Peter Feldmann.
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Peter Feldmann.

Grußwort

Kritisches Denken als Markenkern

Von Peter Feldmann, Oberbürgermeister in Frankfurt.

Neulich erwähnte ich gegenüber einem Bekannten, dass ich zum 75. Geburtstag der Frankfurter Rundschau ein Grußwort schreiben soll. Im Scherz antwortete er, ich könne ja 75 Berichte aufzählen, über die ich mich geärgert habe. Wir haben beide gelacht.

Doch wie in jedem Witz steckt auch in diesem ein Körnchen Wahrheit. Ja, ich ärgere mich über die FR, manchmal sogar sehr. Und wissen Sie was? Genau so muss es sein.

Kritisches Denken – das ist der Markenkern der FR. Sie will nicht gefallen, schon gar nicht den Mächtigen.

Sie steht in der Tradition der Aufklärung, hat den kritischen Impuls der Frankfurter Schule in sich aufgesogen. Statt auf Meinungsmache setzt sie auf Haltung – und gibt sich nie mit einfachen Wahrheiten zufrieden. Ganz im Sinne von FR-Ikone Karl Gerold: „Unabhängig zu sein, heißt ja nicht, neutral zu sein.“ Ebenso wie ihre prägende Figur scheut die FR keine Konflikte. Dabei geht es ihr stets um die Sache.

Das passt zu Frankfurt, wo schon früh das Wort – nicht der Degen – Waffe der Wahl bei Meinungsverschiedenheiten wurde. Die Paulskirche symbolisiert diesen Geist. Sie erinnert uns daran, dass die beste Lösung nicht vom Himmel fällt. Sie wird erstritten.

In diesem Sinne freue ich mich darauf, mich noch oft über die Frankfurter Rundschau zu ärgern. Denn ich weiß: Dieser Streit, dieser Widerspruch – er ist zum Wohle der Stadt.

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