, sagt er. Außerdem sei der Tümpel ohnehin zu klein, um alle Kröten zu schützen. Der heiße Sommer hat sein Übriges dazu beigetragen, dass die Bedingungen nicht optimal sind, und der Pegel des ausgehobenen Gewässer schon wieder abgesunken ist.

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